Donnerstag, 14.11.2019

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Zu viel falscher Müll in den Biotonnen in Altmühlfranken

Das Landratsamt in Weißenburg startet nun eine Informationskampagne - 30.08.2019 11:34 Uhr

Manfred Schmidt, Ernst Hilpert, Gerhard Wägemann, Sabine Bartke und Michael Hufnagel stellten die neue Informationskampagne zur besseren Biomülltrennung vor. Noch befinden sich zu viel Plastik und andere Störelemente in den braunen Tonnen. Das soll sich ändern. Denn die Fehlwürfe verursachen auch unnötige Mehrkosten. © Foto: Leah Mühlöder


Plastiktüten, Tetrapacks und Hygieneartikel tauchen immer wieder bei Stichproben der Firma Ernst auf. "Die Sensibilisierung ebbt ab", beschreibt Michael Hufnagel, Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt, dieses Fehlverhalten. Bei ersten Tests mit den Detektoren gab sich ganz grob das Bild, dass auf den Dörfern besser aufgepasst wird, je größer die Orte werden, desto nachlässiger werden die Nutzer. Negativer Ausreißer waren bei diesen Detektorversuchen übrigens die Bürger der Stadt Treuchtlingen.

Der Detektor scannt die Tonnen und weist auf Fehlwürfe wie Glas, Plastik, Restmüll oder Metall hin. Diese Stoffe haben nämlich gar nichts im Biomüll zu suchen. Sie sind nicht kompostierbar und müssen mit hohem Aufwand aussortiert werden. Manchmal ist ein nachträgliches Eingreifen auch nicht mehr möglich: Mikroplastik beispielsweise kann niemals vollständig aussortiert werden und gelangt über den Kompost in die Natur, worunter die Umwelt und die Verwertungsmöglichkeiten des Bioguts stark leiden.

Bioabfall ist eigentlich ein sehr wertvoller Rohstoff, der vielfältig einsetzbar ist. In der Landwirtschaft wird der Kompost wegen seiner Nährstoffe als natürliches Düngemittel verwendet und im heimischen Garten weiß jeder die Vorteile seines Komposts zu schätzen. Die Biotonne ist also Bestandteil eines Kreislaufs, der sich langfristig positiv auf den Klimaschutz ausübt – wenn sich keine Störstoffe darin befinden.

Zusätzlich zur verstärkten Kontrolle durch die Detektoren werden ab September Informationsflyer an den Tonnen angebracht. "Damit wollen wir die Bürgerinnen und Bürger aufklären, welche Abfälle über die Biotonne entsorgt werden dürfen und welche eben nicht", erläutert Michael Hufnagel.

Es gibt drei Flyer, die die Mitarbeiter der Firma Ernst an die Biotonnen hängen werden. Einen braunen, einen gelben und einen roten. Zunächst werden die braunen Karten an die Tonnen gehängt. Diese dienen der Information über das Flyersystem und erläutern klar, welcher Müll in die braune Tonne gehört und welcher nicht. Weiter geht es mit der gelben Karte, sie zeigt an, dass sich ein geringer Anteil an Störstoffen in dem Abfall befindet, aber noch nicht genug, um das Leeren zu verweigern.

Diese Situation zeigt dann die rote Karte an. "Für die braucht man meistens auch keinen Videobeweis", scherzt Landrat Gerhard Wägemann, denn die Fehler sind dort offensichtlich. Betroffene haben nun die Möglichkeit entweder nachzusortieren, auf die nächste Leerung zu warten oder den Inhalt im Restmüll zu entsorgen. Ein Störstoff, der eine rote Karte nach sich ziehen könnte, wäre auch die Verwendung von sogenannten kompostierbaren Plastiktüten. Diese versprechen zwar zu 100 Prozent biologisch abbaubar zu sein, doch trotzdem raten Ernst Hilpert, stellvertretender Einsatzleiter der Firma Ernst, und Manfred Schmidt, Geschäftsführer von T+E Humuswerk Bechhofen, von deren Nutzung ab. Der Grund: Die recycelbaren sind von den nicht recycelbaren Tüten optisch wie auch maschinell kaum zu unterscheiden. Hinzu käme, dass die abbaubaren Tüten einen viel längeren Zeitraum als der Biomüll zum Zersetzen bräuchten.

Besser seien alte Zeitungen oder Papiertüten, raten Ernst und Schmidt. So kann die Tüte vom Bäcker oder Metzger noch einen weiteren Zweck erfüllen. Aber: Die Tüten von den Backwarentheken im Supermarkt sind oft mit einem Zellophan-Sichtfenster versehen und deshalb für die Biotonne nicht geeignet, gibt Sabine Bartke von der Kommunalen Abfallwirtschaft zu bedenken.

Mit der Informationskampagne hofft das Landratsamt auf eine dauerhafte Verbesserung der Qualität des Bioabfalls. "Es soll ein gemeinsamer Beitrag zu einer sauberen Umwelt sein", so Wägemann.

Denn anders als bei Papier und Plastik kann man Biogut nicht in verminderter Qualität weiterverwenden. Deshalb ist die korrekte Trennung umso wichtiger, denn bestenfalls kann aus einer Tonne Biomasse bis zu 450 Kilo Kompost recycelt werden. Im Jahr 2018 waren es in Weißenburg-Gunzenhausen rund 11 600 Tonnen Abfall, die in der braunen Tonne landeten. Schmidt motiviert daher alle Bürger: "Jeder kann etwas bewegen, Umweltschutz fängt im Kleinen an!"

LISA KRÜGER

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