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Mittwoch, 22.05.2019

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Stiegler in Solnhofen macht in kleinerer Besetzung weiter

Die bisherigen Interessenten haben abgewunken - 21.12.2018 08:06 Uhr

Wie lange gibt es das Unternehmen Stiegler noch? Die erste Verhandlungsrunde mit potenziellen Investoren ist gescheitert. Unter anderem weil die Unternehmerfamilie nicht bereit war, die Steinbrüche mitzuverkaufen, aus denen das Material stammt, das bei der Stiegler KG bearbeitet wird. © Jan Stephan


Das Gespräch mit dem Insolvenzverwalter Dr. Helmuth Eisner brachte eine Überraschung. Die Steinbrüche, deren Material in der Stiegler KG verarbeitet wird, gehören gar nicht der Firma, sondern einem anderen Unternehmen der Familie Stiegler. Sie sind damit nicht von der Insolvenz betroffen. Die Stiegler KG kaufte die Steine bei dem Partner-Unternehmen ein, bearbeitete sie und verkaufte sie weiter. Ein betriebswirtschaftlich geschicktes Konstrukt, um einen bedeutenden Wert vor einer möglichen Insolvenz zu schützen.

Für die Weiterführung des Verarbeitungs-Unternehmens, wo die zuletzt noch rund 80 Mitarbeiter angestellt sind, ist das allerdings ein ziemlich problematisches Konstrukt. „Alle In­teressenten, die wir hatten, wollten die Steinbrüche zu dem Unternehmen dazu“, stellte Eisner gegenüber dem Weißenburger Tagblatt fest. „Die Familie weigert sich aber, diese zu verkaufen. Das erleichtert die Sache nicht unbedingt.“ Zumal die Familie vor der Insolvenz Unternehmen und Steinbrüche bereits einmal im Paket zum Verkauf angeboten habe. Man habe mit Engelszungen auf die Familie eingeredet, allerdings ohne Ergebnis.

Bei einer Gläubigerausschusssitzung sowie einer Betriebsversammlung am Mittwoch habe man die Lage dargestellt und entschieden, dass man dem Insolvenzgericht vorschlagen werde, das Verfahren zu eröffnen. Mit Zustimmung des Gerichts könnte man den Betrieb dann Anfang Januar mit einer reduzierten Belegschaft am Laufen halten, um so Zeit für weitere Gespräche mit Investoren zu haben. „Das Ziel muss es jetzt sein, einen zu finden, der das auch ohne die Steinbrüche übernimmt“, so der Insolvenzverwalter.

Der Druck ist groß

Das dürfte eine Herausforderung werden. Die Natursteinbranche steht generell unter Druck, zum einen we­gen kostengünstiger Fliesen-Imitate, die unter anderem aus Italien deutlich kostengünstiger angeboten werden können und optisch kaum vom Original zu unterscheiden sind. Zum anderen dürfte die Zeit knapp werden. Denn der Weiterbetrieb muss wirtschaftlich laufen, um keine neuen Schulden hinzukommen zu lassen. „Das wird jetzt die Herausforderung werden, vor allem weil sich die Familie jetzt auch nicht mehr groß um Aufträge gekümmert hat“, so Insolvenzverwalter Eisner.

Seinen Angaben zufolge werde sich die Familie um Senior Ludwig Stiegler und seine beiden Kinder in der Geschäftsführung zum neuen Jahr völlig aus dem Betrieb zurückziehen. Das sorgt für weitere Probleme. „Da muss ja jemand sein, der sich mit Stein auskennt, das kann kein Rechtsanwalt machen“, so der Insolvenzverwalter. Dafür habe man aber bereits zuverlässige Leute. Allerdings sei es „etwas ungewöhnlich“, dass das bei einem inhabergeführten Unternehmen auf diese Art und Weise geschehe. In der Firma war wegen Betriebsferien auf Anfrage des Weißenburger Tagblatts niemand zu erreichen, eine private Anfrage bei der Familie blieb bis Redaktionsschluss zunächst unbeantwortet.

Sollte sich in den ersten Wochen und Monaten des Jahres keine Lösung abzeichnen, steht eine komplette Ab­wicklung des Unternehmens und der Verkauf allen Eigentums im Raum. Das wäre dann das komplette Ende einer mehr als 250-jährigen Tradition. Denn unter dem Namen Stiegler wird bereits seit 1761 Stein aus den Hängen des Altmühltals geholt. 

Jan Stephan

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