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Freiwilligendienst in Ecuador: Ein Dorf als Gastfamilie

Elise (20) aus Emskirchen hat Deutsch unterrichtet und einen Wassertank mit geplant - 13.04.2018 16:08 Uhr

Als Elise - auf diesem Bild ist sie in den Anden wandern - nach Ecuador aufbrach, sprach sie kein einziges Wort Spanisch. Vor Ort lernte sie das schnell – und brachte den älteren Schülern des Dorfes Bellavista Englisch und Deutsch bei. © Elise Eckardt


Mein Abenteuer startete im Sommer 2016: Gemeinsam mit fünf Mitfreiwilligen startete ich nach Ecuador in den Golf von Guayaquil. Dort gibt es die mit 11 000 Hektar größte Mangrovenschutzkonzession Ecuadors, die von lokalen Fischergemeinden gemeinschaftlich verwaltet wird.

Schon seit mehr als 15 Jahren unterstützt der Schutzwaldverein e.V. die Gemeinden bei dieser Aufgabe, vor allem durch den Einsatz von Freiwilligen vor Ort. Mit fünf Dörfern arbeitet der Verein derzeit zusammen. Meine Heimat auf Zeit hieß Bellavista, ein kleines Fischerdorf im Golf von Guayaquil mit etwa 170 Einwohnern. Von Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors, aus ist die Insel in rund einer Stunde per Boot zu erreichen.

Die Menschen dort leben hauptsächlich vom Fisch- oder Krebsfang in kleinen Kanus mit Motor. Während meines Aufenthalts habe ich in einer Gastfamilie gelebt und hatte mein eigenes kleines Zimmer. Für meine Verpflegung allerdings war das ganze Dorf zuständig: Frühstück, Mittag- und Abendessen aß ich jeden Tag in einem anderen Haus, bei einer anderen Familie. Manchmal habe ich beim Kochen mitgeholfen und dabei gelernt, Fische auszunehmen, Enten zu rupfen oder Austern zu öffnen.

Kein Lehrer für die Grundschule

Meine Haupttätigkeit auf Bellavista war das Unterrichten in der kleinen Dorfschule. Da die Insel sehr abgelegen ist, hat man Probleme, Lehrer zu finden. Schon seit drei Jahren gibt es deshalb überhaupt keinen Grundschulunterricht mehr. Ich habe die sechs Schüler des "colegios" in Englisch unterrichtet. Die Jungs waren ungefähr in meinem Alter, zwischen 17 und 21 Jahren.

Diesen Schülern brachte Elise Deutsch bei. © Elise Eckardt


In den letzten drei Monaten habe ich außerdem Deutschunterricht angeboten, denn der Schutzwaldverein ist in die Süd-Nord-Komponente des weltwärts-Programms eingestiegen. Sie ermöglicht jungen Menschen aus dem globalen Süden einen Freiwilligendienst in Deutschland. Der Schutzwaldverein will jedes Jahr eine Frau und einen Mann aus den Fischergemeinden nach Deutschland holen.

So haben wir Freiwillige in allen Dörfern Deutschkurse für zukünftige Kandidaten und Interessierte angeboten. Auf Bellavista lernten zwei Jungs bei mir Deutsch. Die beiden haben sehr schnell gelernt, kannten bald viele einfache Vokabeln. Nur mit der Aussprache und der deutschen Grammatik taten sie sich schwer.

Doch Unterrichten war nicht alles für mich. Ich half auch bei verschiedenen Projekten in den Gemeinden. In Bellavista ging es vor allem darum, die Basis für einen Wassertank zu planen und zu bauen. Die Trinkwasserversorgung auf Bellvista ist sehr schlecht, da es keine natürliche Wasserquelle gibt. Man nutzt den Regen in der Regenzeit, ansonsten liefert ein Tankschiff Wasser auf die Insel. Deswegen soll ein Tank gebaut werden, in den 20 000 Liter Wasser passen. Während meiner Zeit in Bellavista haben wir vor allem Vorbereitungen für ein Betonfundament getroffen — eine ziemlich langwierige Sache.

Umso schöner war es zu sehen, dass das Fundament inzwischen steht. Denn vor kurzem war ich erneut für einen Monat in Ecuador. Das Land ist so unglaublich vielfältig, dass für mich schon beim Abschied feststand, dass ich so bald wie möglich zurückkehren möchte. Diesen Wunsch habe ich mir in meinen Semesterferien erfüllt.

In den kleinen Fischerdörfern im Golf von Guayaquil leben die Menschen vom Fisch- und Krebsfang. Dafür muss man schon mal ins Mangrovendickicht abtauchen. © Elise Eckardt


Das Schönste an meiner Rückkehr war es, die vielen Menschen wiederzusehen, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind. Viele Freunde, meine Gastfamilie, aber auch das ganze Dorf, das für mich eine Art zweite "Heimat" geworden ist. Ich mag die Mentalität der Ecuadorianer sehr. Ihre Entspanntheit und Offenheit ist super und einfach ganz anders als in Deutschland.

Zwei Freiwillige für Deutschland

Derzeit laufen in Ecuador die Vorbereitungen für die Ausreise der beiden Süd-Nord-Freiwilligen im August. Ausgewählt wurden Arnold aus dem Fischerdorf Cerrito und Melissa von Puerto Libertad. Meine beiden Schüler haben sich im Endeffekt doch nicht beworben, machen aber weiter Deutschunterricht.

Arnold und Melissa lernen derzeit nicht nur weiter Deutsch, sondern werden auch auf das Eintauchen in eine neue Kultur, auf anderes Essen und anderes Klima vorbereitet. Genauso wie es mir eben zu Beginn meines Jahres ging. Genau deswegen halte ich den Süd-Nord-Austausch für eine super coole Möglichkeit.

Auch in Deutschland engagiere ich mich noch im Schutzwaldverein. So helfe ich dabei, die deutschen Freiwilligen auszuwählen und vorzubereiten, die nächstes Jahr die Arbeit in den Gemeinden fortführen werden. Ich bin sicher, dass mich dieses Jahr mit all meinen Erfahrungen und Themen so schnell nicht loslassen wird.

Weitere Infos zum Schutzwaldverein: www.schutzwald-ev.de

ELISE ECKARDT

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