Ein Name steht seit 40 Jahren für Leichtathletik in Freystadt

29.4.2021, 11:41 Uhr
Stolz posiert Gerhard Fritsch, der seit über 40 Jahren die Geschicke der Leichtathletik-Abteilung beim TSV Freystadt leitet, auf der neu renovierten Wurf-Anlage.

Stolz posiert Gerhard Fritsch, der seit über 40 Jahren die Geschicke der Leichtathletik-Abteilung beim TSV Freystadt leitet, auf der neu renovierten Wurf-Anlage. © Foto: Günter Distler

Die Geburt seines Sohnes Benjamin war gerade einmal drei Wochen her, da wollte Gerhard Fritsch trotzdem nicht auf sein Trainingslager verzichten. Weil es für ihn genauso wenig in Frage kam, Ehefrau Anna alleine zu Hause zurücklassen, reiste der frischgebackene Vater mit familiärer Verstärkung nach Südtirol. "Meine Frau hat mir das irgendwann verziehen", erzählt der 63-Jährige schmunzelnd über die Episode von 1988, die die enge Verbindung von Familien- und Vereinsleben besser nicht ausdrücken könnte.


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Schließlich übertrug sich die Leichtathletik-Begeisterung auf den jungen Benjamin, der heute noch aktiv ist. Auch die beiden nachfolgenden Sprösslinge gingen ins Vereinstraining. "Die standen immer hinter mir", erklärt Fritsch, der selbst in Freystadt aufgewachsen ist. Zum TSV kam er 1969 über den Fußball.

Die Karriere als Verteidiger beendete er jedoch sofort, als der Verein zehn Jahre später auf das neue Schulsportgelände mit Leichtathletik-Bahn umzog. Denn sein Herz schlug schon lange für die Laufdisziplinen. Das sah man auch beim Fußball. Meistens, erzählt Fritsch, war er derjenige, der die 90 Minuten lang durchspielte. "Ich war schon immer der Ausdauertyp." Er entdeckte den Kick namens "Runner‘s High", der als emotionales Hochgefühl beim Erreichen der Ziellinie nach längeren Strecken beschrieben wird. Seit 1993 absolvierte Fritsch 25 Marathons.

Dazu faszinierte ihn an der Leichtathletik die große Auswahl an Wurf- oder Sprungdisziplinen, bei denen andere "individuelle Fähigkeiten" zum Tragen kommen und sich die Akteure frei von taktischen Mannschaftszwängen entfalten können. "Diese Vielfalt" zieht Gerhard Fritsch auch nach 40 Jahren in seinen Bann. Den Seitenwechsel habe er "keinen einzigen Tag bereut".

Stattdessen avancierte der Lokalmatador zum unermüdlichen Missionar und Strategen, übernahm in der 1979 frisch gegründeten Abteilung auf Anhieb eine Führungsrolle. Dass er mit Ausnahme von vier Jahren als Stellvertreter eine ganze Ära prägen würde, konnte Fritsch nicht ahnen. "Es ist nicht immer einfach, alle Freizeitpläne mit der Familie und der Arbeit unter einen Hut zu bekommen", gesteht Fritsch, der fünf bis zehn Stunden pro Woche für den Verein aufwendet. Von Verwaltungs-Angelegenheiten über die Wettkampf-Lizenzen bis zur Nachwuchsförderung laufen bei ihm alle Fäden zusammen.

1000 Kilometer im Jahr

Woher nimmt man eine solche Motivation? Er möchte anderen in der Abteilung ein Vorbild sein, sagt Fritsch. Er will sie dafür motivieren, körperlich fit zu sein, so wie er es ist. Fritsch animiert seine ganze Abteilung dazu, mehr Sport zu treiben. Mit Erfolg. 150 Mitglieder hat die Abteilung heute. "Von klein bis groß", sagt Fritsch. Für den Nachwuchs müsse man ein bisschen Eltern-Ersatz sein, eine Vertrauensbasis aufbauen.

Noch immer läuft er gut 1000 Kilometer pro Jahr. Wenn gerade keine Pandemie ist, ist er mindestens zweimal pro Woche auf dem Trainingsgelände anzutreffen, trainiert auch eine Freizeitathletikgruppe. Und seine Leistung wird honoriert, nicht nur im Verein. 2019 erhielt er den Ehrenamtspreis des Bezirks Oberpfalz. Das sei eine Ehre gewesen, sagt Fritsch heute, eine Bestätigung für das Geleistete. Diese Zeitung bezeichnete ihn damals in einem Artikel als "Motor" der Abteilung.

Irgendwann, sagt Fritsch, wird er sein Amt in jüngere Hände geben. Dann, wenn er nicht mehr das richtige Vorbild für die Jüngeren sein kann. Aber ganz aufhören? Kommt für ihn nicht in Frage. "Ich werde immer irgendwie dabei sein", sagt er. Zu sehr liebt er die Leichtathletik, ist als gebürtiger Freystädter zu sehr mit seinem TSV verbunden, um ihm eines Tages ganz den Rücken zu kehren. Und er würde es sicher auch vermissen, andere Leute zu motivieren, körperlich fit zu bleiben und Sport tu treiben. Und natürlich würde ihm dieser ganz besondere Kick fehlen, wenn man nach einem anstrengenden Lauf die Ziellinie erreicht.

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