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Dienstag, 25.06.2019

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Spezialtherapie kann Demenz ausbremsen

Studie des diesjährigen Schöller-Preisträgers: - 18.10.2018 20:29 Uhr

Mit gezielten psychosozialen Therapiemaßnahmen kann der Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit Demenzkranker spürbar verlangsamt werden. © Foto: FredFroese/istockphoto.com


Prof. Elmar Gräßel © Foto: Uni Erlangen


Es ist hierzulande der höchstdotierte Preis, mit dem Wissenschaftler auf dem Gebiet der Altersmedizin ausgezeichnet werden. Prof. Frank Erbguth, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg, ist Mitglied der Jury. Vier Arbeiten seien in die Endauswahl gekommen, Gräßels Studie wurde einhellig als die preiswürdigste befunden. Ihr Titel klingt für den Laien eher abschreckend: "Psychosoziale MAKS-Therapie für Menschen mit Demenz in der Tagespflege".

Prof. Elmar Gräßel vom Zentrum für Versorgungsforschung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uniklinik Erlangen erklärt den Inhalt aber allgemeinverständlich: Im Kern geht es darum, mit gezielten psychosozialen Therapiemaßnahmen das schleichende Fortschreiten der Degeneration bei den Erkrankten hinauszuzögern und den Level ihrer geistigen Fähigkeiten durch Förderung und Training auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten.

Das lässt sich mit dem Vier-Komponenten-System "MAKS" erreichen, wie die Studie belegt. Der Name bezieht sich auf die Anfangsbuchstaben der Therapiemaßnahmen, bei denen vier verschiedene Bausteine kombiniert werden: motorische, alltagspraktische, kognitive und sozial-kommunikative Förderung der Patienten.

Für die Studie wurden bundesweit 460 Personen in 32 Tagespflege-Einrichtungen betrachtet. Ein halbes Jahr lang haben eigens geschulte Mitarbeiter diese Patienten das "MAKS"-Programm durchlaufen lassen, während die übrigen Klienten die in der Tagespflege üblichen Beschäftigungsmaßnahmen absolvierten. Das Ergebnis ist beeindruckend: "Die Fähigkeiten der Patienten ließen nicht nach, solange die ,MAKS’-Maßnahmen angewandt wurden", sagt Gräßel.

Die Teilnehmer konnten ihr Ausgangsniveau vom Beginn der Studie halten, die Demenz-Symptomatik habe bei ihnen nicht zugenommen. Bei den Nicht-Teilnehmern ging der Verlauf der Demenz hingegen weiter – und das trotz ihres üblichen Aktivprogramms.

Mit "MAKS" habe er "nichts Neues aus der Pandora-Büchse hervorgezaubert", so Gräßel, "sondern Therapiemöglichkeiten gezielt eingesetzt." Im Unterschied zu anderen Aktivprogrammen für Demente trainieren die Patienten bei "MAKS" außerdem "möglichst am Limit ihrer Fähigkeiten", werden also so weit gefordert wie es bei ihrem Krankheitsstand nur geht. Auch die Spannweite der Abwechslung im Therapieprogramm ist bei "MAKS" erhöht. Den Patienten dürfe es nicht langweilig werden, so Gräßel.

In den Tagespflegeeinrichtungen, die an der Studie beteiligt waren, wurde das Personal drei Tage durch ein Zertifizierungsinstitut geschult. Das "MAKS"-Projekt wurde vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen finanziell gefördert. Für die Schulungskosten könne aber auch "der Topf des Präventionsgesetzes" herangezogen werden, meint Gräßel.

In Nürnberg arbeite die Tagespflegestelle Mögeldorf bereits nach dem "MAKS"-Prinzip, im Nürnberger Land eine Einrichtung in Hersbruck. Einrichtungen, die sich für "MAKS" interessieren, können sich melden (siehe unten). Voraussetzung für die Therapie ist eine Patienten-Gruppengröße von zehn bis zwölf Personen, wobei der Grad der Erkrankung nicht zu unterschiedlich sein darf, sagt Gräßel. "Bei dieser Größenordnung kann man auch Untergruppen bilden."

Wenn "MAKS" über einen längeren Zeitraum wirkt, würde das unzähligen Patienten und Angehörigen viel Leid ersparen. Denn jeder Zehnte über 65-Jährige ist bei uns dement.

mMehr Informationen gibt es unter www.maks-therapie de. Die Schulung führt das Zertifizierungsinstitut ClarCert durch; Infos: www.clarcert.com oder = 07 31/70 51 16–77. 

Ute Wolf

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