Zirndorf ist total überfüllt

25.8.2014, 06:00 Uhr
Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf.

© dpa Zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf.

Derzeit sind etwa 1100 Menschen in Zirndorf — fast doppelt so viele wie vorgesehen, sagte der stellvertretende Sprecher der Regierung von Mittelfranken, Michael Münchow. Grundsätzlich hat die Einrichtung eine Kapazität von 650 Plätzen. „Die Situation ist sehr kritisch“, so Münchow.

Allein in der letzten Woche seien 480 neue Asylbewerber nach Zirndorf gekommen. „Die Aufnahmekapazität stößt dadurch trotz Ausnutzung aller Möglichkeiten an ihre Grenzen, zumal wir weiter hohe Zugangszahlen erwarten“, sagte Münchow. Die Menschen sind in Busgaragen, der Kapelle und nun auch in der Cafeteria und dem Speisesaal untergebracht. Sollte sich die Lage nicht entspannen, müssten wohl wieder Zelte aufgestellt werden.

Herrmann attackiert Italien

Innenminister Joachim Herrmann attackierte indes die italienische Regierung wegen ihrer Flüchtlingspolitik. „Es ist Fakt, dass Italien oft absichtlich weder Personaldaten noch Fingerabdrücke aufnimmt, damit die Flüchtlinge in einem anderen Land Asyl beantragen können und nicht wieder nach Italien zurückkehren“, sagte Herrmann.

Die Regierung von Oberbayern hatte erst kürzlich einen neuen Flüchtlingsrekord gemeldet — 319 Asylbewerber an einem einzigen Tag (wirberichteten). „Ein Grund dafür ist, dass ein erheblicher Teil der in Italien ankommenden Flüchtlinge nach Deutschland weiterreist“, so der Innenminister.

Herrmann verwies auf die Diskrepanzen in den offiziellen Zahlen: In Deutschland seien 2013 über 126 000 Asylanträge gestellt worden, in Italien nur 27 930. Nach den Zahlen des UN-Flüchtlingskommissars UNHCR landeten im vergangenen Jahr aber über 60 000 Flüchtlinge an den italienischen Küsten an. Rom fordert seit Monaten finanzielle Unterstützung für die teure Rettung der Flüchtlinge aus dem Mittelmeer. Nach dem Dublin-II-Abkommen soll für Asylbewerber eigentlich das Land zuständig sein, das sie zuerst erreichen.

Ein zorniger Herrmann

„Es ist schon dreist vom italienischen Innenminister Alfano, einerseits die hohen Belastungen durch die über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge zu beklagen, andererseits die europäischen Asylbestimmungen zu missachten“, zürnte Herrmann. „Die sehen vor, dass das Land der Ersteinreise für die Durchführung der Asylverfahren zuständig ist.“ Dafür erhalte das Land finanzielle Hilfen der EU. „Auch andere EU-Staaten können deshalb von Italien eine entsprechende Solidarität fordern, nämlich die Einhaltung des gemeinsamen europäischen Asylsystems, auf das sich die EU verständigt hat“, verlangte Herrmann. „Dies gilt umso mehr, da angesichts der Krise im Nahen Osten und der brutalen Gewalt der ISIS im Irak, der Flüchtlingsdruck auf Europa weiter steigen wird.“

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