Aus Döckingen

Dittenheims Neuzugang Leonhard Deuter: Sie mögen ihn

Dominik Mayer
Dominik Mayer

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Freundlich ist er, der Leonhard. Während er seinen Kaffee trinkt, erzählt er von seinem Sprung aus der Kreisklasse in die Bezirksliga zum FV Dittenheim.

Freundlich ist er, der Leonhard. Während er seinen Kaffee trinkt, erzählt er von seinem Sprung aus der Kreisklasse in die Bezirksliga zum FV Dittenheim. © Foto: Dominik Mayer

Leonhard Deuter musste schon ein bisschen überlegen, ob er das machen soll. Sich mit der Zeitung treffen, um von sich und seinem Leben als Fußballer zu erzählen. Bisher wollte niemand so genau wissen, wie das so ist, in der Kreisklasse bei der SG Heidenheim/Hechlingen/Döckingen, wo er in den vergangenen Jahren gespielt hat. Seit dem Frühsommer steht er aber beim Bezirksligisten FV Dittenheim nicht nur im Kader, sondern auch regelmäßig auf dem Platz. Der Wechsel war ein großer Schritt für den drahtigen 23-Jährigen, der das Gespräch mit unserem Medienhaus schließlich doch zugesagt hat.

Jetzt sitzt er – weiße Adidas-Schuhe, olivgrüne Hose, schwarzer Kapuzenpulli – in einem großen Rother Café und soll Fragen zu seinem Hobby beantworten. Eine ungewohnte Situation, die ihn erst einmal ein bisschen unsicher werden lässt. Als der Kellner den Kaffee serviert hat, fängt er trotzdem an zu erzählen. Wie er damals, mit fünf, angefangen hat, Fußball zu spielen. Im Trikot der Jugendspielgemeinschaft Döckingen, motiviert und geprägt auch von Vater Gerd, der einst für den TSV 1860 Weißenburg aktiv war.

In der C-Jugend geht es dann zum TSV 1861 Nördlingen. "Da konnte ich mich aber nicht durchsetzen, ich habe immer zweite Mannschaft gespielt", blickt Deuter zurück. Weitergebracht habe ihn die Zeit in Bayerisch-Schwaben trotzdem. Weil sie dort viel Wert gelegt haben auf die klassischen Tugenden: Disziplin, Höflichkeit, Pünktlichkeit. "Persönlich und fußballerisch habe ich mich in Nördlingen weiterentwickelt."

Verpflichtung nach dem Lockdown

In der B-Jugend kehrt er zurück nach Döckingen, dort bleibt er bis ins Frühjahr dieses Jahres als Teil der ersten Mannschaft der SG Heidenheim/Hechlingen/Döckingen. Bruder Hannes, der zwei Jahre jünger ist, spielt da auch, mit ihm teilt er sich ein Stockwerk im Elternhaus. Männer-WG, sozusagen.

Nach dem Abitur am Gymnasium Oettingen macht er eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration. Danach geht es zum Elektrotechnik-Studium an die TH in Nürnberg. Aber da fehlt die Praxis und ein bisschen auch die gewohnte Umgebung auf dem Dorf. Seit Oktober 2020 ist er im dualen Studiengang Informatik an der DHBW Heidenheim an der Brenz eingeschrieben. Da finden die meisten Vorlesungen online statt. Und auch der große Heidenheimer Maschinenhersteller, für den er in den Praxisphasen arbeitet, ermöglicht ihm viel Homeoffice. Wenig Fahrerei, mehr Zeit für Fußball. Gibt es eigentlich eine Parallele zwischen Fußball und Informatik? Deuter muss kurz überlegen, fährt sich mit der Hand durch den gepflegten Drei-Tage-Bart. "Man muss sehr akribisch arbeiten und ich will auch sauber Fußball spielen."

Dass er das inzwischen beim FV Dittenheim tut, hat sich vor knapp einem Jahr erstmals angedeutet. "Die Dittenheimer haben mich da gefragt, ob ich mal mittrainieren will. Das habe ich dann gemacht", berichtet er. Dann folgt die Winter- und Corona-Pause. Bis ihm FV-Trainer Martin Huber im April schreibt. Huber hat da gerade erfahren, dass Thomas Selz in die Regionalliga zum VfB Eichstätt wechseln wird, er braucht also neue Offensivqualität für sein Team. Aber Deuter zögert. Weg vom Heimatverein, weg von seinem Bruder – und das nach einer langen Fußball-Pause, die eine realistische Einschätzung des eigenen Leistungsstands unmöglich macht? Eine schwierige Entscheidung. "Ich habe lange überlegt. Ich glaube, ich habe die einen Monat hingehalten." Schließlich sagt er zu. Er will besser werden, seine Grenzen austesten. Bei seinem alten Verein ist längst nicht jeder darüber begeistert, dass schon wieder ein Spieler die SG Richtung Dittenheim verlässt.

Die Einstellung stimmt

Dort aber freut man sich naturgemäß. "Leo ist uns immer wieder aufgefallen. Ihm ist Fußball wichtig und er will etwas erreichen", charakterisiert Huber seinen Neuzugang. "Er ist unglaublich präsent, dynamisch, bringt viel Energie mit. Er gehört zum absoluten Stamm, das ist nicht selbstverständlich, wenn man direkt aus der Kreisklasse kommt." Deuter spielt immer, mal in der Startformation, mal als Einwechselspieler. Im offensiven Mittelfeld oder auf der Außenbahn läuft er, treibt an, setzt seine Mitspieler klug ein.

Ja, das mit der Übersicht und dem Passspiel könne er ganz gut, sagt Deuter, dem es aber leichter fällt, über seine Schwächen zu sprechen: "Im Defensiv- und Zweikampfverhalten muss ich noch besser werden." Einen kritischen Blick auf sich selbst – auch das zeichnet ihn aus. "Er hat die richtige Einstellung zum Fußball, ich halte viel von ihm", sagt ein Beobachter, der jedes Saisonspiel des FV gesehen hat.

Inzwischen hat Deuter sich Nudeln mit Tomatensoße bestellt, und fühlt sich im Gespräch mit dem Redakteur deutlich wohler als noch vor einer Stunde. Das Training sei in Dittenheim deutlich fordernder, erzählt er. Die Mitspieler sind besser, die Übungen anspruchsvoller, der Trainer auch. "In der Bezirksliga hat man viel weniger Zeit. Wenn einem der Ball verspringt, ist sofort ein Gegner da", berichtet er. Trotzdem ist er schon voll angekommen in der Liga. Und in seiner neuen Mannschaft, die ihm die Integration leicht gemacht hat. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft", sagt er abschließend. Und lächelt.

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