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Dienstag, 13.04.2021

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Modl Medical in Pappenheim: Start-up mit Staatsauftrag

Die Pappenheimer Firma testet an der tschechischen Grenze und in Hamburger Schulen - 14.03.2021 05:54 Uhr

Die Pappenheimer Firma Modl Medical testet derzeit in Auftrag des Freistaats Bayern an der deutsch-tschechischen Grenze in Waidhaus systemrelevante Pendler. Demnächst wird man auch in Hamburg in Schulen aktiv sein.

12.03.2021 © Foto: Modl Medical


Inzwischen ist aus der spontanen Beschaffungsaktion am Beginn der Krise eine eigenständige Firma im Medizinbereich geworden. Aus dem Pappenheimer Mechatronik-Betrieb Modl heraushat sich Modl Medical gegründet.

Längst sind Masken nur noch als Grundrauschen ein Thema, die Durchführung und Betreuung von Massentests ist das neue heiße Eisen der Pandemie-Republik. Ein Instrument, dessen Erfolg in der Anwendung möglicherweise darüber entscheidet, wie offen, wie normal das Leben in diesem Sommer aussehen wird.

Im letzten Jahr ist viel passiert

Erst mal ist man aber im ausgehenden Winter an der deutsch-tschechischen Grenze in Waidhaus im Einsatz. Im Auftrag des Freistaats testet Modl Medical dort systemrelevante Pendler, die die Grenze passieren dürfen. "Das ist eigentlich Wahnsinn", sagt Nicole Modl. Manchmal muss sie sich selber schütteln, weil es nicht so recht zu glauben ist, was im vergangenen Jahr alles passiert ist.

"Dass ein kleines Start-up aus Pappenheim einmal im Auftrag des Freistaats an Grenzkontrollen beteiligt ist, wer hätte das gedacht?", erzählt sie und schnauft kurz durch. "Aber für uns ist es wirklich eine Ehre, da in staatlichem Auftrag unterwegs zu sein."

Und das nicht nur in Waidhaus, denn auch in Hamburg erhielt man im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag, bei der Testung von gut 250 000 Schülern in der Hansestadt zu helfen. "Im Moment sind da noch Ferien, wir gehen aber davon aus, dass das in der kommenden Woche aktiv beginnt."

1500 Tests pro Stunde

Zu stemmen ist all das für ihr Unternehmen nur, indem sie selbst neue Mitarbeiter eingestellt hat und mit Kooperationspartnern zusammenarbeitet. "Wir sind in Waidhaus selbst aktiv, aber wir haben auch Leute dazugeholt, die Tschechisch sprechen, damit die Verständigung klappt." Außerdem gibt es im Personalbereich diverse Kooperationspartner, die medizinisches Personal oder Sicherheitskräfte zur Verfügung stellen.

Waren es zu Beginn von Modl Medical die guten Kontakte in die chinesischen Produktionsketten, die den Erfolg ausmachten, so ist es jetzt eine Software-Lösung. "Wir können mit unserem Konzept und unserer Software 1500 Leute die Stunde testen und dabei sind die Leute bei uns nur 35 Sekunden an der Station", erklärt Modl. Dieses Konzept hat das Pappenheimer Unternehmen bundesweit interessant gemacht.

"Skaliert man das auf einen Tag hoch, könnte man so an einer Station bis zu 20 000 Menschen pro Tag testen", weiß die Pappenheimer Unternehmerin. "Das könnte ein entscheidender Beitrag für Öffnungen sein." Im Moment sei man im Gespräch mit großen Veranstaltern, die darauf hoffen, dass mit solchen Massentestungen auch Konzerte und Co noch in diesem Sommer möglich sind.

Irrtum mit positiven Folgen

Die Software regelt Anmeldung, Testdurchführung und Ergebnisübermittlung. Binnen einiger Minuten bekommen die Menschen ihre Testergebnisse per SMS und per Mail als Nachweis übermittelt. Dass Modl mit dieser Lösung nun bestens dasteht, liegt daran, dass man sich ein bisschen verschätzt hat.

"Wir dachten dass das schon die Lösung für die Weihnachtsmärkte wird", erzählt Modl. Deshalb entwickelte man die Strukturen schon vergangenes Jahr mit Hochdruck. Als die Wintersaison nahezu komplett ausfiel, verlegte man sich kurz vor Weihnachten auf den Aufbau privater Testzentren, die man mit Kooperationspartnern von Nürnberg, München oder Augsburg bis nach Berlin, Bottrop oder Görlitz betrieb und zumeist auch noch betreibt.

Das war der Stresstest für Software und Ablauf, der absolut erfolgreich bestanden wurde. Daraus zog man viel Wissen, das man nun nicht nur beim eigenständigen Betrieb von Testzentren umsetzt, sondern auch in der Beratung von neuen Betreibern und der Schulung von Personal. Außerdem vergibt man die eigene Software auch in Lizenz an fremde Betreiber.

Ist der Sommer noch zu retten?

"Derzeit bekommen wir viele Anfragen, auch von Kommunen. Es hat sich rumgesprochen, dass wir eine hohe Kapazität haben", so Modl. Sie glaubt, dass die Massentestungen wirklich einen Beitrag zur Öffnung der Gesellschaft leisten können. Die nächsten Wochen und Monate würden die verschiedenen Konzepte und ihre Anwendung sicher heiß diskutiert.

Derweil arbeitet Modl Medical bereits an der Weiterentwicklung der Testsoftware. Sie soll in Zukunft auch eine Nachverfolgung der Kontakte ermöglichen. Sowohl in Form von Tracking (GPS-Verfolgung) und Tracing (Bluetooth-Kontakt).

Für sichere Prognosen ist die Lage nach wie vor zu unsicher, aber Nicole Modl glaubt daran, dass dieser Sommer noch zu retten sein könnte. Und man wünscht ihr da nur, dass sie recht behalten möge.

JAN STEPHAN

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