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Sparkasse: Noch ist ein Happy End möglich

Die Wirtschaft in der Region präsentiert sich in der Krise verblüffend stabil, aber die ist eben noch nicht zu Ende. - 19.04.2021 10:00 Uhr

Es brennt noch Licht in den Unternehmen im südlichen Mittelfranken – so wie hier bei Gutmann in Weißenburg. Die Zahlen der Sparkasse Mittelfranken-Süd zeigen, dass die heimische Wirtschaft bislang erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen ist.

16.04.2021 © Foto: Walter König


Immer dann, wenn er wieder mal selbst etwas verwundert feststellte, dass die Corona-Krise wirtschaftlich keine Verwüstungen in der Region angerichtet hat. Bisher zumindest. Klopf, klopf, klopf . . .

Tatsächlich ist diese Erkenntnis überraschend. Immerhin ist die Pandemie als eine historische Krise ungekannter Art und ungekannten Ausmaßes über das Land und die Region hinweggefegt. Es gibt ganze Branchen, die im vergangenen Jahr länger zwangsgeschlossen als geöffnet waren. Und die Auswirkungen bisher? Überschaubar!


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"Wir haben keinen einzigen Kredit, der uns wegen Corona ausgefallen ist", stellte Daniela Heil, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mittelfranken-Süd fest. Und selbst die Möglichkeit, die Tilgung von Krediten auszusetzen, sei zurückhaltend genutzt worden. Nur 500 Kunden mit insgesamt rund 1500 Kreditkonten griffen auf diese Entlastungsmöglichkeit zurück. Der Rest hatte offenbar trotz Krise genug Mittel, um all seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Auch neues Geld holten sich die Firmen nur zurückhaltend. Trotz umfangreicher staatlicher Angebote. Dass man derzeit so überraschend gut dasteht, hat aus Sicht von Heil und Rohmer eine Vielzahl von Gründen. Die meisten davon sind erfreulich.

Sehr stabil aufgestellt

So betonte Rohmer den Unterschied zur Finanzkrise von 2008. "Anders als damals sind die meisten Unternehmen bei uns sehr stabil aufgestellt. Sie haben die vergangenen Jahre dazu genutzt, ihre Eigenkapitalquoten zu erhöhen." Hinzu kommt, dass die Industrie vergleichsweise wenig unter der Krise leidet. Nach anfänglichem Stocken zu Beginn der Pandemie laufen die Geschäfte stabil. "Der Industrie geht es nicht so schlecht, teilweise sind die Auftragsbücher sehr voll, teilweise gibt es auch mal ein Minus von zehn Prozent, aber das Geschäft läuft."

Noch keine finalen Einschläge

Und auch die Perspektiven sehen gut aus. "Auch in China und Asien zieht es wieder an, und das ist für uns als Exportnation wichtig", so Rohmer. Dass die umsatz- und mitarbeiterstarke Industrie von der Krise vergleichsweise sanft angefasst wird, ist Teil der gesamtwirtschaftlich verhältnismäßig positiven Lage.

Das sei bei der Krise von 2008 anders gewesen. Damals gerieten in Altmühlfranken etwa die Automobilzulieferer schnell in Probleme und sorgten so für ganz handfeste Konsequenzen der Krise. Die findet man diesmal an anderer Stelle. Vor allem in Handel, Gastronomie, Hotellerie oder Kultur. "Der Teil des Handels, der nicht mit Lebensmitteln oder Versandhandel zu tun hat, der hat schwer zu kämpfen", stellt Rohmer fest. Aber auch hier gäb es – klopf, klopf, klopf – noch keine finalen Einschläge. Es riecht im Moment vor Ort ganz offensichtlich nicht nach der ganz großen Katastrophe.

In puncto Gastronomie liege das an der speziellen Struktur vor Ort, glaubt Daniela Heil. "Wir haben hier überwiegend inhabergeführte Gastronomie. Das sind Betriebe, die einfach stabiler sind, weil sie keine Pacht zahlen müssen und ihre Kosten sehr weit herunterfahren können." In Teilen dürfte diese Erklärung auch für den Einzelhandel in der Region greifen.

Allerdings ist die Krise eben auch noch nicht vorbei. "Je länger der Spuk dauert, desto schwieriger wird es für viele", ist auch Rohmer klar. Zudem gibt es die Befürchtung, dass es im Moment nur deshalb noch nicht nach Feuer riecht, weil der Brand vielleicht noch im Verborgenen schwelt. "Das Insolvenzrecht ist schon seit einiger Zeit ausgesetzt, und es gibt die Vermutung, dass es Unternehmen gibt, die schon tot sind, die nur noch nichts davon wissen", fürchtet Rohmer. Wenn das Insolvenzrecht wieder angeknipst wird, dürften die Wochen der Wahrheit beginnen.

Das gilt auch für einen zweiten neuralgischen Punkt: der Moment der großen Wiedereröffnungen. Dann werden viele Unternehmen Geld brauchen, um Kollektionen vorzufinanzieren, um Waren einzukaufen, Mitarbeiter einzustellen, Werbung zu machen . . .

Keine Freudenstürme

Weil sie in der Krise ihre Eigenmittel aufgezehrt haben, um zu überleben, werden sie Geld von der Bank brauchen. Und viele dieser Unternehmen werden Wirtschaftszahlen vorzuweisen haben, die bei Bankern in der Kreditabteilung nicht für Freudenstürme sorgen. Wird das der Moment sein, indem es besonders auf die Verantwortung einer regionalen Bank ankommt? Rohmer und Heil nicken. Ein vorsichtiges Nicken allerdings. Der Wille ist da, aber die Finanzbranche arbeitet mehr mit Zahlen als mit Willen. Es wird auch für die Sparkasse ein Spagat werden.

Und ein bisschen deutet sich an, dass die Situation sich nun ändert. Langsam ziehe die Nachfrage nach Krediten an und die bestehenden Kreditlinien werden zunehmend ausgeschöpft, berichtet Daniela Heil. "Das ist für mich noch keine komplette Trendwende, aber es zeigt doch: So langsam sind die Rücklagen weg und die Luft wird dünner." Die entscheidende Frage für Handel, Gastronomie und Co wird sein: Wie viel Krise ist am Ende des Geldes noch übrig? Sie stellt sich mit zunehmender Brisanz, aber die Hoffnung auf ein relativ glückliches Ende dieser Krise ist vorhanden. Und sie ist durchaus berechtigt. Klopf, klopf, klopf . . .

JAN STEPHAN

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