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Wie Dorfläden in Franken gegen Discounter ankämpfen

Die Geschäfte bieten, was man im Alltag braucht - und noch ein wenig mehr - 19.02.2019 10:36 Uhr

2014 gründeten die Walder einen eigenen Dorfladenverein. © Anne Kleinmann


"Keine Lust alleine zu frühstücken? Dann komm doch mal in den Dorfladen", ist mit weißer Kreide auf die Tafel geschrieben, die direkt neben der befüllten Theke hängt. Darin: Brötchen, Brezeln und ein selbst gebackener Apfelkuchen für den geplanten Nachmittagskaffee. 

Dorfläden, wie der in Wald, einem Ortsteil von Gunzenhausen, gibt es in den vergangenen Jahren immer mehr. Weil Metzger, Bäcker, aber auch Treffpunkte für Anwohner immer rarer werden, finden sich immer häufiger Einwohner zu aktiven Bürgergesellschaften zusammen und gründen selbst einen Dorfladen. Etwa 300 davon gibt es in Deutschland; rund 180 sind es in Bayern. Um mit dem Konzept Dorfladen neben Discountern erfolgreich zu sein, versuchen es die Betreiber mit verschiedenen Angeboten und setzen dabei vor allem auf die Nähe zu den Bürgern.

So auch in Wald im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Nachdem es dort bereits seit einigen Jahren überhaupt keine Einkaufsmöglichkeit mehr gab, bauten die Dorfbewohner 2014 einen ehemaligen Laden in Eigenregie um und gründeten einen Dorfladenverein. Nur ein Jahr später wurde eröffnet. Mittlerweile ist eine Minijobberin im Laden angestellt, die restlichen Schichten übernehmen 18 Mitglieder ehrenamtlich. 
Genau solches Engagement braucht es, damit ein bürgerschaftlich organisierter Dorfladen überhaupt funktioniert, weiß Gründungsberater Wolfgang Gröll, der nach eigenen Angaben bereits über 800 Geschäfte beraten hat: "Nur wenn die Bürger wirklich hinter der Idee stehen, kann das klappen."

So sieht das auch Obertrubachs Bürgermeister Markus Grüner: "Einen Dorfladen zu gründen macht nur dann Sinn, wenn die Gemeinde dahinter steht." Um das sicherzustellen, konnten die Bürger in der Gemeinde im Landkreis Forchheim selbst einen finanziellen Anteil an dem Dorfladen erwerben – und es funktionierte: Eröffnet werden soll im April.

Dorfläden sollen vor allem auf regionale Produkte setzten 

Gescheitert sei das Konzept in diesem Gemeinde allerdings fast an einer anderen Sache: Am schwierigsten habe sich in Obertrubach die Suche nach einer geeigneten Fläche gestaltet, erzählt Grüner. Damit die Pläne trotzdem umgesetzt werden konnten, hat sich die Gemeinde bereiterklärt, einen entsprechenden Ladenraum für die nächsten zehn Jahre zu mieten. Die für den Laden gegründete Genossenschaft wird Untermieter. "Damit geht die Gemeinde natürlich ein finanzielles Risiko ein. Aber einer muss ja den ersten Schritt machen", so Grüner. Nun liege es in den Händen der Bürger. 

Damit sich ein Dorfladen zwischen der billigen Discounterkonkurrenz sowie den Kosten für Energie und Personal auch finanziell rentiert, rät Unternehmensberater Gröll, neben der Grundversorgung auf Regionalität zu setzen. "Die besten Dorfläden machen 75 Prozent ihres Umsatzes mit regionalen Produkten."

Darauf setzt auch der Walder Dorfladen. Mehl, Eier, Nudeln, aber auch Säfte, Wein und Schnäpse: Rund 200 Produkte, so schätzt es die zweite Vorsitzende des Vereins Stefanie Schwarz, werden in dem Laden angeboten; das meiste davon stammt aus der direkten Umgebung. Darüber hinaus kooperiert der Laden seit kurzem mit einer Buchhandlung. Wer etwas bestellen will, kann nun seinen Wunsch auf einen Zettel im Dorfladen schreiben. Oft kann das Buch schon am nächsten Tag im Laden abgeholt werden.

Bilderstrecke zum Thema

Obertrubach freut sich auf seinen Dorfladen

Mit etwa 150 Besuchern und ihrem Interesse an einer Beteiligung waren die Zeichen auf Erfolg gestellt: Im Saal des Bildungshauses Obetrubach wurde eine Dorfladen-Gesellschaft gegründet.


Dass es neben Lebensmitteln auch an anderen Dienstleistungen auf dem Land mangelt, haben auch die Dorfladenbetreiber in Simonshofen im Landkreis Nürnberger Land erkannt. Seit 2010 bieten sie in einem umgebauten Kuhstall neben Lebensmitteln auch eine Lottofiliale, eine DHL-Annahmestelle und eine heiße Theke an, um vom Mittagessensgeschäft zu profitieren. Eine Sitzecke soll zudem zu einer Kaffeepause einladen. Angebote, die auch wirtschaftlich ankommen: Drei Festangestellte und sieben Minijobber übernehmen mittlerweile die Schichten im Laden. Und trotz Personalkosten schreibt der schwarze Zahlen.
Im Walder Dorfladen ist das bislang nur mögliche Zukunftsmusik. "Bislang funktioniert es nur, weil wir ehrenamtlich arbeiten", so Schwarz.

Um noch attraktiver für die Anwohner zu werden, bietet der Dorfladen deswegen noch mehr an als nur Lebensmittel: Kickerturnier, Märchenlesestunde, Kranzbasteln, oder eben das gemeinsame Frühstück an jedem ersten Freitag im Monat – "viele im Ort schätzen das hier mittlerweile sehr". 
Und das sieht man: Der lange Tisch in dem Laden ist mittlerweile voll mit Anwohnern; der Kuchen kommt offenbar an. 

Anne Kleinmann

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