Dienstag, 20.10.2020

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Muna-Alternative: Ein "Fort Knox" für Seltene Erden?

Der Unternehmer Hans-Werner Kummerow hat auch auf das Areal bei Langlau geboten. - 02.10.2020 17:22 Uhr

Das Muna-Gelände bei Langlau wäre aus Sicht des Wassertrüdinger Unternehmers Hans-Werner Kummerow bestens als Lager für Seltene Erden geeignet, mit denen sich Deutschland unabhängiger von Asien machen könnte.

© Foto: limes-luftbild.de


Leider nicht das Höchstgebot, wie Hans-Werner Kummerow bedauert. Der Vorstandvorsitzende der SBI ist überzeugt, dass seine Vision für das Areal weitaus wichtiger für ganz Bayern wäre als ein Freizeitpark. Denn der Wassertrüdinger Unternehmer will auf dem Areal eine "Art Fort Knox für Seltene Erden" errichten und damit den Freistaat und seine Industrie unabhängiger von Rohstoffen aus China machen.

Kummerow gibt sich im Gespräch mit unserer Redaktion selbstbewusst. Kein Wunder: Der Mann, der aus dem Bergbau kommt, Kapitän bei der Deutschen Marine war und heute mit Edelmetallen und Seltenen Erden handelt, ist überzeugt, dass gerade jetzt die Zeit reif für seine Idee ist.

Vorrat für Seltene Erden als Rohstoff

Hans-Werner Kummerow, Vorstand der SBI AG.

© Foto: SBI AG


Jetzt, wo während der andauernden Corona-Pandemie noch allen präsent ist, wie abhängig Deutschland in bestimmten Bereichen von Asien ist, glaubt Kummerow: "Die Zeit ist reif." Reif für seine Überzeugung, dass sich Deutschland auch dringend mit Seltenen Erden bevorraten sollte, ohne die heute kein Smartphone, keine Windkraftanlage oder kein Festkörperlaser mehr auskommt. 

Und genau mit diesen Rohstoffen handelt Kummerow mit seiner SBI seit Jahren. Die AG hat laut eigenen Angaben "keinerlei Bankschulden" und hätte für den Kauf der Muna nicht einmal Hypotheken aufnehmen müssen. Wie mehrfach berichtet, wurde die Muna von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in einem Bieterverfahren zum Mindestpreis von 11,1 Millionen Euro angeboten.

Kummerow will die Entscheidungsträger überzeugen

Auch wenn Hans-Werner Kummerow im Bieterverfahren unterlegen ist, hat der SBI-Vorstand noch ein Fünkchen Hoffnung, dass sein "Fort Knox für Seltene Erden" vielleicht ja doch noch realisiert werden kann – wenn es ihm gelingt, die Mitglieder im Zweckverband Brombachsee und im Gemeinderat Pfofeld von seiner Idee zu überzeugen.


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Das Muna-Gelände würde sich Kummerow zufolge ideal eignen, um in den noch intakten Munitionsbunkern künftig mehrere Tausend Tonnen an Metallen zu lagern, um die extreme Abhängigkeit der deutschen Industrie von chinesischen Rohstofflieferungen abzumildern.

Der Güterverkehr könnte in Pfofeld problemlos über die Schiene abgewickelt werden, wenn das vorhandene Industriegleis wieder in Betrieb genommen würde. Der SBI-Vorstand schätzt, dass für seine Zwecke rund 100 Hektar voll und ganz genügen würden.

Touristische Zweitnutzung und Vorteile für die Natur

Der nördliche Teil des Muna-Areals, der an den Brombachsee angrenzt, könnte nach Kummerows Vorstellungen in Kooperation mit der Gemeinde Pfofeld touristisch genutzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Unternehmer könnte sich dort zum Beispiel einen Baumwipfelpfad vorstellen, der es den Besuchern erlaubt in luftiger Höhe und ohne Bodenkontakt den Wald und die im geplanten Wildpark lebenden Tiere zu beobachten.

"Zusätzlich könnten Rundfahrten mit Pferdekutschen oder Elektrolokomotiven angeboten werden, um zum Streichelzoo, Walderlebniszentrum oder ähnlichen Einrichtungen zu gelangen", schildert der Unternehmer seine Vision. Auch ein Wellnesshotel oder ein Sanatorium seien für ihn denkbar.


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Auf jeden Fall aber will Kummerow den gesamten Randbereich der Muna wieder öffentlich zugänglich machen.

Er ist überzeugt davon, dass sein Konzept auch Vorteile für Wald, Wasser und Natur mit sich bringt. Vor allem auch, weil es bei der Kampfmittelräumung ohne totale Abholzung auskommen würde. Die berge Kummerow zufolge die Gefahr, dass bei der Rodung des Waldes und der Entfernung der Wurzelstöcke die darin gebundenen Giftstoffe mobilisiert und ins Grundwasser und damit in den Brombachsee gelangen.

Kampfmittel müssen unschädlich gemacht werden

Der ehemalige Kapitän zur See schlägt stattdessen vor, dass die noch im Boden befindlichen Kampfmittel mit einer sogenannten "Drehflügler-Drohne" aufgespürt und unter Aufsicht eines Sprengmeisters dann freigelegt werden. Im Anschluss müsste der bayerische Kampfmittelbeseitigungsdienst die Kampfmittel dann unschädlich machen.

Dass Hans-Werner Kummerow es ernst meint mit seiner Idee, belegt unter anderem ein geologisch-hydrogeologisches Gutachten, dass die Firma SBI bei der Gunzenhausener Ingenieurgesellschaft für Wasser und Boden in Gunzenhausen in Auftrag gegeben hat. Das Gutachten soll klären, inwieweit ein Hochsicherheitslager für kritische Metalle auf dem Muna-Gelände möglich ist.

Das Fachbüro kommt darin zu einer interessanten Bewertung: "Eine Sanierung der kontaminierten Böden am Standort durch Aushub, Deklaration und Entsorgung stellt aus meiner Sicht einen finanziell nicht leistbaren Aufwand dar und birgt die Gefahr, dass es im Zuge der erforderlichen Erdbewegungen zur Mobilisierung von Schadstoffen in Boden und Grundwasser kommen kann." Ein Argument, dass Kummerow zufolge klar gegen die Center-Parcs-Pläne auf dem Muna-Gelände spricht.

Noch eine Chance?

Er selbst hofft, dass er vielleicht doch noch zum Zuge kommt, weil nach den Ausschreibungbedingungen für das bundeseigene Grundstück die BImA das Muna-Gelände nur mit der Zustimmung des Bundesfinanzministers veräußern darf.

Deshalb hat Kummerow zwischenzeitlich auch "führende Politiker im Deutschen Bundestag" auf die besondere Eignung der ehemaligen Muna als Hochsicherheitslager für eine deutsche strategische Metallreserve hingewiesen und darum gebeten, dem Verkauf der Fläche zuzustimmen, wenn dieser spezielle Nutzungszweck berücksichtigt werde.

Kummerow glaubt, dass er ein gewichtiges Argument hat: "Die deutsche Industrie und ihre Mitarbeiter brauchen eine strategische Metallreserve dringender als ein weiteres Spaßbad und ein paar Hundert Ferienhäuser in einer bereits sehr stark genutzten Erholungsregion."

MARKUS STEINER

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