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Schiedsrichter-Obmann macht sich "sehr, sehr große Sorgen"

Uwe Wichmann befürchtet, dass der Mangel an Referees nach der Corona-Zwangspause weiter wächst - 27.01.2021 12:27 Uhr

Sei fair zum 23. Mann: So lautet die plakative Aufforderung auf mehrere Tafeln im Sportpark Rezataue des TSV 1860 Weißenburg (hier beim Bezirksliga-Spiel gegen Freystadt). Auch die Schiedsrichter können aktuell nicht ihrem Hobby nachgehen.

26.01.2021 © Foto: Uwe Mühling


Die Schiedsrichtergruppe Jura Süd hat mehrere Leute in ihren Reihen, die in normalen Jahren weit über 100 Einsätze haben. "Denen fehlt viel von ihrem Leben", stellt Gruppenobmann Uwe Wichmann mit Blick auf Dauerbrenner wie beispielsweise Dieter Hörauf (TSV Dietfurt), Michael Scharping (DJK Gnotzheim) oder Mirko Körner (VfL Treuchtlingen) fest.

Aber auch denjenigen, die nicht ganz so viele Spiele leiten beziehungsweise als Assistenten, Beobachter oder Ausbilder aktiv sind, vermissen ihren Sport, ihre Freizeitbeschäftigung und all die damit verbundenen sozialen Kontakte.

Uwe Wichmann: "Ich sehe schwarz"

Der momentane Zustand ist nach den Worten von Uwe Wichmann "nicht gut" – weder für die Fußballvereine noch für das Schiedsrichterwesen. Hinzu kommen aus Sicht des Süd-Obmannes enorme Bedenken für die Zukunft: "Ich sehe schwarz für die nächste Zeit. Uns geht es nicht anders als den Vereinen: Die Sorge, Leute zu verlieren, ist sehr, sehr groß", betont Wichmann. Oder anders formuliert: Wer weiß, ob die Referees nach der Zwangspause wieder zur Gruppe und zu ihrem Hobby zurückkehren?

Blickt besorgt in die Zukunft: Schiedsrichterobmann Uwe Wichmann.

26.01.2021 © Foto: Roland Mayer


"Wir haben schon ein paar Kündigungen erhalten", berichtet der Gruppenobmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Verbunden mit der Tatsache, dass bereits in den vergangenen Jahren der Schiedsrichtermangel zugenommen hat, hegt er "böse Befürchtungen, ob wir künftig die Spiele noch entsprechend mit Unparteiischen besetzen können".

Die Schiedsrichterei ist sicherlich kein einfaches Hobby. Immer wieder wird man auf den Sportplätzen angefeindet oder steht im Kreuzfeuer der Kritik. Partner/innen und Familie müssen zum Teil mitleiden. Gerade vor diesem Hintergrund sieht Uwe Wichmann die Gefahr, "dass Jung und Alt in der aktuellen Situation merken, dass es zu Hause auch ganz schön ist".

Peter Schmiedl verstorben

Jedenfalls hat der Obmann "große Sorge", ob sich verloren gegangenes Personal so schnell wieder nachbilden lässt. Hier spielen auch noch zwei weitere Aspekte hinein: Zum einen ist die Gruppe Jura Süd – wie fast alle Schiri-Vereinigungen in Bayern – überaltert, zum anderen sind in letzter Zeit mehrere langjährige Aktive verstorben, die häufig im Einsatz waren.

Jüngstes Beispiel ist Peter Schmiedl (Eintracht Kattenhochstatt). Letzterer zählt mit rund 2360 Einsätzen zu den Top Ten im Jura Süden und reißt auch deshalb "ein Riesenloch in unsere Reihen" (Wichmann), weil er über viele Jahre die jungen Schiedsrichter/innen begleitet und unterstützt hat.

