Mittwoch, 21.04.2021

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Protestaktion "Gedeckter Tisch" in Weißenburg

Bayerische Gastwirte haben auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht - 02.03.2021 12:25 Uhr

Die Weißenburger Gastwirtin Betti Städtler vom Hotel Brandenburger Hof fordert, wie viele ihrer bayerischen Kollegen, eine möglichst schnelle Wiedereröffnung der Gaststätten. Der lange Lockdown bedrohe die Existenz, sagt sie.

01.03.2021 © Foto: Markus Steiner


Den vom langen Lockdown gebeutelten Gastwirten scheinen nicht einmal die Naturgewalten wohlgesonnen zu sein, die mit ihrer Aktion "Gedeckter Tisch" am Montag die Politiker auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen wollten.

Organisiert hat den symbolischen, stillen Protest der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband, der mit der Aktion "Gedeckter Tisch" im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche am Mittwoch, 3. März, auf die verzweifelte Situation und die Perspektivlosigkeit des Gastgewerbes aufmerksam machen will. Denn mittlerweile bringt es die Branche seit März 2020 auf eine insgesamt sechsmonatige Schließung.

Die Gesichter der Weißenburger Gastronomie

"Wenn ich keine staatliche Unterstützung erhalten hätte, dann hätte ich schon lange ganz schließen müssen", sagt Betti Städtler, während sie zwischen dem gedeckten Tisch und dem gemachten Bett steht und ratlos mit den Achseln zuckt. Warum gerade die Gastwirte, die bereits im vergangenen Sommer ein ausgeklügeltes und ihrer Ansicht nach auch gut funktionierendes Hygienekonzept hatten, noch immer geschlossen bleiben müssen, kann die Pächterin des Brandenburger Hofes nicht verstehen.

Von der Politik vergessen?

"Wir sind da inzwischen echt die Deppen", sagt sie und blickt ein wenig neidisch auf Frisöre, Bau- und Gartenmärkte oder Fußpfleger, die nun wieder öffnen dürfen. Die Gastwirte hätten Städtler zufolge das Gefühl, dass sie von der Politik ganz vergessen wurden und wollen mit der Aktion "Gedeckter Tisch" erreichen, dass auch für sie die gleichen Maßstäbe wie für andere Branchen gelten.

"Einen fortgesetzten Teillockdown, während andere öffnen dürfen, akzeptieren wir nicht", macht deshalb Angela Inselkammer, die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, auch unmissverständlich in einer Pressemitteilung deutlich. Schließlich hätten die Betriebe des Gastgewerbes während der erlaubten Öffnung vom vergangenen Frühjahr bis Herbst bewiesen, dass die Hygienekonzepte funktionieren: "Gastronomie und Hotellerie waren und sind keine Pandemietreiber."

Als in der Weißenburger Gastro die Lichter wieder ausgingen

Das habe vergangene Woche auch das RKI mit seinem "Control Covid Plan" bestätigt, demzufolge sei das Ansteckungsrisiko sowohl bei Zusammenkünften im Freien als auch in Hotels niedrig. Der "Teillockdown" ab dem Herbst 2020 im Gastgewerbe sei keine Folge eines hohen Infektionsgeschehens im Gastgewerbe gewesen, sondern eine rein politische Entscheidung, um die Kontaktzahlen zu senken.

"Respekt verdient"

Diese Politik nach dem Motto "Ihr bleibt zu, damit andere wieder öffnen können", sei nicht mehr akzeptabel, findet auch Betti Städtler, die teilweise noch immer auf staatliche Hilfen wartet. So steht derzeit noch immer ein Teil der beantragten Dezemberhilfe aus.

Treuchtlinger Gründer bangen um ihre Existenz

Hätte sie nicht ab und an einige gewerbliche Übernachtungen, zum Beispiel von Handwerkern, und dreimal die Woche Essen "To Go", dann sähe es noch düsterer aus. "Die Menschen, die im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiten, verdienen den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung wie die Menschen in anderen Branchen", findet die Gastwirtin.

Sie sieht noch eine weitere Gefahr, wenn der Lockdown im Gastgewerbe noch länger andauern sollte: "Die Menschen feiern dann, wie man ja auch bei uns im Landkreis kürzlich gesehen hat, im Privaten – ganz ohne Hygienemaßnahmen." Die in Hygiene geschulten Gastwirte könnten dagegen ihren Gästen eine hohe Sicherheit in ihren Räumen bieten. Spätestens an Ostern müsse der Lockdown beendet werden: "Es ist an der Zeit, dass endlich auch wir wieder aufmachen dürfen."

MARKUS STEINER

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