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Kooperation der Tourismusvereine im Fränkischen Seenland?

Aus Pleinfeld kommt das Signal für einen Zusammenschluss, um mehr Gehör zu finden - 12.05.2020 12:02 Uhr

Traumhaft schön ist es im fränkischen Seenland. Dennoch gibt es speziell im Tourismus in manchen Bereichen auch Nachholbedarf. Alwin Fackler, der neue Vorsitzende des Tourismusvereins Pleinfeld, möchte gern mehr Miteinander der Tourismusvereine.

© Foto: Christine Bethke


Das hat zuletzt unter anderem Alwin Fackler gemacht. Der Hörlbacher ist seit Dezember vergangenen Jahres der neue Vorsitzende des Tourismusvereins Pleinfeld. Selbst betreibt er unter dem Label Xadu fünf Ferienhäuser in der Region. Fackler ist ein ungewöhnlicher Vertreter der lokalen Branche: weil er das Gastgewerbe nicht als kleinen Nebenerwerb sieht, weil er ein Freund unkonventioneller Ansätze ist, weil er touristisch viel gesehen hat.

Der 47-Jährige nahm den Vorsitz des Tourismusvereins während eines dreitägigen Heimaturlaubs im Rahmen einer fünfmonatigen Weltreise an. Der ausgebildete Bankkaufmann hat schon Motorradtouren in Rumänien angeboten oder eine Paint-Ball-Anlage in Vietnam betrieben. Jetzt als verheirateter Familienvater ist der gebürtige Monheimer im Seenland zu Hause und zufrieden. "Die Region hier ist ein Traum. Wir haben wirklich alles", findet er.

Mit dem Tourismus vor Ort hadert er allerdings immer mal wieder. "Vieles läuft gut und ordentlich, aber mir fehlen oft die Impulse für kreative Dinge, die nicht gleich 100 000 Euro kosten", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das könnte daran liegen, dass – anders als in anderen Branchen – die privaten Akteure des Tourismus schlecht organisiert sind. Der Fremdenverkehr ist in Bayern und damit auch in Altmühlfranken in Vermarktung und Organisation vor allem eine kommunale Angelegenheit. Die meisten Gremien sind mit Politikern besetzt. Die Seen-Zweckverbände etwa von Brombach-, Altmühl oder Hahnenkammsee, in denen kein einziger Vertreter des touristischen Privatsektors sitzt. Auch der Tourismusverband Fränkisches Seenland ist kommunal geprägt und die Zukunftsinitiative Altmühlfranken, die den Tourismusbereich voranbringt, ist eine Stelle des Weißenburger Landratsamts.

Da bleiben derzeit nur die zahlreiche kleinen Fremdenverkehrs- und Tourismusvereine in den einzelnen Orten als Sammelbecken für die privaten Touristiker. Nur sind die oft so klein, zu wenig organisiert und finanziell schlecht ausgestattet, dass sie kaum Größeres bewirken können.

Mehr als Bier und Bratwürste

"Ich habe mir das im Tourismusverein Pleinfeld angeschaut und festgestellt, dass wir seit Jahren eigentlich nur für die Bewirtung bei ein paar Anlässen im Jahr da sind", erzählt Alwin Fackler. Mit Bratwürste grillen und Bier ausschenken werde man die Region aber nicht groß vorwärts bringen, findet Fackler. Er hat die rund 60 Mitglieder des Tourismusvereins zu einer Ideensammlung aufgerufen.

"Bisher kam nichts", stellt Fackler fest. Und das lässt ihn ein wenig an den Strukturen zweifeln. "Ich engagiere mich gerne, aber nicht, wenn das bedeutet, dass ich alles selber machen muss." Deshalb regt er an, das "Klein-Klein" zu beenden und die lokalen Tourismusvereine in den Seegemeinden Stück für Stück zusammenzuschließen. "Es macht keinen Sinn, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht."

In diesen Gremien, so hofft Fackler, könnten sich dann die privaten Akteure rund um den Seenland-Tourismus sammeln. Von Vermietern über Gastronomen bis hin zu Freizeiteinrichtungen und vielem mehr. Der 47-Jährige will jetzt die benachbarten Tourismusvereine im Seenland anschreiben und sich umhören, wie man dort die Situation sieht.

Der Vorschlag ist interessant, denn auch an anderer Stelle merkte man in den Krisenzeiten, dass man gemeinsam handeln muss. Gerade hat sich die "Initiative Brombachsee" als loser Zusammenschluss der privaten touristischen Akteure am Brombachsee gegründet (weiterer Bericht folgt). Man will auf die schwierige Situation der See-Betriebe aufmerksam machen. Spricht man mit dem ein oder anderen Dienstleister am See, dann hört man es vernehmlich Grummeln. Man fühlt sich von den Behörden nicht richtig unterstützt. Vielleicht auch, weil man nicht gemeinsam auftritt ...

JAN STEPHAN

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