Solche Lücken zu schließen, wird immer schwieriger – vor allem in der aktuellen Situation, in der keine Aktivitäten oder Zusammenkünfte möglich sind. Auch die für Montag, 8. Februar, geplante Jahreshauptversammlung der Schiedsrichtergruppe Jura Süd im Vereinslokal "Rockenstube" in Emetzheim wird nicht vor Ort stattfinden können. Sie wird stattdessen zur gewohnten Zeit um 19.30 Uhr online als Zoom-Meeting durchgeführt. Wichmann ist sich sicher, dass so schnell wohl keine Präsenz-Veranstaltungen möglich sein werden.

Die große Corona-Bremse

Andere Zeiten – auch im Schiedsrichterwesen: Die Referees mussten in den wenigen Spielwochen des Jahres 2020 außerhalb des Platzes Masken tragen.

26.01.2021 © Foto: Uwe Mühling


Die Jahrestagung ist stets der Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. Und da hat sich bei den Zahlen die Corona-Bremse natürlich stark bemerkbar gemacht. Insgesamt gab es im Jahr 2020 nur 919 Gesamteinsätze. Sie konzentrierten sich auf Januar/Februar (vorwiegend Halle) sowie auf August/September/Oktober mit Testspielen und dem kurzzeitigen Punktspiel-Restart. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es 3139 Einsätze.

Die meisten Spiele im Kalenderjahr 2020 hat das eingangs bereits erwähnte Trio mit Dieter Hörauf (39 Spiele), Michael Scharping (36) und Mirko Körner (35) geleistet. Bei den Spitzenschiedsrichtern kam Julian Müller auf 16 Spiele, bei den Jung-Referees Sebastian Renner auf 21 Einsätze.

Für die Südgruppe gab es trotz Hobby-Verzicht und Zwangspausen vor allem zwei positive Statistik-Aspekte: So konnte der Mitgliederstand weitgehend gehalten werden. Im Dezember 2019 zählte man im Jura Süden 261 Unparteiische, im Dezember 2020 waren es 259, davon 144 aktive Referees.

"Texas" mit über 3000 Spielen

Der zweite Süd-Schiri mit über 3000 Spielen: Georg Riedel, genannt „Texas“.

26.01.2021 © Foto: Roland Mayer


Der zweite positive Punkt: Es gibt einen neuen Mann im 3000er-Klub. Georg "Texas" Riedel von der Eintracht Kattenhochstatt schraubte sein Konto auf 3014 Spiele und ist damit der zweite Aktive der Gruppe Jura Süd, der die magische Marke geknackt hat. Bislang ist dies nur dem verstorbenen Ehrenobmann Hugo Lahr (ESV Treuchtlingen) gelungen. Seine 3570 werden wohl ein Rekord für die Ewigkeit bleiben.

In der Gesamtstatistik liegt Riedel vor Hermann Reif (2656 Spiele), Dieter Hörauf (2615) und Hans Jäger (2493). Sie hoffen genauso wie alle anderen aktiven Schiedsrichter aus Weißenburg, Treuchtlingen, Gunzenhausen, Eichstätt und Umgebung, dass im Lauf des Jahres 2021 viele weitere Spiele und Einsätze hinzukommen. Wie anfangs schon deutlich gemacht: Auch die Fußball-Schiedsrichter vermissen ihr Hobby.

Die Top Ten der Süd-Schiris

Hugo Lahr (verstorben) 3570 Spiele

Georg "Texas" Riedel 3014 Spiele

Hermann Reif 2656 Spiele

Dieter Hörauf 2615 Spiele

Hans Jäger 2493 Spiele

Dieter Neumann 2426 Spiele

Peter Schmiedl (verstorben) 2361 Spiele

Markus Kemether 2107 Spiele

Gerhard Luff 2086 Spiele

Hans Luff 2072 Spiele

Diese zehn Fußball-Schiedsrichter bilden nicht nur die Top Ten bei der Zahl der Einsätze, sondern sind zugleich die zehn Referees, die in der Gruppe Jura Süd bislang über 2000 Einsätze absolviert haben.

UWE MÜHLING

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