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Alles außer Fasching

Beim Cosplay zählen das Kostüm und die Kunst - 09.03.2013 10:00 Uhr

Auf Meisterschaften präsentieren sich Tanja und Anita in ihren selbst gemachten Kostümen. © Christina Fellinger


„Wir sind keine Freaks, die sich mit ihren Kostümen in eine andere Welt flüchten“, sagt Tanja Keller aufgebracht. Sie meint damit verschiedene Berichte im Fernsehen, die ihr regelmäßig Schauer über den Rücken jagen. „Die zeigen nur kuriose Typen, die außer anderen Cosplayern keine Freunde haben“, ergänzt Freundin und Cosplay-Kollegin Anita Hemala.

Die Zahntechnikerin und die Kinderpflegerin aus Lauf verwandeln sich regelmäßig in eines ihrer gezeichneten Vorbilder und nehmen erfolgreich als Duo an Wettbewerben teil. Zuletzt gewannen sie, verkleidet als Medusa und Paluetna aus dem Videospiel „Kid Icarus“, den ersten Platz bei der Deutschen Cosplay Meisterschaft (DCM).

Vier Monate hatten die beiden an ihren aufwendigen Kostümen gearbeitet: Sie zeichneten die Schnittmuster, färbten Farbverläufe in die Stoffe und nähten sie zu Kleidern. Und sie bastelten etliche Accessoires, wie fünf Kilogramm schwere Stäbe mit Schlangen und Flügeln aus Bauschaum.

Das Selbermachen ist für die beiden Frauen Ehrensache, aber „wenn sich jemand die Kostüme kauft, kann ich das gut verstehen“, sagt Tanja im Hinblick auf die viele Arbeit, die in einem Gewand steckt. „Als ich vor zehn Jahren mit dem Cosplay anfing, hatten wir noch nicht die Möglichkeit, solche Sachen zu basteln. Heute ist es relativ einfach – es gibt haufenweise Anleitungen auf YouTube, und die Player können sich im Internet austauschen“, erklärt die 27-jährige Tanja.

„Es geht aber um viel mehr als nur ums Verkleiden“, erläutert Anita ihre Leidenschaft. Cosplayer studieren das Verhalten der jeweiligen Figuren präzise ein: Von den Bewegungen über die Art zu sprechen bis hin zum Handeln der Charaktere. Für Wettbewerbe stellen die Teilnehmer sogar kleine Shows auf die Beine: „Die meisten führen Dramen auf – wir bevorzugen Komödien“, sagt Anita.

Anita freut sich über jedes Lob ihrer Kostüme. © Tanja Keller


Auf der Straße zeigen sich die Freundinnen nur verkleidet, wenn es sich nicht vermeiden lässt. „Die Leute reden einen blöd an“, erzählt Anita frustriert, „da kommen Kommentare wie: Ist denn schon Fasching?“ Die meisten Menschen verstehen nicht, was hinter der Leidenschaft der Cosplayer steckt. „Wir mögen das Künstlerische: das Nähen, das Basteln und die Darstellung“, erklärt Tanja. „Und wenn auf einem Treffen jemand dein Kostüm lobt, ist das ein tolles Gefühl“, ergänzt Anita.

Meist begegnen sich Cosplayer nur virtuell, da sie auf der ganzen Welt verstreut sind. Auf Internetportalen wie www.animexx.de kommuniziert die Kostümgemeinde. Die User laden Bilder von sich in ihren Verkleidungen hoch, vergleichen diese mit den Manga-Vorlagen und bewerten sich gegenseitig. Und die Cosplayer organisieren Treffen in der realen Welt, wo Tausenden ihre Werke präsentieren.

In der Cosplay-Kultur ist es üblich, die aufwendigen Kostüme bei Foto-shoots in Szene zu setzen. „Wir wollen festhalten, wie gut wir aussehen“, erzählt Anita lachend, „aber wenn ich die Bilder hinterher ansehe, könnte ich immer etwas an dem jeweiligen Outfit ändern.“ Diesen Trend zum Perfektionismus sehen die beiden Frauen kritisch: „Die Kostüme werden immer ausgefeilter – da stichst du mit einer sehr aufwendigen Verkleidung nicht aus der Masse. Irgendwann fehlt der Spaßfaktor, wenn es nur noch darum geht, perfekt zu sein.“

Mit ihren 27 Jahren fühlen sich die Freundinnen langsam wie Omas auf den Conventions. Darum sind sie sicher, dass Cosplay für sie ein Jugendhobby bleibt. Trotzdem wissen beide: Ihre Herzen werden immer für das Cosplay und die Helden ihrer Lieblings-Mangas schlagen.

 

SARAH DE SANCTIS

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