Donnerstag, 19.09.2019

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Wie funktioniert Müllverbrennung?

Die NN-Ferienreporter besuchen die Müllverbrennungsanlage in Nürnberg - 06.08.2019 12:02 Uhr

Die erste Station führte die Ferienreporter in die Nürnberger Müllverbrennungsanlage. Hier schüttet ein Müllauto gerade seinen Inhalt in die Tiefen der Anlage. © Foto: Isabel-Marie Köppel


Als wir das riesige Gelände der Müllverbrennungsanlage (MVA) betreten erwartet uns der Betriebsleiter Gerold Wittek. Er möchte uns in Ruhe alle Fragen beantworten. Besonders interessiert uns der Umweltfaktor in Bezug auf Kunststoff.

"Wenn wir Plastik verbrennen, verbrennen wir eigentlich Erdöl", sagt Wittek. Es ist der Grundstoff von allen Kunststoffen. Wie auch bei anderen fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdgas) wird dabei Kohlenstoffdioxid (CO2) erzeugt, welches in einer zu hohen Konzentration schädlich für die Erdatmosphäre ist. Jedoch erklärt uns Wittek, dass der Großteil (80 Prozent) des Erdöls, das wir verbrennen, in Form von Benzin und Heizöl verfeuert wird. Kunststoffe machen nur einen Anteil von fünf Prozent aus.

Dennoch ist es "das Allerbeste, erst gar nicht so viel Plastik zu verwenden", sagt der Experte. Schnell wird uns im Gespräch klar, dass die Menschen selbst das eigentliche Problem sind, weil sie nach wie vor in Plastik verpackte Produkte kaufen. Aber auch die Politik müsste mehr Einfluss nehmen, finden wir.

Neben Plastik ist uns das Thema Mülltrennung wichtig. Uns interessiert, warum man den Abfall überhaupt trennen muss? Wittek erklärt, dass es Stoffe gibt, die überhaupt nicht verbrannt werden müssen. Zum Beispiel wird Biomüll kompostiert. Andere Stoffe lassen sich aber auch recyceln: "Altpapier ist sogar ein sehr guter Rohstoff." Selbst der Pizzakarton mit Resten dürfe in die Papiertonne. "Das schafft die Wiederaufbereitung", klärt uns der Betriebsleiter auf.

Das sind die fünf Ferienreporter Anna Köstner (10, links), Nina Brockhoff (11), Mathilda Hack (11), Laura Diesner (15) und Lenard Meixner (14), die sich dem Thema Müll gewidmet haben. © Isabel-Marie Köppel


Wir haben auch Teile aus unserem eigenen Müll in die MVA mitgebracht. Neben einer elektrischen Zahnbürste, einem Briefumschlag und mehreren Kassenzetteln fällt vor allem der viel genutzte Tetrapack auf. "Innen befindet sich zuerst eine Plastikfolie, damit er dicht ist. Danach folgt Aluminium für die Stabilität und dann Karton, damit man ihn schön bedrucken kann", erläutert Wittek. Somit sei der Tetrapack schwerer zu verwerten als zum Beispiel eine Plastikflasche, weil so viele Stoffe miteinander verbunden sind. Nach dem intensiven Gespräch führt uns der Betriebsleiter nun durch die Anlage.

"Wir zählen hier nicht in Stockwerken, sondern in Metern über der Erde", weist uns Wittek ein. Der erste Stopp auf unserem Rundgang ist die Anlieferungshalle. Hier stinkt es ausnahmsweise mal, da die Müllwägen dort ihren geladenen Abfall in den Müllbunker, einen tiefen Graben voller Unrat, hineinschütten. Dort sitzt auf 32 Metern über dem Boden der Kranführer, der den Müll in zwei Berge aufteilt, den er anschließend in die Verbrennung werfen muss. "Eine Woche brauche ich etwa für einen Haufen", sagt Aleksander Smoljanski. Seit eineinhalb Jahren bedient der Kranführer die riesige Kralle, die bis zu sechs Tonnen des Mülls greifen kann. Anschließend landet dieser in der Feuerung, wo ein rund 1000 Grad heißes Feuer lodert.

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© Patrick Pleul dpa

Finden Sie heraus, wie gut Sie sich in Sachen Umweltschutz, Klimawandel oder Nachhaltigkeit auskennen. Wir haben acht Fragen aus unserem Alltag herausgepickt mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten - aber nur eine davon stimmt. Am Ende sehen Sie, wie Sie abgeschnitten haben.

© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

© dpa

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

© Colourbox.de

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

© Ina Fassbender/dpa

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

© colourbox.de

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

© Patrick Pleul dpa

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Dann hier entlang!

Die Wärmeenergie, die dabei entsteht, erhitzt Wasser. Der entstandene Dampf betreibt dann eine Turbine. Dadurch gewinnt man Strom. Zudem wird der Abdampf aus der Turbinenanlage ins Fernwärmenetz eingespeist. So hat das Verbrennen von Müll immerhin noch einen weiteren Nutzen.

Die Stoffe, die nicht verbrannt werden konnten wie etwa Metall, werden nach der Feuerung abgeleitet und wiederverwertet. Die Asche aus der MVA nennt man übrigens Schlacke. Das bei der Feuerung entstandene Abgas muss nun von giftigen Stoffen gereinigt werden. Nachdem es durch vier verschiedene Reinigungsstufen gelaufen ist, wird das Gas durch den rund 100 Meter hohen Kamin nach draußen geleitet.

Abfall in Zahlen:

In der Müllverbrennungsanlage (MVA) landet der Abfall von etwa 800 000 Menschen aus ganz Nürnberg, dem Nürnberger Land sowie Schwabach, Fürth und dem zugehörigen Landkreis. Pro Woche (Montag bis Freitag) kommen ungefähr 5000 Tonnen Müll in der Verbrennungsanlage an.

Pro Kopf produziert jeder aus dem oben genannten Einzugsgebiet im Jahr um die 250 Kilogramm Restmüll. Im gelben Sack landen pro Person nur 21 Kilo jährlich. Somit ist der Restmüll die am meisten entstehende Müllart.

Ein Müllwagen kann je nach Größe um die sieben bis zehn Tonnen fassen. 

Im Jahr 2017 wurde von der MVA circa 391 000 000 Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt. Damit könnte man theoretisch ungefähr 20 Milliarden Kaffeetassen kochen.

Mit einer Höhe von 32 Metern und einer Länge von 64 Metern kann der Müllbunker etwa 10 000 Tonnen Abfall fassen.

Der Müll wird mit rund 1000 Grad im Kesselhaus verbrannt. 

LAURA DIESNER UND LENARD MEIXNER

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