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Mittwoch, 12.08.2020

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Corona-Auszeit beim Club: Montage ohne Tasso, Heinz & Günther

13 Uhr - und kein Fußball! Der Pressekick pausiert in den Pandemie-Wochen - 30.03.2020 23:22 Uhr

Mitunter ging es beim Montagsfußball auch rustikal zu: Das schon etwas ältere Foto zeigt den ehemaligen AZ-Sportchef Eberhard Ergenzinger inmitten der früheren Club-Spieler Christian Rother (l.) und Tasso Wild.


"Bis nächsten Montag, macht’s gut Männer", so haben wir uns wie gewohnt verabschiedet. Es war der Montag vor drei Wochen, die Welt war damals noch eine andere, zumindest hier in Nürnberg. Und dass jener nächste Montag in einer vermutlich fernen, ungewissen Zukunft liegen würde, das konnte - oder wollte - damals niemand ahnen.

Schäfers Handschuhe in der Schublade 

Heute um 13 Uhr habe ich wieder wehmütig aus dem Fenster geschaut. Meine Sporttasche ist längst im Schrank verstaut, die schon recht ramponierten Torwarthandschuhe, die mir Club-Keeper Raphael Schäfer einst vermacht hat, ruhen während in der Schublade. Und in der Turnhalle am Valznerweiher bleibt das Licht aus.

Dort, wo sich seit Jahrzehnten ein buntgemischtes Häufchen mittelalter bis alter Männer zum traditionellen "Montagsfußball" - oder auch "Pressekick" - getroffen hat. Woche für Woche, Sommer wie Winter. Koordiniert von meinem NZ-Kollegen Horst Dittmann pflegten lokale Journalisten, Altstars des FCN, Leute aus dem Club-Umfeld und befreundete Hobbykicker den betulichen Budenzauber, auch der eine oder andere Club-Trainer soll schon mal vorbeigeschaut haben.

Steffs Schlitzohrigkeit und legendäre Zwischenrufe 

Zur aktuellen Stammbesetzung zählt etwa Tasso Wild, Pokalsieger von 1962, der auch weit nach der Verrentung den Ball wie am Schnürchen gezogen passen kann und läuferische Defizite durch ein überragendes Auge ausgleicht. Oder Steff Reisch, dessen Schlitzohrigkeit auf dem Platz ebenso wenig verloren gegangen ist wie danach der Hang zur peniblen Haarpflege. Der unverwüstliche Heinz Pöllot aus Feucht, der als Kind in einen Topf mit Zaubertrank gefallen sein muss und selbst mit Mitte 80 so manchem Jungspund davonflitzt. Hugo Faul, der Löcher so verlässlich stopft wie früher als Zahnarzt. Und natürlich Reporterlegende Günther Koch, der die "Stimme Frankens" auch gerne dazu nutzt, schlechte Pässe (und das sind gemeinhin alle, die nicht exakt auf seinem Fuß landen) lautstark zu tadeln, und der jedes Endergebnis samt Torschützen akribisch in einem Büchlein notiert.

Die Boomtown Rats hatten Recht 

Sie alle fehlen mir, und das nicht nur wegen des Kickens. Es fehlt auch das Plaudern in der Kabine, das Fachsimpeln über den Fußball im Allgemeinen und den Club im Besonderen, das generationsübergreifende Flachsen. Als vor rund zwei Jahren die Patellasehne im linken Knie gerissen war, musste ich ebenfalls monatelang schweren Herzens auf die mir heilige Hallenroutine verzichten. "Tell me why I don’t like mondays" – plötzlich verstand ich, was die Boomtown Rats meinten. Aber die Zeit ging vorbei. So wie auch diese unfreiwillige Zäsur irgendwann ein Ende finden wird. Und die gerade unsere Senioren hoffentlich unbeschadet überstehen werden.

Um die Entzugserscheinungen zu mildern, werde ich mir bis dahin gelegentlich einen Ball schnappen und mit meinen Töchtern daheim im Garten kicken. Bis vor kurzem hielt sich ihre Begeisterung für Papas Passion noch in Grenzen, angesagt waren Ballett, Turnen, Trampolinspringen. Fußball? Laaangweilig. Seit die Zwölfjährige aber den gemischtgeschlechtlichen Pausenkick auf dem Schulhof für sich entdeckt hat, besteht plötzlich gesteigertes Interesse am professionellen Passen, Stoppen, Schießen.

Männer, ihr werdet staunen 

Die Achtjährige will da dann natürlich nicht nachstehen. Und vielleicht hilft das virusbedingte Alternativprogramm ja sogar dem 50-Jährigen, seine zugegebenermaßen sehr bescheidenen fußballerischen Skills noch ein bisschen zu verbessern. Männer, ihr werdet staunen, wenn wir uns wiedersehen - demnächst an einem Montag...

Uli Digmayer

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