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Vom Schulversager zum Lernsieger

Viele Lehrer bringen den Schülern nicht das Lernen bei - 07.05.2019 08:00 Uhr

Benjamin Hadrigan sagt selbst über sich, dass er ein Schulversager war. Als er herausgefunden hat, wie er sich richtig auf Prüfungen vorbereitet, wurde er sogar zum Klassenbesten. Er nutzt zum Lernen gerne soziale Medien wie Instagram und Snapchat – und schrieb ein Buch darüber. © Lucas Beck


Sarah schaut sich YouTube-Videos auf Englisch an, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Benjamin erstellt die Stoffsammlung für seine Geschichtsklausur auf einem privaten Instagram-Account und nutzt die Storie-Funktion, um sich – wie mit Karteikarten – abzufragen.

Die beiden Schüler nutzen die Möglichkeiten der digitalen Welt, um Schulstoff zu vertiefen und für Tests und Abfragen zu lernen. Der 17-jährige Benjamin Hadrigan aus Wien möchte seine selbst entwickelten Lerntechniken an alle Schüler weitergegeben. Deshalb hat er auch das Buch "#Lernsieg – Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp" verfasst, das im Edition-a-Verlag erschienen ist.

Darin rechnet der Schüler auch mit dem Schulsystem ab. Denn Benjamin wäre fast durchgefallen, die Schule stellte für ihn ein Folterinstrument dar. Aus einst wissbegierigen Kindern würden Schüler mit Angst vor schlechten Noten und Zusatzhausaufgaben – lautet einer seiner Vorwürfe.

"Das Schlimmste ist", schreibt der junge Österreicher, "dass niemand uns beibringt, richtig zu lernen. Ich bin dafür, dass Lehrer nach den Leistungen ihrer Schüler bezahlt werden." Er sei sicher, sie kämen dann selbst auf die Idee, ihren Schülern das Lernen beizubringen.

Benjamin schaffte es schließlich vom Schulversager zum Klassenbesten, weil er sich das Lernen selbst lehrte. "Mein Vater kaufte mir viele Bücher zu dem Thema." Darin erfuhr er auch viel über die verschiedenen Lerntypen und Lerntechniken.

Karten abfotografiert

Aus all diesen Informationen stellte er sich sein eigenes Lernsystem zusammen. Allerdings verlor er die dabei verwendeten Karteikarten oft. "Also habe ich sie abfotografiert und meinen Freunden über WhatsApp geschickt, die sie auch haben wollten", erzählt er am Telefon.

Das war der Anfang des Lernsystems mit Social Media. "Mit meinen Nachhilfeschülern habe ich das dann weiterentwickelt", sagt der 17-Jährige. Dabei konzentriert sich der Schüler hauptsächlich auf Instagram, Snapchat und WhatsApp. "Jugendlichen nutzen diese Medien sowieso den ganzen Tag, warum nicht auch zum Lernen?", fragt er. Vor allem mache diese Art zu lernen Spaß.

"Über Instagram kann man sich den Stoff aufteilen, vereinfachen und strukturieren, über Snapchat kann man den Stoff festigen, sich gegenseitig abfragen und die Lerngeschwindigkeit erhöhen. WhatsApp ist nützlich für Gruppenanrufe und gegenseitiges Helfen", erläutert Benjamin.

In seinem Buch geht er aber auch auf Grundlagen des Lernens ein ein. Ein Beispiel: Man sollte erst mal seinen Lerntyp herausfinden, um zu wissen, wie man sich den Schulstoff am besten aneignen kann.

Auch Sarah Al Malih hat das Internet zum Lernen entdeckt. Sie vertieft den Schulstoff, indem sie sich auf YouTube Erklärvideos dazu anschaut. Im Fach Englisch helfen ihr englischsprachige Videos, und auch Videospiele stellt sie von Deutsch auf Englisch um. "Dadurch kenne ich sehr viele Wörter, von denen meine Mitschüler noch nichts gehört haben", erzählt die 15-jährige Schülerin vom Gymnasium Eckental.

Kein Ersatz für Lehrer

Ihre Lernmethode bescherte ihr beim Englisch-Lesewettbewerb der mittelfränkischen Gymnasien sogar den 1. Platz. "Ich rate auch meinen Mitschülern, englischsprachige Videos zu schauen. Aber die geben immer viel zu schnell auf." Allerdings seien die Videos kein Ersatz für den Lehrer, betont Sarah: "Für die Grammatik braucht man ihn." Die 15-Jährige kann sich generell Infos aus Filmen besser merken als aus Büchern. "Aber ich muss sowieso nicht so viel lernen, da ich im Unterricht gut aufpasse", meint sie.

An ihrer Schule machte sie im Gegensatz zu Buchautor Benjamin die Erfahrung, dass es schon Lehrer gibt, die den Schülern das Lernen beibringen wollen. Sie erinnert sich: "Einmal musste ich einen Fragebogen ausfüllen, um herauszufinden, welcher Lerntyp ich bin." 

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