Roßtal: Wenn St. Laurentius doch sprechen könnte

8.4.2016, 16:00 Uhr
Thomas Liebert zeigt’s: 1893 wurde St. Laurentius umfangreich saniert und dabei auch die Tür neben dem Turm eingesetzt. Der zerborstene Sturz mit der Jahreszahl macht deutlich, wie intensiv das Bauwerk arbeitet.

Thomas Liebert zeigt’s: 1893 wurde St. Laurentius umfangreich saniert und dabei auch die Tür neben dem Turm eingesetzt. Der zerborstene Sturz mit der Jahreszahl macht deutlich, wie intensiv das Bauwerk arbeitet. © Foto: Sabine Rempe

Roßtal - das ist immer auch diese Kirche. Prägnant auf dem langgestreckten Bergrücken gelegen, ist sie eine Stein gewordene Erinnerung an längst vergangene Epochen. Ungezählte Generationen haben St. Laurentius geprägt. Immer wieder wurde das Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte erweitert, verändert, umgestaltet, ausgebessert. Die, die schon früh hier ans Werk gingen, haben gute Arbeit geleistet: „Mit den Fundamenten ist man bis auf den Felsen gegangen, da wurde sogar die darauf liegende Verwitterungsschicht entfernt“, sagt Thomas Liebert.

Der 48-jährige Archäologe aus Roßtal lobt: „Da wurde sehr solide und sauber gearbeitet, das waren außerordentliche Handwerker.“ Der Erforschung des markanten Bauwerks, die Erkenntnisse wie diese brachten, widmeten sich bereits viele Fachleute. Sanierungsarbeiten waren und sind stets gute Gelegenheiten für baugeschichtliche und archäologische Untersuchungen. Der Fülle des Materials, das gesammelt wurde, stehen allerdings bis heute offene Fragen gegenüber. Auch damit setzt sich die Ausstellung auseinander. Auf 13 Textfahnen und anhand von einigen Fundstücken stellt Liebert aber vor allem vor, was man heute gesichert weiß.

Krypta mehrmals umgebaut

Aus dem Kirchenraum führen Treppenstufen direkt in die Vergangenheit: Die Bauzeit der frühromanischen Krypta wird um das Jahr 1020 herum angenommen. Eventuell gab es aber bereits zuvor eine Kapelle, die zu der großen frühmittelalterlichen Burg horsadal gehörte, die sich dort befand, wo heute der Obere Markt ist. In der Regel gab es in solchen Anlagen nämlich eine Andachtsstätte. Die Krypta mit den zwölf quadratischen Säulen, so wie sie heute zu sehen ist, weist Spuren mehrerer früherer Umbauten auf. Deutlich zu erkennen ist etwa der ursprüngliche Eingang, der anfangs an der Südseite lag. Nachweisbar ist, dass die Unterkirche zunächst als Grabstätte der Pfalzgräfin Irmingard von Hammerstein diente, die zwischen 1041 und 1043 starb, als Kirchenstifterin und lokale Heilige verehrt wurde.

Das Langhaus von St. Laurentius dürfte aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammen. Prächtige Altäre soll es hier gegeben haben, davon berichten Reisende, die im 16. Jahrhundert ihre Eindrücke niederschrieben. Das Grabmal der Stifterin Irmingard war zu diesem Zeitpunkt längst in die Mittelachse des Kirchenschiffs verlegt worden und zog die Wallfahrer an. Durch ein Fenster konnte man damals aus der Krypta auf den Sarg der Heiligen schauen – heute kann man einen Teppich im Mittelgang zurückschlagen und durch Plexiglasplatten betrachten, was davon übrig blieb. Denn ein katastrophaler Brand richtete im August 1627 nicht nur an Irmingards Gedenkstätte verheerenden Schaden an.

Schuld war der Blitz, der in den exponierten Kirchturm einschlug. Ein Einschnitt, der eine völlige Neugestaltung des Innenraums mit sich brachte, die erstaunlicherweise in Jahresfrist vollendet war. „Es gelang ganz schnell, vom Markgrafen Geld für den Wiederaufbau zu bekommen“, sagt Thomas Liebert. Gute Beziehungen zum Hof in Ansbach halfen dabei ebenso wie die Tatsache, dass Roßtal für die Markgrafen stets eine besondere Stellung einnahm.

Rätsel um den Dachstuhl

Zu den Geheimnissen der Baugeschichte gehört bis heute, warum der Dachstuhl, der nach dem Brand erneuert werden musste, ganz in spätmittelalterlicher Tradition ausgeführt wurde – bis auf den Bereich über dem Chor. Dort arbeitete man das Dachwerk plötzlich so, wie es im 17. Jahrhundert üblich war. Warum? Das bleibt rätselhaft. „Untersuchungen des Holzes ergaben aber, dass im gesamten Dachstuhl Hölzer aus der Winterfällung 1627/28 benutzt wurden“, macht der Archäologe deutlich.

Der quadratische Turm, mit dessen Errichtung um 1400 begonnen wurde, bekam 1769 statt des einstmals spitzen Dachs eine sogenannte „welsche Haube“. Wer die schmalen Holzstiegen in seinem Inneren emporklettert, kann eine Form von frühem Recycling entdecken: Immer wieder wurden hier zum Beispiel deutlich ältere Grabplatten verbaut. Auch ein deutliches Zeichen für die zahlreichen Umbauten lässt sich leicht ausmachen. Fenster und ehemalige Ausstiege passen nicht mehr zur heutigen Geschosshöhe, der Eintritt in den Dachstuhl etwa ist nur gebückt und mit eingezogenem Kopf zu bewerkstelligen.

Direkt unter der Laterne des Turms, von der der Blick weit ins Land geht, hängen die drei Glocken von St. Laurentius. „Zum Glück“, sagt Thomas Liebert. Die Kapitulation rettete sie vor 70 Jahren im letzten Moment vor dem Einschmelzen. Eine Geschichte von vielen aus der Vergangenheit des markanten Baus, der längst noch nicht alle Fragen beantwortet hat.

Eröffnung der Ausstellung „Die Laurentiuskirche Roßtal: Fragen an ein Bauwerk“ im Heimatmuseum, Schulstraße 13, Sonntag, 10. April, 10 Uhr.

www.heimatverein-rosstal.de

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