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Düring: Athletiktrainer und Dialektübersetzer

Der Chiemgauer hat das Kleeblatt zum laufstärksten Team der 2. Liga gemacht - 21.01.2014 05:59 Uhr

Manfred Düring (links) im Sprintduell mit Goran Sukalo, dem er auch noch Oberbayerisch beibringt. © Sportfoto Zink


Goran Sukalo hat absolut verstanden, was man hier von ihm verlangt. Wo beim Sprint Körperschwerpunkt und Arme sein und wie sich die Füße in den Rasen graben sollen. Doch vor dem letzten Spurt an diesem Vormittag verwirrt ihn Manfred Düring mit der Anfeuerung in reinstem Oberbayerisch: „Etz hauma noamol olles nei!“ Der Slowene blickt ihn fragend an: „Was heißt ,nei’?“ Der Chiemgauer Düring übersetzt: „Wir geben noch einmal alles!“ Und in Richtung Ognjen Mudrinski: „Come on, fly again!“ Wer ob der vielen Fußball-Legionäre im deutschen Profifußball also Angst bekommen hat, dass der Dialekt ausstirbt, darf – zumindest in Fürth – beruhigt sein. „Das ist doch schön, dass man bei uns in der Kabine noch Bayerisch hört“, schwärmt Düring. Noch mehr imponiert ihm aber das Interesse dieser Mannschaft an seiner Arbeit.

Auch in der Vormittagseinheit sprechen Mergim Mavraj, Kevin Kraus, Sebastian Tyrala, Mudrinski und Sukalo immer wieder mit Düring. Wie soll ich jenes machen, vorhin war das anders – „jeder kommt daher und will was wissen“, beschreibt der Coach. Das mache seine Arbeit aufwendig, aber es zeige ihm, wie sehr sich hier jeder verbessern wolle.

Vier Jahre hat der heute 42-Jährige beim Hamburger SV als Athletiktrainer gearbeitet, danach zwei Jahre in Saudi-Arabien. Zurück in Deutschland gründete er zunächst eine Firma für Sportconsulting und folgte dann dem Ruf des Kleeblatts, wo er Axel Dörrfuß beerbte.

Bruno Labbadia, der Ex-Trainer der Spielvereinigung und des HSV, stellte auf Bitte des Vereins den Kontakt her, „was ich sehr cool von Bruno fand“. Einmal pro Woche fährt er nun zu seiner Familie an den Chiemsee. Dort, wo er mit 16 oberbayerischer Berglaufmeister geworden war, lernte er auch die Liebe zum Sport – vom Laufen und Segeln übers Skifahren bis zum Fußball, den er selbst nie professionell gespielt hat.

Neue Spielergeneration

Düring ist der Meinung: „Je breiter ein Jugendlicher im Sport gefördert wird, desto einfacher hat er es später.“ Das sieht er tagtäglich bei seiner Arbeit mit den Fußballprofis. Die Jungs müssen nicht mehr nur mit dem Ball geradeaus laufen können. Da das Spiel schneller geworden ist, sind immer mehr Koordination und Stabilität gefragt. Die neue Spielergeneration hat in den Nachwuchsleistungszentren dieser Republik bereits gewisse Basisübungen gelernt, auf die Düring nun aufbauen kann wie etwa den Unterarmstütz: „In meiner Anfangszeit konnten den die Spieler nicht“.

Der Vorteil der Älteren im Kader ist jedoch die sogenannte Trainingserfahrung. Ihr Körper erholt sich einfacher und verträgt mehr Leistungsdichte, weil er die Belastungen über die Jahre gewohnt ist. Über eine Saison gesehen ist er dem Jungspund voraus, da dessen Leistungshöhepunkte von kürzerer Dauer sind. „Das ist auch etwas, was die Öffentlichkeit verstehen muss: Kein Fußballer kann neun Monate auf höchstem Niveau funktionieren.“ Eine Saison verläuft in Wellen, per Training versucht man, die Leistungshöhepunkte zu verlängern, bevor das logische Tief folgt.

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Deshalb und weil jeder Spieler eine andere Konstitution hat, ist die Mannschaft in diesen fünf Wochen in vier Trainingsgruppen unterteilt, nur einmal am Nachmittag stehen alle gemeinsam auf dem Platz. „In Siebener-Gruppen kann ich viel besser individuell auf jeden eingehen.“

Dabei sind die Spieler nach Ähnlichkeiten zusammengestellt: Die einen sind eher Sprinter, die anderen eher ausdauernd. Das schwächere wird jeweils stärker gefördert. Ob sich jemand steigert oder nachlässt, sieht der Trainerstab anhand von aufgezeichneten Daten – dem Computer entgeht nichts, der Spieler ist gläsern. Und noch etwas ist auf dem neuesten Stand: die Philosophie. Medizinbälle und Sprinthügel á la Felix Magath sind von gestern. Düring hält an der Maxime fest: „Je monotoner das Training, desto weniger entwickelt sich ein Spieler.“

Einen Sprinthügel wird es an der Kronacher Hard zwar auch bald geben, sobald das Gras angewachsen ist, doch auch ohne war die Fürther Mannschaft mit über 120 Kilometern pro Spiel die laufstärkste dieser Zweitliga-Hinrunde. Auf die Frage, ob ihn das stolz macht, antwortet Düring selbstlos: „Die Jungs machen uns stolz.“ 

VON MARTIN SCHANO

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