Donnerstag, 25.04.2019

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Club-Keeper Mathenia: Im Lilien-Style zum rettenden Ufer

Im Abstiegskampf setzt Nürnbergs Torhüter auf das Kollektiv - 12.01.2019 05:40 Uhr

Fast wieder bei 100 Prozent: Christian Mathenia kann das Mannschaftstraining im Wintertrainingslager in Benahavis voll mitmachen. © Foto: Sportfoto Zink


Im Test gegen Mouscron feierte Mathenia am Freitag nach fast siebenwöchiger Pause sein ersehntes Comeback. Dass es nun doch so schnell gehen würde, war noch beim Trainingsauftakt am 3. Januar kaum zu erwarten gewesen. "Ich muss erst wieder Vertrauen in mein Knie bekommen", hatte sich Mathenia selbst eher skeptisch gegeben. Doch die Sonne Andalusiens begünstigte offenbar diesen Prozess. "Die letzten Tage haben mir echt gutgetan. Ich bin jetzt schon fast bei 100 Prozent und konnte auch das Mannschaftstraining voll mitmachen", sagt Mathenia, das lädierte Knie bereite "keine Probleme mehr".

Als Mathenia am 24. November beim 2:5 auf Schalke bei einem missglückten Klärungsversuch im Rasen hängengeblieben war und so nicht nur das 0:1 verschuldet, sondern sich dabei auch noch einen Kapselriss samt Sehnenschaden im rechten Knie zugezogen hatte, schien das nur zum generellen Nürnberger Negativtrend zu passen. Immerhin hatte der gebürtige Mainzer erst vier Spiele zuvor den glücklosen und zunehmend entnervt wirkenden Aufstiegskeeper Fabian Bredlow abgelöst und seine Qualitäten durchaus bewiesen.

"Mr. Abstiegskampf"

In Nürnberg hoffte man vor allem auf die Erfahrung des 26-Jährigen, der immerhin mit der Empfehlung von 71 Bundesligaspielen nach Nürnberg gekommen war – nur Rechtsverteidiger Robert Bauer kann im Club-Kader mehr Einsätze vorweisen. Vor allem aber gilt Mathenia als eine Art "Mr. Abstiegskampf": In den letzten drei Jahren mühte sich der Keeper erst mit Darmstadt 98 und dann zweimal mit dem Hamburger SV um den Klassenerhalt – zweimal gelang die Mission, am Ende aber war Mathenia ein Teil jener Mannschaft, die das Aussterben des hanseatischen Bundesligadinos zu verantworten hatte. Schon ehe der historische Absturz besiegelt war, hatte man Mathenia trotz meist solider bis guter Leistungen das Vertrauen entzogen.

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Mal wieder ein Torwartfehler, mal wieder eine schlechte Chancenverwertung und wieder kein Sieg. Auch gegen den Tabellenvorletzten aus Belgien schafft es der Club nicht, zu überzeugen. Einzig Kubo und Löwen haben eine Szene, bei der man sich als Fan eine Wiederholung gewünscht hätte.


Zwar sieht Mathenia zwischen dem Club und dem HSV durchaus Parallelen, was die große Tradition und das Umfeld mit den treuen Fans betrifft, ansonsten lasse sich die Situation aber kaum vergleichen. "In Hamburg sind auch von außen viele Sachen auf uns eingeprasselt. Wir hatten ständig neue Trainer, neue Sportdirektoren, in solchen turbulenten Zeiten war es relativ schwer, auch wirklich eine Einheit zu werden", erinnert sich Mathenia, der in zwei Jahren an der Elbe drei Trainer, zwei Sportdirektoren und zwei Aufsichtsratschefs erlebte.

