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Auch die Bauwirtschaft soll immer digitaler werden

Bei einem Wettbewerb für Studierende an der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg sind neue Ideen gefragt - 08.01.2018 17:44 Uhr

Bei einer Exkursion erläuterten die Professoren Michael Diegelmann, Fritz Schreiber und Peter Rausch (von rechts) den Studierenden, wie die Geländevermessung mit GPS grundsätzlich funktioniert. Auf dieser Basis sollen die Studierenden dann neue Ideen für die Bauwirtschaft entwickeln. © Michael Stumpf


Wie viel Baumasse transportiert der Bagger in welcher Zeitspanne? Die Antwort kommt auf den Kubikmeter genau. Das System ist sogar so schlau, dass es die Maschine auf den Zentimeter genau steuern kann.

Es geht um ein – auf GPS (Global Positioning System) beruhendes – Tracking-Instrument. Entwickelt hat es Prof. Peter Rausch von der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg zusammen mit Prof. Michael Diegelmann (FH Rosenheim) und Prof. Fritz Schreiber (FH Coburg).

"Mit Hilfe unseres Systems", erläutert Rausch, "können Abläufe auf Baustellen genauer überwacht werden. Somit lassen sich einzelne Arbeitsschritte erleichtern." Doch der Professor will noch mehr. Er möchte wissen: Was kann das GPS-Baustellen-Tracking noch alles leisten? Das sollen seine Studierenden herausfinden.

Weg vom Frontalunterricht

Zu diesem Zweck hat Rausch einen jährlichen Ideenwettbewerb ins Leben gerufen. "Wir Lehrende an der Hochschule", so lautet seine Überzeugung, "müssen weg vom frontalen Vorlesungsunterricht hin zu didaktisch variablen Lehrmethoden." Das Konzept des Wettbewerbs stützt sich auf eine Lerntheorie des US-Psychologen Benjamin Samuel Bloom, einem weltweit anerkannten Experten im Bereich der Erziehungswissenschaften. Die von ihm entwickelte Taxonomie des kognitiven Lernens definiert sechs Stufen: Wissen, Verstehen, Anwenden, Analyse, Synthese und Evaluation.

Nach diesem sechsstufigen Konzept entwickeln die Studierenden bei Rauschs Wettbewerb weitere Tools für die Digitalisierung im Bauwesen. Eine interdisziplinäre Experten-Jury kürt dann aus den präsentierten Konzepten drei Sieger.

"Ich habe mich gefühlt wie in einem Start-up-Unternehmen!", meint der Master-Student Andreas im Rückblick auf den jüngsten Durchgang dieser speziellen Lehrveranstaltung. Und sein Mitstudent Tobias meint: "Der Wettbewerbscharakter war auf jeden Fall spürbar. Jeder wollte die beste Idee entwickeln." Tobias gehört zu dem Team, das auf Platz 1 kam: Es entwickelte eine Sensorbox zur Verringerung von Staub- und Lärmemission. Auf den 2. Platz kam ein Team, das eine Software zur cleveren Aufgabenverteilung von Bauvorhaben entwickelte. Und den 3. Platz holten Studierende, die sich ein Kranüberwachungssystem ausgedacht haben.

Die Sensorbox des Siegerteams kann durch GPS-Tracking Lärm- und Staubemissionen verringern. Ein Prototyp wurde sogar schon in der Praxis getestet – in Dachau bei der Ettengruber GmbH Abbruch und Tiefbau. Deren Inhaber Johann Ettengruber ist Präsident des deutschen Abbruchverbandes. Laut Rausch zeigte sich Ettengruber begeistert von der Idee der Studierenden.

Langer Weg zur Marktreife

Der Weg bis zur tatsächlichen Marktreife eines solchen Konzeptes ist jedoch meistens sehr lang. Aber darum geht es Prof. Rausch nicht. Viel wichtiger ist ihm, dass "die Studierenden bei dem Wettbewerb selbstständig auf Ideensuche gehen und sich weitaus intensiver mit dem Lehrstoff beschäftigen als in herkömmlichen Vorlesungen."

Dazu kommt: Das sogenannte Lehrforschungsprojekt vereint verschiedene Kompetenzen aus den Bereichen IT, Bauwesen, Softwareentwicklung und Elektrotechnik. "Eine interdisziplinäre Ausbildung", erläutert der Professor, "ist in Zeiten der Digitalisierung unbedingt nötig."

Das Ziel, Theorie und Praxis zu vereinen, wurde erreicht: "Die Gruppenarbeit verlangt dynamisches und effizientes Arbeiten", hat Tobias erkannt: "Das bereitet uns prima auf das zukünftige Arbeitsleben vor."

VANESSA NEUSS

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