Weißenburger Reisebüros haben es noch immer nicht leicht

28.7.2020, 12:03 Uhr
Mallorca ist eben mehr als der Ballermann: Während zuletzt in Deutschland vor allem die Bilder der ungehemmt feiernden Meute ankamen, hat Susanne Schlupf bei ihrem Besuch vor wenigen Tagen jede Menge leere Strände gesehen. Viele Urlauber trauen sich aktuell nicht zu fliegen und bevorzugen Reiseziele, die mit dem Auto erreichbar sind.

Mallorca ist eben mehr als der Ballermann: Während zuletzt in Deutschland vor allem die Bilder der ungehemmt feiernden Meute ankamen, hat Susanne Schlupf bei ihrem Besuch vor wenigen Tagen jede Menge leere Strände gesehen. Viele Urlauber trauen sich aktuell nicht zu fliegen und bevorzugen Reiseziele, die mit dem Auto erreichbar sind. © Foto: Lidia Piechulek

Sie nahm wie viele andere Kollegen aus der Branche an der Reise teil, um im Anschluss ihren verunsicherten Kunden berichten zu können, was sie bei Reiseantritt erwarten wird.

Ihre Erzählungen konterkarieren die Bilder, die in den vergangenen Wochen durch die Medien gegangen sind. Sie zeigten den Ballermann, der allerdings nur einen Bruchteil der Insel ausmacht. Es gibt aber auch noch das andere Mallorca, eines, das längst noch fern von einer vollständigen Auslastung ist. Regionen, die abseits der Partymeilen wie leergefegt sind, weil sich in diesem Jahr kaum einer traut, zu fliegen.

"Eigentlich absurd"

Auch Birgit Engeler hat die ernüchternden Bilder von Susanne Schlupf bereits zu Gesicht bekommen. "Es ist eigentlich absurd", findet sie. Dort würde sich fast niemand hin trauen, "und dabei steckt man sich gerade eher an der Ostsee oder am Brombachsee an."

Es ist mittlerweile schwer geworden, im Monat August noch vernünftige Angebote an der Nord- und Ostsee zu bekommen, erzählt sie. Eventuell wäre das noch zum Monatsende möglich, da dann nur noch Bayern in den Sommerferien ist. Derweil rechnen die griechischen Inseln nur mit 30 bis 40 Prozent Auslastung, stellt die Geschäftsführerin von Engeler Reisen fest. Prinzipiell sei sie aber froh, "dass jetzt auch mal wieder Buchungen stattfinden" und nicht nur Stornierungen anstehen.

Bei Frenzi Tours machen die Buchungen allerdings immer noch den kleinsten Teil aus. Stattdessen ist die Beratung der Kunden bei bestehenden Buchungen sehr zeitaufwendig, erklärt Susanne Schlupf. Sie und ihre Kollegin stünden in ständigem Austausch mit den Kunden und Veranstaltern, betreiben Recherchen und geben geänderte Informationen weiter. Einnahmen werden so weiterhin kaum generiert.

Hinzu kommt, dass die wenigsten Kunden bei einer Inlandsreise die örtlichen Reisebüros konsultieren. Der aktuelle Reisetrend hilft der Branche aus wirtschaftlicher Sicht also nicht besonders weiter.

Derzeit seien bei ihren Kunden vor allem Selbstfahrer-Reisen gefragt, erklärt Schlupf: Die Urlauber fahren mit dem eigenen Auto zu einem Ferienhaus in Dänemark, Kroatien oder an der Nord- oder Ostsee. So müssten sie sich zum einen nicht wegen des Hygienekonzepts eines Hotels Sorgen machen, das einer stressfreien Erholung unter Umständen im Weg stehen könnte. Zum anderen könne man "im eigenen Ferienhaus und Pkw tun und lassen was man will" – und ist im Notfall schnell wieder zu Hause, erklärt Schlupf. Wer eine Flugreise in Betracht zieht, entscheidet sich bei Frenzi derzeit überwiegend für die spanischen Inseln oder Griechenland.

Auch am Reisebüro Rombs würden derzeit "viele Urlaubsreisen vorbei gebucht". Anreisen mit dem Pkw liegen heuer im Trend, die Hauptreiseziele seien ganz klar Deutschland und Österreich, sowie Italien, auf einem deutlich geringeren Niveau. "Man merkt einfach, dass viele Leute heuer überhaupt nicht verreisen werden", erklärt Rudolf Rombs. Zudem haben viele Kunden weniger Budget zur Verfügung oder wollen einfach weniger ausgeben.

Kreuzfahrten werden so gut wie gar nicht nachgefragt, berichtet Rombs Junior. Was im Falle einer Infektion an Bord passieren würde, wolle sich derzeit wohl kaum einer vorstellen. Es fehlt vor allem an der nötigen Planungssicherheit, glaubt Rombs. Das Kerngeschäft, auf das sich sein Reisebüro spezialisiert hat, fällt aktuell ebenfalls flach: Flugreisen nach Afrika und in die USA, für die bisher nach wie vor ein Einreiseverbot gilt.

Birgit Engeler beschreibt ihre Kundschaft als zwiegespalten: "Es gibt die Unerschrockenen und die, die sagen: Bloß nicht! Italien ist ja so schlimm!" Was alle Kunden eint, sei die Sorge um den Reiserücktritt. Die Bestimmungen unterscheiden sich von Veranstalter zu Veranstalter und werden immer wieder an neue Gegebenheiten angepasst. Darüber fortwährend zu informieren, das sei sehr zeitaufwendig.

Absicherung durch Reiseanbieter

Indes versuchen die Veranstalter von Pauschalreisen, bisher Unentschlossene mit besonderen Aktionen zu einer Reise zu bewegen. So bieten etwa Tui und Der Touristik derzeit an, die Unterbringungskosten bei einer behördlich angeordneten Quarantäne im Urlaubsland vollständig zu bezahlen. Auch Mehrkosten für einen eventuell umgebuchten Rückflug in einem solchen Fall werden komplett übernommen.

Der Blick auf die nächsten Monate schwankt bei den Leitern der Reisebüros zwischen vorsichtigem Optimismus und Resignation. Birgit Engeler hofft, dass sich die Lage bis zum November etwas entspannt – damit die Buchungen für den nächsten Sommer anlaufen können. Rudolf Rombs hält dieses Szenario für unwahrscheinlich. Er ist überzeugt, dass das Urlaubsjahr 2021 "auch wieder mittelprächtig" wird. Es hänge alles von der wirtschaftlichen Entwicklung, der Infektionszahlen und den entsprechend fragilen Reisebestimmungen ab.

"In jedem Fall wird das Virus uns Menschen in unserem Alltag weiterhin begleiten", ist Susanne Schlupf überzeugt. Sie hofft daher vor allem, dass es die Menschen schaffen, unter den Umständen, die es nun einmal gibt, die Lust am Reisen wiederzubekommen.

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