Hoffnung auf den Trainer

In Nürnberg hingegen habe man ganz andere Rahmenbedingungen: "Ich persönlich finde es gut, dass man hier am Trainer festhält und ihm den Rücken stärkt. Wechsel bewirken meistens nur kurzfristig etwas. Und man sieht ja in Freiburg mit Christian Streich, dass es auch langfristig funktionieren kann. Unser Trainer macht eine gute Arbeit, wir haben eine klare Spielphilosophie. Jetzt geht es einfach darum, die Sache zu verfeinern." Sollte das gelingen, sei auch die Mission Klassenerhalt keinesfalls unmöglich, glaubt er und verweist auf die Tabelle: Der Relegationsplatz sei "in Schlagdistanz, das ist unser Minimalziel. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass wir es aus eigener Kraft schaffen werden, über dem Strich zu stehen". Dazu müsse das Schlusslicht freilich "eine überragende Rückrunde spielen und auch mal zu Hause gegen die großen Mannschaften Big Points holen".

Wie man als Underdog in der Eliteliga überleben kann, das durfte er in Darmstadt hautnah miterleben. "Uns war damals klar: Wir schaffen das nur über das Teamgefüge, weil wir individuell zu schlecht sind." Eine radikal ehrliche Einschätzung, die sich wohl problemlos auf seinen neuen Arbeitgeber übertragen lässt. Deshalb fordert Mathenia, gerade die Auftritte vor eigenem Publikum zu echten "Kampfspielen" zu machen und so "die Fans mit ins Boot zu holen: "Wir müssen eine unangenehm bespielbare Mannschaft werden." Was wohl leichter gesagt ist als getan. Denn im Gegensatz zu den "Lilien", wo durchaus gestandene Profis mit einer gewissen Erfahrung im sportlichen Existenzkampf aufliefen, bedeutet die Bundesliga für die meisten Nürnberger Neuland. "Und jeder verarbeitet das eben anders. Es kann sein, dass sich mancher Spieler in der schlechten Phase zu viel unter Druck gesetzt und der Kopf dann etwas blockiert hat", sagt Mathenia: "Davon wollen wir uns im Trainingslager etwas lösen."

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Club-Trainingslager: Taktik-Feinschliff an Tag acht

Bevor es am Samstag zurück in das verschneite Frankenland geht, gab es am Freitagvormittag die vorletzte Trainingseinheit auf spanischem Boden. Taktisches Feintuning verordnete Köllner seinen Kickern bei gewohnt gutem Wetter.


Vor allem sieht der Schlussmann den einwöchigen Spanien-Trip als gute Gelegenheit, um als Mannschaft noch enger zusammenzurücken. Mathenia berichtet von "sehr vielen und intensiven Gesprächen", man habe klar thematisiert, "an was es gefehlt hat". Diese neue interne Streit- und Kommunikationskultur hält der überzeugte Teamplayer für elementar: "Es ist das wichtigste Gut in einer Mannschaft, dass jeder sagen kann, was er denkt. Das praktizieren wir hier in Spanien ganz gut, jetzt müssen wir es nur mit an den Valznerweiher bringen."

Mit Ehrgeiz und Gelassenheit

Auch Michael Köllner scheint die offene Art seiner Führungskraft zu schätzen. Sollte nichts Außergewöhnliches mehr passieren, wird Mathenia zum Auftakt gegen Hertha BSC wieder in die Schießbude der Liga zurückkehren, da hat sich der Trainer bereits festgelegt. "Er hat bis auf den Fehler gegen Schalke stabil gespielt", befand Köllner.

Mathenia sieht’s ähnlich, freut sich aber natürlich über das "Signal des Trainers, dass ich dann direkt wieder die Nummer eins bin". Zugleich lobt er die Konstellation mit den Konkurrenten Fabian Bredlow und Patric Klandt. "Wir sind alle echt gute Jungs, die dem anderen auch ein gutes Spiel gönnen. Es passt einfach bei uns. Natürlich hat man mal einen Hals, wenn man nicht spielt. Aber ich finde es wichtig, dass dann da draußen trotzdem einer sitzt, der für die Mannschaft alles gibt und die eigenen Belange hintenanstellt."

So wie das eben auch Mathenia zu Beginn der Saison als Nummer zwei vorbildlich vorgelebt hat. Mit Ehrgeiz und Gelassenheit. 

Uli Digmayer

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