Dienstag, 26.05.2020

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Wie geht es den Unternehmen in Altmühlfranken?

Die Sparkasse Mittelfranken-Süd reagiert auf die Corona-Krise mit individuellen Lösungen - 09.04.2020 07:28 Uhr

Die Sparkasse Mittelfranken-Süd (im Bild die Hauptgeschäftsstelle in Weißenburg) sucht Lösungen für ihre Privat- und Geschäftskunden in der Corona-Krise. © Foto: Uwe Mühling


"Ich bin sicher, dass wir aus dieser Krise kommen werden, die Frage ist allerdings ein bisschen, wann das so weit ist", stellte Daniela Heil fest, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sparkasse. "Schon 2020 oder erst 2021." Anders als noch 2008 bei der Finanzkrise hätten die meisten Unternehmen nun bessere Möglichkeiten, um zu reagieren. Das sieht auch Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Rohmer so: "Viele Unternehmen kannten seit 2008 nur eine Richtung, und die war nach oben. Viele haben jetzt ordentlich Speck auf den Rippen." Dazu kämen die schnellen und entschlossenen Staatshilfen, wie etwa die Kurzarbeit.

Allerdings gebe es im Bereich der Gastronomie, des Einzelhandels und der kleinen Selbstständigen Bereiche, "wo es jetzt schon brennt", so Daniela Heil. Auch wenn sie noch
keine akuten Fälle kenne, in denen Insolvenzen eingetreten seien. Ausschlaggebend für den Umfang der wirtschaftlichen Schäden werde sein, wie und wann sich das öffentliche Leben wieder normalisiere. Aber auch wie schnell Lieferketten wieder funktionieren und wie die Bevölkerung auf Lockerungen reagiert, wie schnell man also auch mental wieder zur Normalität zurückkehre.

Berater sind überrannt worden

Die Sparkasse sei derzeit als Helfer in der Not gefragt. "Unsere Geschäftskundenberater sind in den ersten Tagen überrannt worden", erklärte Heil. Man habe mit der Umschichtung von Personal reagiert, eine Hotline eingerichtet und digitale Beantragungen von Hilfen möglich gemacht.

"Die große Welle kommt noch", ist sich Heil sicher. Denn von den ersten rund 100 Unternehmen, die beraten worden seien, hätte man erst von elf alle Unterlagen zurück, um die betreffenden Anträge zu stellen. "Da sind nicht nur wir das Nadelöhr, sondern inzwischen auch die Steuerberater", so die Sparkassendirektorin. Viele kleine Unternehmen seien nicht in der Lage, selbstständig die umfangreichen Unterlagen binnen kurzer Zeit beizubringen.

Die staatlichen Notkredite werden über die Hausbanken und damit auch die Sparkasse ausgereicht. Eine Risikoprüfung sei staatlicherseits vorgeschrieben und es sei auch geregelt, welche Unterlagen es dazu brauche, begegnete Heil Vorwürfen, die regionalen Banken würden zu viel Bürokratie walten lassen. "Wir versuchen derzeit mit vielen Unternehmen die individuell beste Lösung zu finden", stellte Vorstandsvorsitzender Rohmer fest. Das gehe von Kurzarbeit über Zuschüsse bis hin zu Bürgschaften, Krediten und Liquiditätsplanung. Viele Unternehmen kämen bislang ohne Hilfen aus und hätten nur ihre Kreditlinien ausgeschöpft, um sich Liquidität zu sichern, oder ihre Linien erweitert, so Rohmer.

Die Sparkasse biete Geschäfts- wie Privatkunden an, Tilgungen und Zinsen für Kredite für drei Monate auszusetzen. "Das hilft sehr vielen, weil es sofortige Erleichterung bei den Kosten bringt", erklärt Daniela Heil. Diese Regelung hatte der Gesetzgeber erlassen. Die Sparkasse gesteht Unternehmen darüber hinaus eine Stundung der Tilgungsraten von bis zu zwölf Monaten zu. Derzeit hätten bereits mehr als 300 private wie gewerbliche Kunden die Möglichkeit genutzt, ihre Kreditzahlungen zu stunden. Das monatliche Ratenvolumen dieser Stundungen betrage rund 800 000 Euro.

Aber auch bei Privatkunden sei die Nervosität in der Krise zu spüren. "Bei solchen Entwicklungen am Dax braucht der ein oder andere mit seinen Aktien schon mal Trost und Zuspruch", weiß Rohmer. "Viele steigen aus, andere gibt es, die machen jetzt die ersten günstigen Wiedereinstiegsschnäppchen." Die Sparkasse rate ihren Kunden, ihre Aktien zu behalten und keinesfalls auf dem Tiefpunkt der Krise auszusteigen. "Auch wenn die Börse schwierig bleibe und sehr volatil auf gute und schlechte Nachrichten reagieren werde. Die Substanz bei den Firmen ist gut und es gibt auch weiter genügend Geld, das irgendwo hinwill."

In den ersten Tagen der Zuspitzung der Krise habe man auch erhöhte Bargeldabhebungen an den 132 Automaten und den Schaltern der Filialen bemerkt. Rohmer: "Das hat sich mittlerweile aber wieder auf ein normales Maß eingependelt." Die Krisenwährung Gold dagegen ist weiter sehr beliebt. "Da haben wir ein Umsatzplus von 50 Prozent", so der Sparkassenchef. "Die Leute legen sich dann den ein oder anderen größeren Barren in ihr Schließfach."

JAN STEPHAN

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