Die Nichtaufführung einer Oper und die Folgen

Weißenburgs unangenehme Duftmarke in der Geschichte der Weltliteratur

Jan Stephan
Jan Stephan

Weißenburger Tagblatt

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15.6.2022, 06:16 Uhr
Eine vergessene Mozart-Oper, eine Schauspielerin, ein Nobelpreisträger und die Nazis: Das ist eine Menge Stoff rund um den Weißenburger Theaterskandal, den der Frankenbund in einem eigenen Heft zusammengefasst hat.
 

© Frankenbund Eine vergessene Mozart-Oper, eine Schauspielerin, ein Nobelpreisträger und die Nazis: Das ist eine Menge Stoff rund um den Weißenburger Theaterskandal, den der Frankenbund in einem eigenen Heft zusammengefasst hat.  

Die Veranstaltung war ursprünglich für 19 Uhr am Abend angesetzt, muss nun aber aus aktuellem Anlass als Matinee stattfinden. Von der Lühe wird am Freitagmorgen in Berlin auf der Beerdigung ihres Cousins Friedrich Christian Delius erwartet, einem der bedeutendsten deutschen Autoren der vergangenen Jahrzehnte.

Die Podiumsdiskussion ist eine Art Vorbereitung auf den Höhepunkt des Weißenburger Erika-Mann-Monats. Denn am Wochenende 25. und 26. Juni kommt mit 90-jähriger Verspätung jene von Mann bearbeitete Mozart-Oper zur Aufführung, die eigentlich 1932 schon in Weißenburg hätte zu sehen sein sollen. Damals aber griffen die in Franken bereits mächtigen Nationalsozialisten ein und machten Stimmung gegen das Engagement der Tochter von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann.

In der Podiumsdiskussion soll es unter anderem darum gehen, welchen Einfluss der Weißenburger Theaterskandal auf das politische Wirken der Familie Mann hatte. Martin Weichmann, der intensiv zu den Vorgängen vor 90 Jahren geforscht hat, geht diesbezüglich weit: Die Politisierung Erika Manns habe in der Folge des Weißenburger Skandals starken Einfluss auf ihren Vater und die deutsche Literaturgeschichte gehabt.

Immerhin sei sie die maßgebliche Beraterin von Thomas Mann gewesen. "Unmittelbare Einflüsse entstanden zum Beispiel daraus, dass sie es war, die verhinderte, dass Thomas und Katia Mann 1933 nach einer Lesereise nach Deutschland zurückkamen", so Weichmann.

1936 habe Erika Mann ihrem Vater sogar gedroht, ihre Zuneigung zu entziehen, wenn er nicht endlich offen Position gegen NS-Deutschland beziehen würde. "Last but not least gründete die Entscheidung Thomas Manns, nach dem Krieg nicht nach Deutschland zurückzukehren, auch auf einer Entscheidung Erika Manns, die durch die Geschehnisse von 1932 nachhaltig Deutschland-skeptisch war und blieb."

Der Weißenburger Theaterskandal wird eingebettet in eine Schilderung der Person und der Karriere von Erika Mann. Diesen Part übernimmt Prof. Irmela von der Lühe, die die einschlägige Erika-Mann-Biografie verfasst hat. Gemeinsam werden von der Lühe und Weichmann unter Moderation von Karl-Friedrich Ossberger der Frage nach dem Einfluss der Weißenburger Geschehnisse nachgehen.

Zusätzlich wird zudem die von Mann bearbeitete Mozart-Oper musikhistorisch eingeordnet, die eine gute Woche später in zwei Aufführung und mit großem Aufwand in Weißenburg auf die Bühne gebracht wird. In drei Musikeinspielungen werden zudem Ausschnitte des Werks zu hören sein. Im Rahmen der Veranstaltung wird auch ein neues Heft in der Schriftenreihe des Frankenbunds vorgestellt, das sich intensiv mit der Geschichte der Mozart-Oper und des Theaterskandals beschäftigt.

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