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"Eine Reizüberflutung": Azzouzi verteidigt Fürth-Fans

Der Kleeblatt-Geschäftsführer zeigt Verständnis - 12.11.2018 13:17 Uhr

Was ist denn da drüben los? Rachid Azzouzi blickt in Berlin besorgt in den Gästeblock. © Sportfoto Zink / WoZi


Keine drei Minuten waren gespielt, Maximilian Wittek lag nach einem Luftkampf mit Suleiman Abdullahi schwer verletzt auf dem Boden und wurde behandelt, da begannen im Fürther Block die Tumulte. Rund 300 Anhänger hatten den Verein in die Alte Försterei begleitet.

Zunächst schien alles wie immer. Die Zaunfahnen hingen, die Fans hatten ein erstes Spruchband hochgehalten. Dann eskalierte die Situation. Erst stürmten die Ordner in den Block, danach die Polizei. Es gab Rangeleien, die Fäuste flogen, die Polizei packte Pfefferspray aus und prügelte auf die Fans ein. Die wehrten sich.

Ordner filmt die Fans

Es dauerte zehn Minuten, bis sich die Situation wieder einigermaßen beruhigt hatte. "Es gab schon am Einlass Probleme. Einige von uns wurden ewig nicht reingelassen, mussten eine halbe Stunde warten. Hier gab es schon öfters Probleme", erzählte ein Fürther Fan, der jedes Spiel seiner Mannschaft begleitet.

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Die Freude auf das Auswärtsspiel an der Alten Försterei war groß bei der SpVgg Greuther Fürth. Doch nach 90 kurzweiligen Minuten, einer schweren Verletzung, kapitalen Abwehrfehlern und einer Fehlentscheidung des Schiedsrichters herrscht beim Kleeblatt vor allem: Ernüchterung. Hier kommt die Partie in Bildern!


Als ein Ordner im Block Aufnahmen mit seinem privaten Handy von den Fürther Anhängern machen wollte, kippte die Stimmung endgültig. "Nach den Aussagen, die wir bekommen haben, wurde der Ordner aufgefordert, das zu unterlassen. Das wollte er aber nicht tun", berichtete SpVgg-Pressesprecher Immanuel Kästlen.

Zu genaue Einlasskontrollen

Der Fernsehsender Sky lieferte ebenfalls nichts Erhellendes. Nur ein kurzer Kamera-Schwenk auf den vorderen Bereich des Gästeblocks eine Viertelstunde nach Anpfiff zeigte behelmte Polizisten, die mit Fans diskutierten. Da war wohl das Schlimmste schon vorbei. Mitarbeiter des Fanprojekts Fürth waren damit beschäftigt, "die Leute zu beruhigen und die Sache aufzuklären". Nach Schlusspfiff waren sie für die FN-Redaktion telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Nach dem Ende der Ausschreitung verließen zunächst einige Fürther Fans den Block, die meisten Banner wurden eingerollt, die Unterstützung für die Mannschaft für den Rest des Spiels eingestellt. Solidarisch zeigten sich die Union-Fans. Sie verzichteten ebenfalls bis zur Pause auf Anfeuerung, stimmten Schmähgesänge gegen die Polizisten an. "Am Ende war es bei unseren Anhängern eine Reizüberflutung. Die Einlasskontrollen waren zu genau, auch wenn wir alle die Geschichten mit der Pyrotechnik kennen. Union steht für Fanerlebnis. Die kennen ihre Ordner auch nicht alle, aber es ist ein sensibler Bereich, da sollte man als Ordner wissen, wie man sich verhält", sagte Rachid Azzouzi, Sportgeschäftsführer des Kleeblatts.

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Wittek-Verletzung, Doppelschlag, 0:3 nach 30 Minuten, dazu Auseinandersetzungen im Kleeblatt-Block, ein Schiri-Aussetzer sowie ein Slapstick-Gegentor in Hälfte zwei! Der Sonntagsausflug der Spielvereinigung nach Berlin war in jeglicher Hinsicht ein Fiasko. Bemühte Fürther kassierten einen Nackenschlag nach dem anderen. Dass es keine gute Leistung war, die zur Niederlage beitrug, wird jedoch anhand der Noten deutlich.


Auf Seiten der Gastgeber versprach Union-Pressesprecher Christian Arbeit, die Vorfälle aufzuarbeiten. "Wir brechen uns da keinen Zacken aus der Krone, wenn wir das untersuchen. Die Vorfälle waren von unserer Seite bei der Planung des Spiels in keinster Weise beabsichtigt."

Azzouzi verteidigte den Fürther Anhang: "Unsere Fans sind nicht immer sehr zahlreich bei den Auswärtsspielen vertreten. Unsere Fans stehen auch nicht für Randale. Ich bin mir sicher, dass das bei anderen Vereinen auf diese Art und Weise hier nicht passiert wäre."

Festnahmen und Verletzte soll es keine gegeben haben. "In den nächsten Tagen werden wir die Vorfälle mit den Beteiligten noch einmal genau aufarbeiten", sagte Kästlen. 

Martin Ferschmann

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