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Er kann Abstiegskampf! Club-Keeper Mathenia kennt sich aus

Nürnbergs Torwart bringt beim FCN jede Menge besondere Erfahrung ein - 07.01.2019 05:53 Uhr

Der Kampf gegen die Elemente? Nein, es geht um den Abstiegskampf - und der scheint Eduard Löwen und Christian Mathenia zumindest in diesem Moment sogar wirklich Spaß zu machen. © Sportfoto Zink / DaMa


Der Torwart lebt vor, wofür er steht. Christian Mathenia hat im Trainingslager stets ein Lächeln auf den Lippen, obwohl ihm körperlich eigentlich nicht danach ist. Seine Knieverletzung schränkt ihn nach wie vor ein bei der täglichen Arbeit; am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag absolvierte er deshalb ein individuelles Programm, wie schon in den Weihnachtsferien, die er zu einem großen Teil zur Reha in Mainz nutzte.

Das Vertrauen in sein zuletzt malades Bein gewinnt er gerade Stück für Stück zurück, das Vertrauen in seinen Club hat er hingegen nie verloren. Dass einer wie er nun vorangehen muss, ist für ihn selbstverständlich. Mehr Bundesliga-Einsätze als Christian Mathenia (76) hat im Aufgebot des 1. FC Nürnberg einzig Robert Bauer (78) – der aber lediglich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man den Klassenerhalt schafft.

"Ein Stück weit gehemmt"

Mit dem FC Ingolstadt ist er 2015/16 drin geblieben, Mathenia in derselben Saison nicht weniger überraschend mit Darmstadt 98 und ein Jahr später mit dem HSV, 2018 erlebte er in Hamburg genau das andere Extrem; seine Nürnberger sollen daraus lernen. "Wir haben nur wenige Spieler, die so eine Situation schon durchgemacht haben", sagt Mathenia, "vielleicht waren wir deshalb in den vergangenen Wochen auch ein Stück weit gehemmt. Davon wollen wir mit einer positiven Stimmung im Trainingslager lösen."

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Für ihn persönlich dürfte das ein Kinderspiel werden im Vergleich zum Frühjahr, als ihn beim HSV der Frust der Fans und Medien traf. Mathenia, laut dem Fachblatt kicker damals sogar notenbester Hamburger, war nach zwei, drei unglücklichen Aktionen plötzlich der Buhmann, obwohl die Ursachen für den Absturz seiner Ansicht nach in der Kabine zu suchen waren.

"Das sind gute Jungs" 

Die Hamburger Mannschaft sei letztlich keine richtige mehr gewesen; näher möchte Mathenia darauf gar nicht mehr eingehen und sich lieber auf seinen neuen Verein und seine neue Aufgabe konzentrieren, die schwerer kaum sein könnte. Zwischenmenschlich sieht er beim Club eine intakte Gruppe, "das habe ich schon in meinen ersten Wochen hier gesagt, das sind gute Jungs".

Weil die guten Jungs aber in letzter Zeit auch im täglichen Umgang miteinander wohl ein bisschen zu brav waren, gab es im Trainingslager auch schon die eine oder andere Einheit hinter verschlossenen Türen. "Ich finde super hier, dass man noch enger zusammenrücken muss", sagt Mathenia, "intern wurden schon ein paar Sachen angesprochen, worauf wir achten wollen."

Und die es seiner Einschätzung nach auch zwingend braucht, um einigermaßen optimistisch in die Rückrunde starten zu können. "Das fängt ganz klassisch mit Verhaltensregeln an", versichert Mathenia, "dass wir intern noch direkter zu uns sein müssen, noch ehrlicher miteinander, dass auch jeder dem Gegenüber seine Meinung sagen kann." Mimosen sind künftig fehl am Platz.

In Hamburg kam Kritik vom Mitspieler offenbar nicht bei jedem gut an. Aufrichtig zu sein zu sich und Kollegen "ist meiner Meinung nach das wichtigste Gut in einer Sportmannschaft, dass man Klartext reden darf, egal ob als junger oder älterer Spieler." Also üben sie in Benahavis gerade auch, sich gemeinsam verantwortlich zu fühlen – und danach zu handeln. Auch abseits der Öffentlichkeit.

Turbulente Zeit und felsenfester Glaube 

Dahingehend hat Christian Mathenia "seine Erfahrung eingebracht", wie er sagt, die meistens turbulente Zeit beim HSV hat ihn auch als Mensch reifen lassen. Trotzdem gefällt ihm, dass sich beide Standorte ähnlich sind. "Von den Fans und von der Tradition her kann man Hamburg und Nürnberg absolut vergleichen", sagt Mathenia, auch die beinahe surrealen Gefühlsaussschläge im Umfeld bei anhaltendem Erfolg oder Misserfolg kommen ihm bekannt vor.

Durch wollen und müssen sie da jetzt zusammen; zuletzt elf Spiele ohne Sieg sind zwar ein ordentlicher Rucksack für die restlichen 17 Partien, lassen den Club aber keineswegs chancenlos zurück. "Es ist nicht so, dass wir zehn Punkte Rückstand hätten, der Klassenerhalt ist noch zu greifen", glaubt Mathenia. "Und es liegt nur an uns, auch zuzupacken. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir es schaffen werden."

Unter anderem dank der neuen Offenheit und Ehrlichkeit beim 1. FC Nürnberg. Wofür es ohnehin nie zu spät ist. 

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Wolfgang Laaß

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