Dienstag, 25.02.2020

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Doppel-Aus beim FCN: So geht's Bornemann und Köllner

Pauli-Chef und Löwen-Dompteur: Das machen die Club-Geschassten heute! - 12.02.2020 12:39 Uhr

Vereint in ihrem Ende: Für Michael Köllner und Andreas Bornemann war beim Club vor einem Jahr gemeinsam Schluss. © Sportfoto Zink


Vor einem Jahr schepperte es beim Club! FCN-Vorstand Andreas Bornemann, dem man aufgrund seiner Verdienste um Nürnbergs Vorzeigeverein im Tandem mit Michael Meeske gerne beim Club gehalten hätte, musste nach einer auf zwei Tage verteilten Aufsichtsratssitzung, bei der neben Pizza eine Vielzahl von Sorgen gereicht wurde, als Erster seinen Schreibtisch räumen. Bereits im Vorfeld war klar geworden, dass durch Bornemanns fast schon störrisches Festhalten an Michael Köllner eine Beurlaubung Bornemanns die einzige Möglichkeit für das Kontrollgremium war, den erfolglosen Trainer - wie von den Club-Bossen beabsichtigt - loszuwerden. Da sich Bornemann standhaft weigerte, Köllner zu entlassen, diese Meinung auch in einem Telefonat kurz vor Mitternacht nicht revidierte, musste der einst in Freiburg tätige Ex-Profi weg. Was kurz nach Mitternacht vom Aufsichtsrat so auch beschlossen wurde.

 

+++ Köllner, Bornemann und der FCN: Ein branchenübliches Ende +++

Der Kiez-Klub beim FCN: Für Bornemann war's "was Besonderes" 

Seit Sommer 2019 hat Bornemann einen neuen Job. "Wir freuen uns sehr, dass Andreas trotz weiterer Anfragen aus der 1. und 2. Liga den Weg ans Millerntor-Stadion gefunden hat", begrüßte der FC St. Pauli seinen wenig später installierten Sportchef. Der meinungsfeste Silberkopf, der beim Kiez-Klub formal als Geschäftsführer Sport agiert, hat bei den Braun-Weißen einen Dreijahresvertrag unterschrieben.

Nach der Kritik an seinen späten Transfers, der Wutrede von Jos Luhukay und einigen mehr oder weniger erfolgreich bestrittenen Zweitliga-Runden folgte im Oktober die Rückkehr nach Nürnberg. "Es ist was Besonderes", erklärte Bornemann im Vorfeld des Remis auf rot-schwarzem Rasen dem kicker. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir anfangs nicht schwergefallen sei, das Ende zu verarbeiten. Wir haben dort viel bewegt in einer Phase, in der der Club akuter von der Insolvenz bedroht war, als es viele wahrhaben wollen", ergänzte der 48-Jährige. Und betonte im Fachblatt, dass er, müsste er sich noch einmal Pro oder Kontra Köllner entscheiden, genauso handeln würde wie im Februar 2019 ("Ich möchte immer aus Überzeugung handeln und nicht aufgrund von Motiven.").

 

 

Die aktuelle Situation in Hamburgs Amüsierviertel stellt sich derweil auch für Bornemann ziemlich unlustig dar: Nach dem 1:2 im Nordduell an der Kieler Förde, dem vierten sieglosen Spiel in Folge, belegt St. Pauli im Zweitliga-Klassement Platz 15 und liegt damit nur einen Rang und Punkt vor dem Relegationsplatz.

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Club-Achterbahn unter Köllner: Zwischenlösung, Aufstieg, Rote Laterne

Erst war er die Zwischenlösung im Abstiegskampf, wurde dann zum Aufstiegstrainer des 1. FC Nürnberg - doch der Klassenkampf in der Bundesliga war zu viel für Michael Köllner. Der arbeitswütige Oberpfälzer stabilisierte den Club und brachte ihn ins Fußball-Oberhaus, ließ dann aber das Konzept vermissen. Nach 15 sieglosen Bundesliga-Spielen und dem Pokal-Aus muss "Füchsmühls Finest" nun gehen. Eine Achterbahnfahrt in Bildern!


Die beabsichtigte Trennung von Michael Köllner war vor einem Jahr gleichermaßen Ausgangpunkt und zwangsläufige Folge des Bornemann-Aus. Dass man abseits von Bornemann beim 1. FC Nürnberg nicht mehr auf den Oberpfälzer setzte, kam damals wohl selbst für den Fuchsmühler wenig überraschend. 

