Comeback nach Babypause

Anja Ippach lebt Mutterglück beim Rothsee-Triathlon aus

19.7.2021, 15:51 Uhr
Im Ziel teilte die strahlende Anja Ippach ihr Triathon- und Mutterglück mit einer besonderen Geste mit.

Im Ziel teilte die strahlende Anja Ippach ihr Triathon- und Mutterglück mit einer besonderen Geste mit. © Salvatore Giurdanella

Es gibt viele Gründe, um bei einem Triathlon-Rennen an den Start zu gehen. Welche speziellen Motive bei ihr den Ausschlag gaben, teilte Anja Ippach ihrer über 12000 Köpfe umfassenden digitalen Fan-Gemeinschaft im Vorfeld ihres Auftritts am Rothsee in einer anrührenden Erklärung mit. "Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass nach der langen Pause wieder Leben in die Szene einkehrt. Ich habe das Privileg gehabt, als Profi um die Welt zu reisen. Jetzt soll die nächste Generation die gleiche Chance bekommen", schrieb die gebürtige Bambergerin auf Instagram.

Nachdem sie das Triathlon-Spektakel schon als Vierjährige auf den Schultern ihres Vaters aufsaugte und als Jugendliche die ersten Erfolge ebenfalls in Roth feierte - "da hat alles angefangen" - verbuchte die heute 36-Jährige später den 3. Platz beim Challenge 2015 neben dem EM-Titel auf der Ironman-Mitteldistanz 2012 als einen der wertvollsten internationalen Höhepunkte ihrer Laufbahn. Nun ist die in Fürth heimisch gewordene Ippach im vergangenen Jahr selbst Mutter geworden und wollte "meiner kleinen Tochter zeigen, was die Mama einmal beruflich gemacht hat". Nicht zuletzt die Neugier, wie sich die veränderte private Situation auf den inneren Antrieb auswirkt, über die eigenen körperlichen Grenzen zu gehen, bewog die neunfache Siegerin der Kurzdistanz zum Comeback in der gewohnten Umgebung, die sich für sie immer wie ein Stück Heimat anfühlen wird.

Tatsächlich trug die Nummer 105 der Startliste, obwohl sie ihre Nächte derzeit mit "vier bis fünf" babybedingten Unterbrechungen als "durchwachsen" beschreibt, ein durchgehendes Grinsen mit sich herum. "Ich hatte noch nie einen Wettkampf, bei dem ich vom Anfang bis zum Ende durchgehend positive Gedanken im Kopf hatte", berichtet Ippach hinterher im Ziel strahlend. "Ich glaube, den größeren Muskelkater bekomme ich eher im Kiefer." Sportlich strebte die prominenteste Athletin im Feld, die etwa vier Wochen nach der Entbindung dosiert und "immer mit Kinderwagen" ins Ausdauer-Training eingestiegen ist, "keine konkrete Platzierung an".

"Mit der Profi-Karriere ist definitiv Schluss"

Die fehlende Übung gerade im Schwimmen hinderte die für den TV Erlangen startende Ippach nicht daran, nach 1,5 km als viertschnellste Frau aus dem See zu steigen. Auch auf der 40-km-Radstrecke kurbelte sie sich zwischenzeitlich auf den zweiten Platz nach vorne. Auf den finalen zehn Kilometern zu Fuß "bin ich teilweise in meine alten Rituale verfallen und habe zur Motivation Selbstgespräche geführt", erklärt Ippach, die also trotz der lockeren Begrüßungen am Wegesrand nicht ganz aus ihrer früheren Profi-Haut konnte. In 2:15 Stunden ließ Ippach allein der herausragenden Lena Gottwald und Luisa Moroff den Vortritt auf dem Podium.

Doch auf die ganz große Bühne etwa von Hawaii, das betont die 36-Jährige, zieht es sie nicht mehr. "Mit der Profi-Karriere ist definitiv Schluss. Da haben sich die Prioritäten eindeutig verschoben." Dem Triathlon-Sport an sich indes wird die Fränkin als "ambitionierte Hobbyathletin" und Trainerin erhalten bleiben. "Ich habe Spaß daran, meine Leidenschaft und mein Wissen weiterzugeben." Aktuell wirbt Ippach bereits für ihr Projekt, mit dem sie gerade Mädchen und Frauen unterschiedlichen Alters zu Bewegung und Selbstzufriedenheit verhelfen will. Töchterlein Pauline dürfte in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls ihre ersten Schritte machen.

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