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Challenge-Gewinner Kienle: Er kam, um zu siegen

Deutscher Top-Favorit siegt vor über 200.000 Zuschauern beim Challenge Roth - 02.07.2018 12:25 Uhr

Als Favorit war Sebastian Kienle zum Challenge gekommen. Auf der Laufstrecke schob sich der Hawaii-Sieger von 2014 nach vorn und sicherte sich seinen ersten Titel in Roth. Dort hatte 2010 seine Langdistanz-Karriere begonnen. © Salvatore Giurdanella


"Wenn viele Leute Großes von einem erwarten, muss es nicht gutgehen", sagte Kienle nach den 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen bei der mit weit über 200.000 Zuschauern größten Sportveranstaltung in der Region. "Wenn es nur um den Sieg geht, kann es hart werden. Ich mag diese Situation nicht, als absoluter Top-Favorit in ein Rennen zu gehen."

Und doch konnte der 33-jährige Athlet, der aus der Nähe von Pforzheim stammt, gestern aufatmen: In 7:46:23 Stunden schaffte er es bei seinem dritten Start in Roth ganz oben aufs Treppchen. "Hawaii-Frankfurt-Roth - ich habe jetzt auch das Triple geschafft", freute er sich. "Aber ich weiß, dass es nichts Besonderes mehr ist, weil das schon mehrere geschafft haben."

Wie zum Beispiel Jan Frodeno, der zudem noch die aktuelle, im Jahr 2016 in Roth aufgestellte Weltbestzeit hält (7:35:39 Stunden), der aber statt in Roth nächsten Sonntag in Frankfurt beim Ironman Germany startet.

Neben dem Hawaii-Sieger von 2015 und 2016 sind auch der aktuelle Champion Patrick Lange und Andreas Raelert, der 2011 in Roth eine neue Weltbestzeit aufgestellt hatte, in Frankfurt dabei. Deshalb musste Sebastian Kienle vor allem internationale Konkurrenz im mittelfränkischen Landkreis Roth fürchten. Doch Cameron Wurf hatte kaum mehr jemand auf dem Schirm.

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Zum zweiten Mal in einer Woche

Dies lag nicht daran, dass er in der Triathlon-Szene ein Unbekannter ist. Ganz im Gegenteil. Der Grund war, dass Wurf vor Wochenfrist beim Ironman Frankreich in Nizza angetreten und Dritter geworden war. Zwei Langdistanz-Rennen auf hohem Niveau innerhalb einer Woche erscheint vielen Experten unmöglich. Im Jahr 2008 hatte dies Wurfs Landsmann Chris McCormack schon einmal versucht: Eine Woche nach seinem Triumpf beim Ironman in Frankfurt startete er als Vorjahressieger auch in Roth, musste nach 70 km auf der Radstrecke aber aussteigen und Kritik von anderen Athleten und Zuschauern einstecken.

Wurf dagegen, der in 7:58:17 Stunden bei einer erneut veränderten Laufstrecke Fünfter wurde, ließ auf dem Rad nicht locker. "Ich war schockiert", meinte Kienle nachher über seinen Kontrahenten. "Denn ich weiß, wie es mir in einer Woche gehen wird, und da werde ich bestimmt keinen Triathlon machen." Stattdessen wird er in Frankfurt als Co-Moderator eingesetzt.

Als das "Wurf-Geschoss", wie Kienle frotzelte, auf dem Rad an ihm vorbeigezogen sei, habe er durchaus gestutzt und sich gefragt: "Mensch, was mache ich denn jetzt?" Fast die kompletten beiden 90 km langen Radrundkurse strampelte er sich hinter Wurf ab. "Einmal wollte ich als Geste und aus gutem Willen vorne fahren", erklärte Kienle. Die Führungsarbeit auf dem Rad gilt als kraftraubender, als wenn man als zweiter hinter dem Führenden fährt, auch wenn es sich nicht um das verbotene Windschattenfahren handelt. "Aber nach 300 Meter hat er mich wieder eingeholt." Deshalb habe er sich etwas zurückgenommen - und auf seine Chance auf der Laufstrecke gewartet. Dort überholte Kienle Wurf dann auch relativ schnell, der nach hinten durchgereicht wurde.

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"Nicht einmal davon geträumt"

Das war schließlich die Chance von Andreas Dreitz aus Lichtenfels, der inzwischen in Oberfranken in Michelau und Bayreuth wohnt. Der 29-Jährige, der erst seinen zweiten Triathlon über die Langdistanz bestritt und seinen ersten im italienischen Ravenna im vergangenen Jahr gleich gewonnen hatte, ließ Wurf an der Lände Roth des Main-Donau-Kanals hinter sich und hielt seinen zweiten Platz fest, ohne Kienle noch einmal gefährlich werden zu können. "Ich hatte erst auf dem Rad den Anschluss etwas verloren", bilanzierte Dreitz. "Deshalb habe ich mein eigenes Rennen gemacht, gar nicht auf die Zeiten und auch nicht auf die anderen geschaut."

Weil er hart trainiert und vor allem am Material von Rad und Sportanzug gearbeitet hatte, habe er ein gewisses Selbstbewusstsein und Vertrauen. Aber nach 7:53:06 Stunden vor dem US-Amerikaner Jesse Thomas als Zweiter ins Ziel zu kommen - "davon habe ich nicht einmal geträumt".

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Markus Kaiser

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