Wo Todkranke Geborgenheit finden

9.2.2007, 00:00 Uhr
Farbige Wände, Platz für Besucher, der Blick geht hinaus ins Grüne: Roland Hanke vom Hospizverein Fürth im neuen Hospizappartement.

Farbige Wände, Platz für Besucher, der Blick geht hinaus ins Grüne: Roland Hanke vom Hospizverein Fürth im neuen Hospizappartement. © Fengler

«Alte Menschen haben oft die Angst, nicht sterben zu dürfen», weiß Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins Fürth. Von Maschinen am Leben erhalten zu werden, im Krankenhaus in den Tod zu dämmern - für viele eine grauenhafte Vorstellung. Die zwei neuen Hospizappartements im Zirndorfer Heim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind der Gegenentwurf: Hier finden Krebskranke im Endstadium Ruhe und Geborgenheit, hier haben sie einen Ort zum Sterben.

In einem freundlichen Apricot-Ton sind die Hospizappartements gestrichen - und für die Bedürfnisse eines Todkranken eingerichtet. Ein spezielles Pflegebett, das Druckstellen beim Liegen vermeiden soll. Der Blick vom Bett aus dem Fenster direkt in den Wald, der ein Gefühl von Ruhe vermittelt. Ein gemütliches rotes Schlafsofa, das Angehörigen eine Übernachtungsmöglichkeit bietet. Ein Handtuchhalter im Bad, der Schwachen auch als Griff Halt gibt. «Wir haben auf viele Details geachtet», sagt denn auch Allgemeinarzt Hanke.

Der Hospizverein Fürth arbeitet vorwiegend im ambulanten Bereich, mit den zwei Hospizappartements beschreiten die Mitglieder einen neuen Weg bei der Betreuung von Todkranken. 13 Menschen sind seit dem Start im September in Zirndorf betreut worden. Die Nachfrage ist größer als das Angebot - zahlreichen Todkranken müssen Roland Hanke und Margitta Schmidt, die als Angestellte die ehrenamtlichen Helfer des Vereins betreut, Woche für Woche absagen.

Mit AWO-Heimleiter Bernd Hennig hat der Hospizverein einen Partner gefunden, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat. Die Sterbenden werden von den ehrenamtlichen Helfern sowie einer Altenpflegerin mit einer so genannten Palliativ-Care-Ausbildung betreut, deren Bezahlung der Verein übernimmt. Auch die Mitarbeiter des Heims kümmern sich um die Gäste. Leiter Hennig betont: «Für uns ist diese Kooperation Ansporn und Freude. Der Verein hat die Mitarbeiter geschult, so dass sie jetzt eine qualitativ bessere Ausbildung haben.»

Dennoch bedeutet das Angebot mehr Arbeit. «Das ist eine zusätzliche Belastung etwa für die Nachtwache», stellt Hennig fest. Und so mancher Krebskranke fordere viel Aufmerksamkeit: «Es gibt Menschen, die damit nicht fertig werden. Natürlich haben sie das Recht, schwierig zu sein; aber für die Mitarbeiter ist dies oft eine Belastung.» Zufrieden zeigt sich trotzdem Bernd Zoephel, der stellvertretende Vorsitzende des AWO-Kreisverbands Fürth-Land: «Das ist Gewinn bringend für unser Haus. Wir überlegen, ob wir vielleicht noch ein, zwei weitere Zimmer einrichten.»

Hospizzimmer im Pflegeheim sind derzeit im Freistaat dünn gesät. Nach Auskunft des Sozialministeriums gibt es bayernweit 22 Palliativ-Stationen an Krankenhäusern mit insgesamt 203 Betten sowie neun stationäre Hospize mit 86 Betten.

Dennoch sagt Barbara Lanzinger, die Landesvorsitzende des Bayerischen Hospizverbandes: «Hospizzimmer im Altenheim, das wird die Zukunft sein. Ein Vorteil ist, dass man hier schon vorhandene stationäre Einrichtungen stärker für den Bereich Hospiz nutzen kann.» Lanzinger hat kürzlich ein Altenheim in Altötting besucht, das ebenfalls Hospizzimmer hat: «Ich halte sehr viel von dem Modell, dass sich die Heime dem Hospizgedanken stärker öffnen.»

Hospiz bedeutet für Barbara Lanzinger, dass Sterbende mit all ihren Bedürfnissen ganzheitlich betreut werden. «Dies schließt nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch die soziale und die seelische Fürsorge ein. Menschen, die Angst haben vor den Schmerzen oder vor dem Sterben, sollen das Gefühl haben, dass sie sich fallen lassen können.»

Und so gehen auch die Mitarbeiter im Zirndorfer AWO-Heim auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse ein. «Nicht gelöste Konflikte erschweren es den Sterbenden, Abschied zu nehmen», meint Roland Hanke vom Hospizverein Fürth. Wie etwa beim Patienten, der nur einen lockeren Kontakt zu seiner Tochter hatte und dem nicht mehr viel Zeit blieb: Die Helfer vom Hospizverein konnten die Tochter verständigen, die schließlich ihren Vater ein letztes Mal besuchte.

Oft sind es Kleinigkeiten, die wichtig sind, wie Margitta Schmidt vom Hospizverein sagt: Wenn die Ehrenamtlichen die Hand des Patienten halten, am Bett des Sterbenden wachen. Die Angestellten und die Ehrenamtlichen gehen auf die verschiedenen Wünsche ein. Wie bei der eleganten alten Dame, der eine gepflegte Erscheinung überaus wichtig war. «Ich habe ihr versprochen, sie nach dem Tod schön zu schminken. Sie bekam knallrote Lippen», erinnert sich Margitta Schmidt. Auch die Patientin mit Katze «Azzurro» wird sich keine Sorgen machen müssen - die zutrauliche Katze ist der Liebling aller auf der Station und wird auch nach dem Tod des Frauchens ein Zuhause haben.

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