Samstag, 31.10.2020

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Warum die Grünen ein Grünamt in Weißenburg einfordern

Es geht darum, fachgerecht auf den Klimawandel zu reagieren - 18.10.2020 11:50 Uhr

Weißenburg hat relativ viele Grünbereiche zu bieten. Um diese – und vor allem den Baumbestand – fachgerecht zu pflegen, ist nach Meinung der Grünen ein eigenes Grünamt nötig. Dies gelte besonders vor dem Hintergrund der Herausforderungen des Klimawandels.

© Foto: limes-luftbild.de


In der jüngsten Hauptausschusssitzung des Stadtrats hatte Oberbürgermeister Jürgen Schröppel dargestellt, dass der Antrag so nicht zulässig ist, viele Stadträte und der OB sehen aber das Kernproblem hinter dem Antrag und haben Gesprächsbereitschaft signalisiert.


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Grünen-Fraktionschef Maximilian Hetzner betonte im Pressegespräch, dass es den Grünen nicht um Parteipolitik gehe, sondern das Grünamt eines ihrer "zentralen Themen" ist. Denn die Ökopartei – aber nicht nur diese – hat erkannt: "Der Klimawandel bereitet den Grünflächen der Stadt zunehmend Probleme, allen voran dem Baumbestand." Es geht also um die Themen Stadtklima und Stadtökologie. "Der Klimawandel macht ja nicht vor Weißenburg halt", unterstreicht Hetzner.

Die Grünen weisen auf steigende Durchschnittstemperaturen und zunehmende Trockenheit hin, die den Bäumen – gerade auch in der Stadt – zu schaffen machen. Stadtrat Gerd Meyer, selbst Baumschulmeister, macht deutlich: "Man sieht, dass unsere Bäume leiden. Sie produzieren immer mehr Samen und kleine Blätter, haben aber keinen Zuwachs mehr. Die Auswirkungen sehen mittlerweile ja sogar Nichtgärtner."

Zu viele Sachgebiete mischen mit

Erschwerend kommt hinzu, dass ein großer Teil des städtischen Baumbestandes nach Auffassung der Grünen "ein Alter erreicht hat, das entsprechende Pflegemaßnahmen, Rückschnitte oder rechtzeitige Ersatzpflanzungen klimageeigneter Bäume dringend notwendig macht". Das bestehende Baumkataster sei außerdem nur unzureichend geführt.


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Nach Lesart der Grünen ist es nicht gut, dass die Zuständigkeiten für das städtische Grün auf mehrere Sachgebiete verteilt sind: Tiefbau mit der Stadtgärtnerei, Hochbau und Stadtplanung. Jede einzelne Maßnahme sei nicht anzuzweifeln, aber es fehle an der Koordination, befinden Meyer und Hetzner. Der Fraktionsvorsitzende: "Die alten Strukturen funktionieren nicht mehr. Wir müssen eine Strategie entwickeln."

Grundsätzlich ist es dazu nach Meinung von Bündnis 90 / Die Grünen nötig, ein eigenes Sachgebiet zu schaffen. Außerdem gelte es, das Personal mit Blick auf die veränderten Rahmenbedingungen beständig fortzubilden. Ihren Vorstoß will die Fraktion auch nicht als Kritik am vorhandenen Personal verstanden wissen, aber selbst in der Verwaltung werde die Notwendigkeit einer Neustrukturierung gesehen, wie sie in Gesprächen erfahren hätten.

Forchheim als Vorbild

Als Vorbild kann nach Ansicht Meyers die Stadt Forchheim genommen werden. Die um ein paar Tausend Einwohner größere oberfränkische Stadt habe rund 70 Mitarbeiter im Grünbereich. Zum Vergleich: Weißenburg hat derzeit in der Stadtgärtnerei 13 Beschäftigte. Hinzu kommen bei Bedarf Mitarbeiter aus anderen Bereichen.

Die Stadt Forchheim betreibe außerdem einen eigenen Lehrbetrieb, um sich qualifiziertes Personal für die Zukunft zu sichern. Dies sei schon alleine deshalb nötig, weil selbst in privaten Betrieben das Fachpersonal fehle, weiß Meyer.

Als Beleg führt der Baumexperte die Beispiele Eichstätt und Hilpoltstein an. Beide Nachbarstädte hätten notgedrungen als Leiter ihrer Stadtgärtnereien Maurermeister eingestellt, weil keine Gärtnermeister zu bekommen gewesen seien.

"Auch eine kleine Stadt heizt sich auf"

Und all dies vor dem Hintergrund des Klimawandels und seiner Folgen. "Auch eine kleine Stadt heizt sich auf", verdeutlicht Hetzner. Es sei ein Umdenken auf breiter Front nötig, auch die Bevölkerung müsse erkennen, dass der Umgang mit der Umwelt wieder ein anderer werden müsse. Meyer: "Es geht immer um Nachhaltigkeit und Wertschätzung."


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Daher begrüßen es die beiden Grünen-Stadträte, dass es in der kommenden Woche ein Gespräch zu dem Thema mit OB Schröppel und allen Fraktionsvorsitzenden geben soll. Dabei müsse die Sache aber grundsätzlich angegangen werden. "Es macht keinen Sinn mit halben Sachen anzufangen. Wenn wir das Problem jetzt nicht lösen, ist das Thema auf Jahre verloren, weil dann nur Alibistrukturen geschaffen werden", warnt Hetzner und macht deutlich: "Es geht um unsere Lebensgrundlagen."

ROBERT RENNER

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