Erneuter Ausschluss der Fans

Geisterstimmung in Nürnberg: Der Club allein im Winterwunderland

Tobi Lang
Tobi Lang

Online-Redakteur

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4.12.2021, 12:15 Uhr
Außer diesem Schnee-Geist gibt es beim Club-Heimspiel gegen Kiel keine Zuschauer im Max-Morlock-Stadion.

Außer diesem Schnee-Geist gibt es beim Club-Heimspiel gegen Kiel keine Zuschauer im Max-Morlock-Stadion. © Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr

Der gespenstische Hall ist zurück im Max-Morlock-Stadion. Die "Abseits"-Rufe der Spieler, die Pfiffe des Schiedsrichters, die Kommandos von der Seitenlinie. Der Club spielt ab diesem Samstag wieder vor einer Geisterkulisse - die angespannte Corona-Situation auch in Bayern, sagt die Staatsregierung, lässt keine andere Wahl. "Wir hätten es lieber anders gehabt", sagte FCN-Coach Robert Klauß, "aber wir müssen es akzeptieren und wir müssen es auch ein Stück weit verstehen".

Es ist davon auszugehen, dass auch der 1. FC Nürnberg eiskalt vom erneuten Zuschauerausschluss überrascht wurde. Für Markus Söder war die Entscheidung aber auswegslos. Eine Frage der Fairness sei das, sagte der Ministerpräsident, der sich nicht vorstellen konnte, Weihnachtsmärkte abzusagen - dann aber Tausende Fans in nahezu voll ausgelastete Stadien zu lassen. "Kreuz und quer" reisen die Anhänger durch Deutschland - unverantwortlich in einer Situation, in der Intensivstationen auch im Freistaat volllaufen. "Das ist einfach zu viel Bewegung."

Wohl hohe finanzielle Einbußen durch Geisterspiele

Weil sich die neuerlichen Geisterspiele bereits seit einigen Tagen angekündigt hatten, hatte der Club zumindest etwas Zeit, sich gedanklich auf den Fanausschluss einzustellen. Wie die Dauerkartenbesitzer entschädigt werden, bleibt aber auch zum Anpfiff der Partie gegen Kiel noch unklar. Auf der Vereinshomepage heißt es trocken: "Über die Möglichkeiten der Rückabwicklung für einzelne Spiele wird der 1. FC Nürnberg zu einem späteren Zeitpunkt informieren."

Die Geisterspiele dürften den Club aber auch finanziell hart treffen. Zwar bleiben die Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft - ein Standbein bricht dem Verein aber nun erneut weg. "Jedes Heimspiel ohne Zuschauer bedeutet für uns einen Einnahmeverlust von mindestens 3,5 Millionen Euro", sagte etwa Herbert Hainer, der Präsident des deutlich finanzstärkeren FC Bayern der Bild-Zeitung. "Bisher gab es nach unseren Erkenntnissen bei Spielen im Freien unter der 2G-plus-Regel mit Abstand und Maske sehr wenige Ansteckungen, die direkt auf den Stadionbesuch zurückzuführen waren."

Fans zwischen Verständnis und Ärger

Die Fans haben größtenteils Verständnis. "Es ist wie es ist", schreibt ein Anhänger auf der Facebook-Seite des Club. "Denkt mal an die Krankenhäuser. Immer dieses Ich-Ich-Ich!" So manch andere wittert aber Wettbewerbsverzerrung - und reine Symbolpolitik. "Wie viele Infektionen gab es denn in den letzten Monaten im Stadion?"

Wie lange der Club auf seine Fans im Stadion verzichten muss, steht in den Sternen. Mindestens bis Weihnachten, womöglich aber auch deutlich länger, so kündigte es Markus Söder am vergangenen Freitag an. Besonders bitter: Nicht alle Bundesländer haben die Geisterspiel-Regel umgesetzt, anderswo könnte der Club also auch in diesem Jahr noch vor Zuschauern spielen.