Glück-, plan- und hilflos: Das Köllner-Ende beim FCN

Die Negativserie hatte im Februar 2019 auch bei Köllner Spuren hinterlassen. Nach einer völlig verkorksten Vorbereitung in Spanien, dem erschütternden Pokal-Auftritt in Hamburg und insgesamt 15 Ligaspielen ohne Sieg und Hoffnungszeichen war selbst von Michael Köllners beinahe unerschütterlichem Optimismus vor seiner Entlassung kaum noch etwas spürbar. Zusehends kleinlauter hatte sich der eigentlich so redselige Trainer, unter dessen Anleitung Nürnbergs Lieblingsclub von März 2017 in Liga zwei stabilisierte, den Aufstieg ins Oberhaus schaffte und nach passablem Start dort schließlich bis auf Platz 18 des Bundesliga-Tableaus durchgereicht wurde, im Vorfeld geäußert. Dass der immer glück-, plan- und hilfloser wirkende Oberpfälzer, dessen eigenwillig positiven Analysen trotz ausbleibender Ergebnisse zuvor noch viele im rot-schwarzen Umfeld gereizt hatten, zusehends resignierter schien und die Spieler nicht mehr erreichte, war eigentlich unübersehbar geworden.

Als der Köllner-Club in Hannover an der letzten Ausfahrt im Abstiegskampf vorbeifuhr, beim zum Endspiel im Klassenkampf stilisierten Kellerduell mit den inzwischen ebenfalls zweitklassigen 96ern in Unterzahl trotz couragierter Leistung den Kürzeren zog, war das Schicksal des bereits im Vorfeld öffentlich angezählten Trainers besiegelt. Trotz der wiederholten Rückendeckung von Sportvorstand Andreas Bornemann und ungeachtet des erneuten Schwächelns der Konkurrenz im Schneckenrennen um den Liga-Verbleib blieb dem Aufsichtsrat nur, die Reißleine zu ziehen.

Köllner: "Diese Dinge und der Aufstieg sind mit mir verbunden" 

Nach seinem Club-Aus brauchte der Workaholic eine Auszeit. Gerüchte über ein Engagement in Wales überbrückten die Zeit ebenso wie eine Orientierungs- und Sammlungsphase, welche auch die Aufarbeitung der gemeinsamen Zeit am Valznerweiher beinhaltete. "Es waren drei harte und intensive Jahre. In dieser Zeit ist auch die sportliche Konsolidierung über die zweite Liga erfolgt. Danach haben wir uns wirtschaftlich konsolidiert. Und das ist hauptsächlich auch über Fußball passiert, nicht über Marketing oder vermehrte Werbe- oder Sponsoreneinnahmen. Diese Dinge und der Aufstieg sind mit mir verbunden und das bleibt so. Deswegen blicke ich auf eine Super-Zeit beim Club zurück", resümierte Köllner diese in der Zeitung Der neue Tag im Frühjahr 2019 ohne Groll.

Seit November 2019 steht der Oberpfälzer wieder auf der Kommandobrücke. Beim TSV 1860 München lässt sich die Geschichte mit Michael Köllner als Löwen-Dompteur dabei richtig gut an. Mit seiner integrativen, schwärmerischen Kraft hat es Nürnbergs Aufstiegstrainer nicht nur geschafft, den chronisch unruhigen Verein - und damit auch den davor dauerschwelenden Zwist zwischen Vereins- und Investorenseite - zu befrieden. Mehr noch: Köllner hat es hinbekommen, bei den Blauen aus der Landeshauptstadt neue Euphorie zu wecken. Hilfreich war dabei, dass der Self-Made-Profitrainer aus Fuchsmühl mit den Sechzgern einen guten Start in Liga drei erwischte.

Gut drauf in Giesing: Die jüngste Bilanz des neuen Oberlöwen

Zehn Spiele nunmehr ist der neue Köllner-Klub inzwischen schon wieder ungeschlagen. Dass fünf Siegen dabei fünf Unentschieden gegenüberstehen, hat mit dem Münchner Manko zu tun, eine Führung nicht über die Zeit zu bringen. Köllner hat es wie schon in Nürnberg bewerkstelligt, junge Spieler wie Noel Niemann erfolgreich in die Mannschaft einzubauen. Und die Mannschaft vertraut Köllner, was zuletzt auch in der Vertragsverlängerung von Stefan Lex Ausdruck fand. Mit 34 Punkten ist für siebtplatzierte Sechzger der Relegationsrang noch in Reichweite - und die Stimmung in Giesing  im Gegensatz zum 12. Februar in Nürnberg richtig gut. 

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