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Sag beim Abi leise Servus

Nach Diskussionen findet die Abitur-Verabschiedung am Weißenburger Gymnasium ohne Eltern statt. - 11.07.2020 05:37 Uhr

Die Andreaskirche platzte bei der Verabschiedung der Abiturienten auch in den vergangenen Jahren bereits immer aus allen Nähten. So voll darf es heuer wegen der geltenden Corona-Regelungen nicht werden.

© Archivfoto: Markus Steiner


  Es ist ein Thema, bei dem die Emotionen zum Teil hochkochen. Und bei dem sich zeigt, wie schwer es ist, eine Veranstaltung in Corona-Zeiten zu organisieren. Die Eltern wollen dabei sein bei der Zeugnisübergabe, die Abiturienten möglichst mit der Familie und dem ganzen Jahrgang feiern. Nur sind alle zusammen eine zu große Menschenmenge. Nach langen Diskussionen und mehreren Umfragen findet die Verabschiedung nun am Freitag, 17. Juli, in der Andreaskirche statt – mit allen Abiturienten, aber ohne die Eltern. "Nach dem aktuellen Stand ist diese Lösung am besten umsetzbar", sagt Schulleiter Wolfgang Vorliczky. "Irgendwann muss man Nägel mit Köpfen machen."

Lange Zeit sah es für die Abiturienten so aus, als würde es gar keine Verabschiedung geben. Durch die Lockerungen konnten sie sich in den vergangenen Wochen aber wieder Hoffnung machen. "Die Rahmenbedingungen verändern sich laufend. Wir haben immer versucht, darauf zu reagieren", erklärt Vorliczky. Los ging es mit einem "Kompromiss-Vorschlag": zuerst ein Gottesdienst in St. Andreas als gemeinsame Veranstaltung der Abiturienten, und anschließend die Zeugnisübergabe in 15er-Gruppen mit den Eltern in der Mensa. "Wir wollten es beiden Seiten Recht machen."

Doch die Schüler waren mit diesem Vorschlag nicht zufrieden. Die Jahrgangsstufensprecher um Anna Felleiter suchten das Gespräch. "Wir haben gefragt, ob man unseren Jahrgang auch bei der Verabschiedung trennen muss, obwohl wir sowieso auf jedes gemeinsame Erlebnis verzichten müssen." Daraufhin startete sie eine Umfrage. 56 von 105 Abiturienten sprachen sich für eine Verabschiedung mit dem gesamten Jahrgang und ohne Eltern aus.

Erneute Umfrage

Das wollten sich Vorliczky und der Elternbeirat erst von den Eltern bestätigen lassen. In einer erneuten Umfrage konnten die Eltern zwischen der Mensa-Variante in 15er-Gruppen und einer Feier des gesamten Jahrgangs ohne Eltern wählen. Das Ergebnis: 36 zu 46. "Zwar ist das keine überwältigende Mehrheit, aber beide Umfragen haben uns zu der Entscheidung bewogen", erklärt Vorliczky. Hinzu komme, dass seit dieser Woche in Innenräumen wieder 100 Personen erlaubt seien.

Man erreicht Jahrgangsstufensprecherin Anna Felleiter in Kroatien. "Gut 40 Leute aus unserem Jahrgang sind hier", erzählt sie. Es werde auch dort über die Verabschiedung diskutiert. Felleiter und ein Großteil des Jahrgangs sind mit der Lösung zufrieden. Jeder Kompromiss würde von einer normalen Abi-Verabschiedung in den Schatten gestellt. Aber: "Wenn man sich wirklich mit den Fakten auseinandersetzt, kann man die Entscheidung nachvollziehen."

In Kroatien verfolgen die Abiturienten die Nachrichtenlage. "Als Söder angekündigt hat, auf 400 Personen hochzugehen, kam wieder Hoffnung auf", erzählt Felleiter. Damit spielt sie auf eine Äußerung von Ministerpräsident Markus Söder an. Der sagte im BR-Fernsehen, dass man nächsten Dienstag im Kabinett über eine Erhöhung der Besucher auf 200 innen und 400 außen beraten wolle. Also schlugen die Abiturienten per Telefon eine Verabschiedung mit Eltern im Bergwaldtheater vor. Nach dem Gespräch mit der Schulleitung stellte Anna Felleiter aber fest: "Das ist einfach unrealistisch."

Das bestätigt auch der Schulleiter. Im Elternbrief steht: "Da der Beschluss des Bayerischen Kabinetts erst in der nächsten Woche zu erwarten ist, können wir dies nicht berücksichtigen." Auf Nachfrage erklärt Vorliczky: "Wenn im Innenraum 200 Personen erlaubt sind, stellt sich die Frage: Wie wähle ich aus?" Bei den möglichen 400 Personen im Außenbereich gebe es zum einen den Risikofaktor Wetter, zum anderen müsste man einen Ort finden. "Am Schulgelände sehe ich nicht viele Möglichkeiten." Und das Bergwaldtheater müsste innerhalb von zwei Tagen entlaubt, desinfiziert und bestuhlt werden.

Elternbeiratsvorsitzendem Robert Renner gegenüber haben sich Eltern angeboten, dabei mitzuhelfen. Es handele sich aber um eine hypothetische Situation. Renner beschreibt die Stimmung unter den Eltern als "zweigeteilt". "Auf der einen Seite gibt es die Eltern, die sagen: Lasst die Kinder gemeinsam ihren Abschluss feiern. Auf der anderen Seite wollen manche unbedingt mit dabei sein." Renner hat aber den Eindruck, dass auch diejenigen, die für die Variante ohne Eltern gestimmt haben, lieber mit dabei wären. Der Elternbeirat hat sich aber klar für eine Variante mit Eltern ausgesprochen. Renner: "Aber wenn es die Mehrheit anders will, dann akzeptieren wir das."

Auch Claudia Pößnicker, Mutter einer Absolventin, erzählt von mehreren Lagern unter den Eltern. Was ihr am liebsten wäre? "Der Sportplatz." Den hätte man mit Absperrbändern und klar definierten Zonen aus ihrer Sicht nutzen können. Pößnicker ist sich sicher: "Es gibt genug Eltern, die da mitgeholfen hätten." Nach der Entscheidung am Donnerstag hat sie sich in ihrem Umfeld umgehört. "Die Entscheidung wird mitgetragen, aber die Unflexibilität beschäftigt die Eltern." Auch die Neu-Stadträtin meint: "In diesen Zeiten müssen wir flexibel bleiben."

Das will sich Schulleiter Vorliczky nicht vorwerfen lassen. Auf Nachfrage erklärt er: "Wir haben uns immer wieder neu angepasst, sind auf die Schülermeinung eingegangen. Aber wir können nicht gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen." Nicht zu vergessen seien auch die Lehrer, die bei der Verabschiedung fehlen werden. Um die Eltern trotzdem teilhaben zu lassen, wird es einen Livestream geben. Ohne Händedruck und ohne Maske werden die Zeugnisse übergeben. Das Erinnerungsfoto wird also "ganz normal" aussehen. Anna Felleiter meint: "Wir freuen uns über alles, was wir bekommen."

BASTIAN MÜHLING

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