Etwas Nürnberg in Bordeaux: Stieber sichert Ungarn den Sieg

14.6.2016, 19:48 Uhr
Der geht rein! Zoltan Stieber, bis Ende des Monats noch beim 1. FC Nürnberg engagiert, chippt Ungarn zum K&K-Coup..

Der geht rein! Zoltan Stieber, bis Ende des Monats noch beim 1. FC Nürnberg engagiert, chippt Ungarn zum K&K-Coup.. © dpa

Stieber, der über den Sommer hinaus nicht in Nürnberg Ballsport betreiben wird, für dessen EM-Einsätze der Club aber Geld von der Uefa bekommt, war ein Held der Ungarn, Gabor Kiraly ein anderer. Beim 2:0  im Derby gegen Österreich kassierte die kultige Torwart als nun ältester Spieler der EM-Geschichte keinen Gegentreffer. Der zuvor 18 Monate torlose Szalai, der zuletzt mit Hannover 96 abgestiegen war, erzielte vor 34.424 Zuschauern in der 62. Minute die Führung.  Der Noch-Nürnberger Stieber machte in der 87. Minute alles klar

Storcks Riesen steuern Richtung Achtelfinale

Für die Österreicher, bei denen Aleksandar Dragovic in der 65. Minute Gelb-Rot sah, wird es nun in der Gruppe mit Portugal und Island schwer mit dem angestrebten Achtelfinal-Einzug. Dagegen haben die Ungarn von Trainer Bernd Storck nach dem unerwarteten Erfolg gute Chancen auf das Weiterkommen.

K&K-Duell, auf geht's! Die Teams der einstigen Doppelmonarchie hatten diesen Tag lange herbeigesehnt. Vor allem die erstmals seit 44 Jahren wieder für eine Europameisterschaft qualifizierten Ungarn empfanden das Duell als "historisches Spiel", wie Coach Storck erklärte.

In die Geschichtsbücher zog auf jeden Fall Jogginghosenträger Kiraly ein, der mit 40 Jahren und 74 Tagen Lothar Matthäus als älteste Fußballer bei einer EM ablöste. Matthäus war 39 Jahre und 91 Tage alt, als er 2000 bei der 0:3-Niederlage gegen Portugal zum letzten Mal für Deutschland auflief und sein 150. Länderspiel absolvierte.

Den besseren Start in Bordeaux aber erwischten die Österreicher. Schon nach 32 Sekunden hätte Alaba Team Austria auf den Weg bringen können, doch sein Fernschuss klatschte an den Pfosten. Wer nun ein offensives Feuerwerk der Österreicher erwartete, sah sich bald getäuscht. Die Ungarn spielten erstaunlich forsch mit. Der in der Bundesliga bei Hannover kaum eingesetzte Szalai und Laszlo Kleinheisler von Fast-Absteiger Werder Bremen sorgten für einige Unruhe.

Kiraly wird zu Ungarns König - Szalai jubelt sensationell

So dauerte es bis zur 35. Minute, ehe Veteran Kiraly sich nach einem Volleyschuss von Zlatko Junuzovic zum ersten Mal auszeichnen musste. Mit einer Hand lenkte der Keeper den Ball um den Pfosten. Sechs Minuten später verpasste dann auch Martin Harnik nach einem schönen Angriff über Marko Arnautovic die Führung. Die Ungarn aber ließen sich nicht beeindrucken. Kapitän Balazs Dzsudzsak probierte es zweimal vielversprechend aus der Distanz, ehe Szalais große Stunde schlug. Kleinheisler steckte den Ball wunderbar durch, der zuletzt so lange erfolglose Torjäger schloss schnörkellos ab. An der Seitenlinie konnte Coach Storck sein Glück kaum fassen, sein Team bejubelte die Führung wie entfesselt.

Und es kam noch besser. Nur drei Minuten später waren die Ungarn sogar in Überzahl, weil der bereits verwarnte Dragovic bei einem Angriff übereifrig Tamas Kadar in die Beine sprang und dafür vom französischen Schiedsrichter Clement Turpin zurecht des Feldes verwiesen wurde. Die Österreicher fanden nun kein Mittel mehr gegen die immer selbstbewussteren Ungarn. Als dann Stieber kurz vor Schluss bei einem Gegenstoß allen Gegenspielern enteilte und mit einem feinen Heber traf, war die Überraschung besiegelt und auch ein bisschen Nürnberg in Bordeaux.

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