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Komplettsperrung sorgt in Weißenburger Ortsteil für Ärger

Die Hagenbucher Ortsdurchfahrt ist auch nach Feierabend und am Wochenende gesperrt - 26.06.2020 06:44 Uhr

Ein großer Bagger und andere Baufahrzeuge blockieren die Ortsdurchfahrt in Hagenbuch. Bei den Bewohnern, die große Umwege nach Weißenburg fahren müssen, ist der Ärger groß. © Foto: Robert Renner


Unsere Zeitung erreichten diese unter anderem auf Facebook. Dort schrieb eine Bürgerin von einem "Schildbürgerstreich". Eine andere Nutzerin klagt über den Umweg, den sie fahren muss. Wer von Weißenburg derzeit nach Hagenbuch will, muss über Ellingen und Weiboldshausen fahren. Die Nutzerin schreibt, dass sie dadurch für die Hin- und Rückfahrt "mindestens eine halbe Stunde länger" braucht.

Beklagt wurde auch, dass bis Freitag vergangener Woche auf der Baustelle nichts geschehen sei. "Außer Schikanen auf der Straße, einer unzureichend gesicherten Baustelle und nicht genutzter Stellflächen für die Firma Heuchel ist keine Bauaktivität sichtbar", schrieb eine Bürgerin.

Bauleiter Michael Lutz von der Nördlinger Baufirma versichert indes: "Wir wollen niemanden schikanieren." Aber es gebe nun mal Vorschriften und eine verkehrsrechtliche Anordnung. Und die besage, dass die Straße komplett gesperrt werden müsse. Darüber könne er sich nicht nach Gutdünken hinwegsetzen, nach dem Motto: Heute schaut es auf der Baustelle mal nicht so gefährlich aus, da lasse ich Autos durchfahren.

"Wenn ich mich nicht an die Anordnung halte, mache ich mich strafbar", macht er deutlich. Es wäre nicht das erste Mal, dass in einer Baustelle ein Autofahrer aus der Spur komme und sein Auto beschädige. Hätte die Baufirma dann die Durchfahrt entgegen der Anordnung geöffnet, müsse sie haften.

Ganz ungeachtet dessen gebe es weitere Problempunkte: Mache er die Baustelle für Autos auf, würden auch Lastwagenfahrer versuchen durchzukommen. Das könne zu "brenzligen Situationen" führen. Und Baustellen, die zeitweise in baufreier Zeit geöffnet würden, hätten oft das Problem, dass auch bei laufenden Arbeiten die Sperrung nicht ernst genommen würde. Die Erfahrung zeige, dass dann Maschinenführer und Arbeiter von Autos in der Baustelle überrascht würden.

Außerdem ist Lutz zufolge die Baustelle "etwas komplexer", was die Arbeiten erschwere und die durchgehende Sperrung begründe, für Laien aber nicht erkennbar sei. Es müssten verschiedenen Kanäle angebunden werden, gleichzeitig gelte es auf das unmittelbar benachbarte, neu gebaute Pumpwerk Rücksicht zu nehmen.

Seine Firma versuche stets die Behinderungen für Anwohner so gering wie möglich zu halten. Als Beispiel führte der Bauleiter die Anlieferung des Pumpwerks mit einem Autokran an. Einfacher wäre es gewesen, auch dafür die ganze Straße zu sperren, doch aus Rücksicht auf die Bürger sei nur halbseitig gesperrt worden. Lutz: "Da gab es eine Möglichkeit, dies so zu machen, jetzt gibt es eben keine."

Erboste Anrufe

Das wollten allerdings manche Bürger nicht einsehen, sagt der Bauleiter. Entsprechend hätten er und eine Sekretärin es auch schon bei Anrufen "voll abbekommen". Der Ton sei unmöglich gewesen. "Mir wurde auch mit dem Anwalt und der Polizei gedroht", schildert Lutz.

Auch in der Stadtverwaltung und bei Oberbürgermeister Jürgen Schröppel gingen Beschwerden ein. Er verweist auf "arbeitsschutzrechtliche Gründe". Es gelte sicherzustellen, dass niemand in der Baustelle rumfahre. Diese allabendlich und an den Wochenenden für den Verkehr zu öffnen, sei zu aufwendig.

Auch er macht deutlich, dass der Anschluss Hagenbuchs an die Weißenburger Kanalisation komplexer sei. "Das geht eben nicht mit einem Fingerschnipps." Er räumte allerdings ein, dass die Arbeiter am vergangenen Freitag nicht so weit wie geplant gekommen seien, daher sei die Fahrbahn noch nicht aufgegraben gewesen, und es habe den Anschein erweckt, als könne man durchfahren.

Schröppel berichtete aber auch, dass in den ersten Bautagen Autofahrer nach Arbeitsschluss Sperrböcke beiseite geschoben hätten, um durchfahren zu können. Das gehe gar nicht. Dass die Baufirma dann zur Sicherung Baufahrzeuge in die Durchfahrt gestellt habe, sei verständlich und "die reine Notwehr".

Auch das Argument, dass es für Rettungsdienste kein Durchkommen gebe, weist der OB zurück: "Polizei, Sanitäter, Feuerwehr und Einsatzleitstelle sind allesamt informiert."

Dauern soll die Sperrung noch maximal bis Ende Juli. Michael Lutz versichert aber, dass die Firma Heuchel alles tun werde, um deutlich früher fertig zu werden. Auch dazu trage die Vollsperrung bei. Der Bauleiter: "Wir tun unser Möglichstes."

 

ROBERT RENNER

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