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Wird der Lokschuppen zum Fürther Jugendzentrum?

Die alte Immobilie könnte zum neuen Ort der Fürther Subkultur werden - 01.10.2019 06:00 Uhr

Sie setzen sich für mehr Jugend-Freiräume in Fürth ein: die Mitglieder des Organisationsteams während des Protestgarten-Wochenendes im Lindenhain.

© Foto: Florian Burghardt


"Hey Leute, die Sonne kommt raus", ruft Organisator Tim Steinheimer (25) mit hörbarer Erleichterung in der Stimme, die Besucher quittieren das mit Jubelrufen. Konstant positive Stimmung bei wechselhaftem Wetter: So ließe sich das "Festival für kulturelle Freiräume", das im Lindenhain an der Kapellenstraße über die Bühne ging, kurz und knapp zusammenfassen.

Geboten war einiges. Rund ein Dutzend Bands standen auf der Bühne, von HipHop und Funk über Punk- und Folkrock bis hin zu Schlager reichte das Spektrum. Und natürlich ging es in verschiedenen Workshops auch viel um Inhaltliches.

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Aktion Protestgarten: Festival für kulturelle Freiräume im Lindenhain

Die Fürther Aktion Protestgarten setzt sich seit dem vergangenen Jahr geschlossen dafür ein, dass in Fürth mehr Platz für Sub- und Jugendkultur entsteht. In der Kapellenstraße 47 wirbt die Aktion von Freitag bis Sonntag für ihre Ziele und Wünsche. Hier kommen die Bilder vom Samstag!


Hinter dem Festival steht die Aktion Protestgarten, die – wie mehrfach ausführlich berichtet – seit dem Mai des vergangenen Jahres um mehr Platz für Sub- und Jugendkultur in Fürth kämpft. Mit teils lautstarken Aktionen haben die jungen Menschen bereits für einige Bewegung in die Kommunalpolitik gesorgt. So hat der Stadtrat einen weiteren Grillplatz am Flussdreieck auf den Weg gebracht, die Nutzungszeiten für Skate-, Grill- und Basketballplätze wurden ausgeweitet.

Und nun tut sich für die zentrale Protestgarten-Forderung nach einem möglichst selbstverwalteten sozio- und jugendkulturellen Zentrum eine überraschende Option auf: Laut Oberbürgermeister Thomas Jung liegt "ein Vorschlag auf dem Tisch, der in den nächsten Wochen genauer untersucht und abgeklärt werden soll". Die Stadt hat den historischen Lokschuppen in der Nähe der U-Bahn-Station Stadtgrenze ins Auge gefasst.

"Ideale Stätte"

Das marode Gebäude, eines der ältesten Baudenkmäler der deutschen Eisenbahngeschichte und – umso unverständlicher – von der einstigen Eigentümerin, einem Bahn-Tochterunternehmen, lange Zeit sträflich vernachlässigt, soll nach dem Willen der Stadt unbedingt saniert und erhalten bleiben.

Der Saal, in dem früher Lokomotiven gewartet wurden, eigne sich, so heißt es, "ideal als Veranstaltungsstätte". Zwölf Nebenräume böten zusätzlich Entfaltungsmöglichkeiten, ebenso die angrenzende Freifläche.

Der Haken: Gebäude und Grund gehören nicht der Kommune, sondern dem Fürther Immobilienunternehmen P & P. Auf dem 37.000 Quadratmeter großen Areal entlang der Bahnlinie, zu dem der Lokschuppen gehört, plant es Büros, Forschungsstätten und Wohnungen für Studenten.

Dem Rathauschef zufolge hat P & P-Eigentümer Michael Peter aber bereits "sein grundsätzliches Einverständnis" für eine Nutzung im Sinne der Stadt gegeben. Das Ordnungsamt sei mit der weiteren Prüfung, insbesondere zum heiklen Thema Lärmschutz, befasst.

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Aktion Protestgarten: Stadtspitze diskutiert mit Fürths Jugend

Sie vermissen Treffpunkte und Orte, an denen sich Jugend- und Subkultur entfalten kann: Die "Aktion Protestgarten" hat am Dienstagabend mit OB Thomas Jung und anderen Vertretern der Stadt über ihre Wünsche und Forderungen diskutiert. Rund 300 Zuhörer verfolgten den Austausch im Garten des Jugendhauses Catch Up.


"Wir benötigten eine Liegenschaft, die einerseits noch zur Innenstadt gehört und zentrale Lage aufweist, aber gleichzeitig auch die berechtigten Interessen möglicher Anwohnerinnen und Anwohner nicht beeinträchtigt", sagt Jung im Hinblick darauf. Derartiges sei "im dicht besiedelten Zentrum naturgemäß eher selten" – doch nun ist er zuversichtlich, nach rund einjähriger Suche das Passende gefunden zu haben.

Sollten sich die Erwartungen erfüllen, könnten die Kosten kalkuliert werden, die auf die Kommune zukommen; schließlich müsste der Stadtrat entscheiden. "Innerhalb von etwa zwei Jahren", glaubt der OB, könnte der Lokschuppen als der ersehnte Treffpunkt dienen.

Auch Protestgarten-Vertreter Tim Steinheimer kann sich für die historische Immobilie erwärmen. Sie würde nach seiner Einschätzung Platz für Veranstaltungen mit rund 200 Leuten bieten, weitere Räume könne man beispielsweise für Seminare nutzen.

Mit Stadt und Eigentümer befinde man sich aktuell in Gesprächen. Laut Oberbürgermeister hat die Protestgarten-Bewegung ihm gegenüber "ihre Bereitschaft zum Engagement und zur Eigenverantwortlichkeit unterstrichen". Für die Anhänger des Protestgartens wäre das soziokulturelle Zentrum ein großer Fortschritt. "So etwas gibt es schließlich in fast allen Städten", sagt Steinheimer. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben die Aktivisten kürzlich den Verein "Soziokultur Fürth" gegründet. Mit ihm stünden die Chancen deutlich besser, Fördergeld zu bekommen und Projekte zu realisieren, glauben sie.

Neue Graffiti-Flächen

Wie es mit den Plänen für das Zentrum und mit dem eigenen Verein weitergehen soll, darüber will die Aktion Protestgarten am 14. Oktober informieren.

Auch aus anderem Grund hatte die Jugend-Lobby am Wochenende Grund zur Freude: Passend zum Festival hat die Stadt neue Graffiti-Flächen freigegeben. Es handelt es sich um die beiden Unterführungen links und rechts des Lindenhain-Geländes an der Kapellenstraße. Die erste befindet sich neben dem neuen Julius-Hirsch-Sportzentrum und mündet, von der Pegnitzstraße/Ecke Schießplatz kommend, in den Friedhofsweg. Die zweite unterquert die Kapellenstraße am Beginn der Ludwigsbrücke und endet nach der Heiligenstraße.

Weitere Themen treiben den Protestgarten um, der sich zwar als parteipolitisch unabhängig, aber keineswegs als unpolitisch versteht. "Wir wollen zum Beispiel mehr Aufmerksamkeit für die Gleichberechtigung der Geschlechter schaffen", erklärt Franca Walser (28), die zum Organisationsteam des Festivals gehörte. Ganz bewusst standen deshalb auch genauso viele weibliche wie männliche Künstler auf der Bühne. Warum das im Musikgeschäft oft nicht der Fall ist, war Thema einer Podiumsdiskussion.

 

Florian Burghardt und Wolfgang Händel

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