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Bayerische Amateur-Klubs rebellieren gegen die Profis

Bayernliga-Vereine verabschiedeten „Wendelsteiner Anstoß“ - 05.10.2010 15:55 Uhr

Symbolträchtige wie historische Aufnahme: Erst unterschrieben die Vertreter der Bayernliga-Klubs – darunter auch Joachim Staufer (SV Seligenporten) und Ralph Gläßer (FSV Bruck) für die beiden heimischen Vereine – den „Wendelsteiner Anstoß“, dann formierten sie sich zum Gruppenbild.

05.10.2010 © Wolfgang Zink


Mit dem TSV Aindling fehlte bei der Veranstaltung in Wendelstein ein einziger Klub entschuldigt, der allerdings zuvor schon seine Zustimmung signalisiert hatte. Er könne sich an eine derartige Geschlossenheit und ein gemeinsames Auftreten dieser Art nicht erinnern, sagte BFV-Präsident Rainer Koch und zeigte sich zudem erfreut, dass zahlreiche Landesliga-Klubs den „Wendelsteiner Anstoß“ ebenfalls mittragen.

„Der Amateurfußball muss den Anspruch erheben, mitreden zu können, und sich auch selbst einbringen“, mahnte Koch. Zugleich bedauerte er die brüske Absage einiger bayerischer Profi-Klubs für die Veranstaltung in Wendelstein, die den bayerischen Reformantrag für die Regionalliga ablehnen, „unsere Position nicht teilen“ und offensichtlich auch kein Interesse an einem Austausch mit den Amateurvereinen hätten, allen voran der TSV 1860 München und der 1. FC Nürnberg. Der Fürther Präsident Helmut Hack und Karl Hopfner, Vize-Vorstandschef von Bayern München, hätten sich ausdrücklich entschuldigt, der FC Ingolstadt war durch Sportdirektor Harald Gärtner vertreten, auch der FC Augsburg glänzte durch Anwesenheit.

„Ein bloßes Njet ist eine Vorgehensweise aus dem letzten Jahrhundert“, kritisierte Koch die Verweigerungshaltung der meisten Profi-Vereine und mahnte die Spitzenvereine des bayerischen Amateurfußballs: „Nur mit Solidarität und der Bündelung unserer Interessen können wir etwas erreichen.“

Zugleich wurde durch Beiträge aus den Reihen der Vereine Unterstützung für Kochs These deutlich, Spitzenfußball auch in der Regionalliga sei mit rein ehrenamtlichen Vereinsstrukturen auf Dauer nicht möglich: „Der Fußball kann nicht so organisiert bleiben, dass Vereinsvorsitzende mit ihrem Privatvermögen haften.“ Zugleich forderte der BFV-Präsident, der am Freitag mit Spitzenvertretern der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zusammentrifft, „Ehrlichkeit“ in der Diskussion ein. Dazu gehöre, klar auszusprechen, dass der Amateurfußball direkt unter der Regionalliga beginne.

Ebenso offen und schonungslos war seine Analyse der aktuellen Situation in der vierthöchsten deutschen Spielklasse. „Wir müssen aufhören, zu träumen und mit Fernsehgeldern planen, die es in Zukunft nicht mehr geben wird. Weil die Liga wirtschaftlich für die anderen nicht machbar ist, werden bald nur noch Zweite Mannschaften in der Regionalliga spielen. Dann ist es auch vorbei mit der erwünschten Talentförderung“, warnte Koch die Profis eindringlich,

Gerade mit Blick auf die Talentförderung konterte Koch die Hinweise der Profi-Klubs, sie steckten alljährlich 50 Millionen Euro in ihre Nachwuchs-Leistungszentren, mit der Feststellung, dass bundesweit über 25000 Amateurvereine ehrenamtliches Engagement im Gegenwert von über einer halben Milliarde Euro in die Nachwuchsarbeit steckten.

Bezüglich des BFV-Reformantrags, die bisherige dreigleisige Regionalliga in eine „achtgeteilte vierte Spielklassenebene“ umzuwandeln, sagte der BFV-Präsident, die Zahl acht sei nicht in Stein gemeißelt – vorstellbar seien auch sechs Regionalligen.



 

Philipp Roser Sport E-Mail

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