FCN: Angenehme Folgen eines 20-Jahres-Vertrages

25.7.2012, 00:00 Uhr
Traditionsverein, Marke, Werbepartner: „Der Club“ steht auf den Trikots des 1. FC Nürnberg, bis ein neuer Hauptsponsor gefunden ist. Das wirtschaftliche Risiko ist dank einer Klausel überschaubar.

Traditionsverein, Marke, Werbepartner: „Der Club“ steht auf den Trikots des 1. FC Nürnberg, bis ein neuer Hauptsponsor gefunden ist. Das wirtschaftliche Risiko ist dank einer Klausel überschaubar. © Sportfoto Zink

Die neuen Hemden sehen gar nicht schlecht aus. Einfarbig, entweder weinrot oder weiß, sehr chic. Auch beim offiziellen Fototermin am Montagnachmittag gab die Bundesliga-Mannschaft ein ordentliches Bild ab. Besonders gut gefällt vielen Fans der Aufdruck. Seit dem 1.Juli wirbt der 1. FC Nürnberg für sich. „Der Club“ steht auf der Brust von Spielern, Trainern und Betreuern.

Das Trikot hätte Kultpotenzial, gewiss. Nur rechnet sich die Notlösung nicht, im Etat für 2012/2013 klafft noch eine Lücke. Vermarkter Sportfive ist nach wie vor auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor, der willig und fähig ist, mindestens vier Millionen Euro pro Saison für exklusive Werberechte zu bezahlen. Wie man hört, haben es vier zum Teil regionale Firmen in die Endauswahl geschafft. Eine Entscheidung, wer auf Areva folgt, gibt es aber nach wie vor nicht.

Risiko "nicht einseitig verteilt"

Beim Club bleiben sie trotzdem gelassen. Was auch an einer Vertragsklausel liegen könnte. Demnach garantiert Sportfive dem 1. FC Nürnberg nach Informationen dieser Zeitung knapp drei Millionen Euro pro Geschäftsjahr, falls sich kein Hauptsponsor auftreiben ließe. Damit das Risiko in der Vermarktung „nicht einseitig verteilt ist“, wie Sportdirektor Martin Bader anmerkt.

Vielleicht entpuppt es sich ja sogar als kleiner Wettbewerbsvorteil, neben Werder Bremen einziger Bundesligist zu sein, der noch kurzfristig zu haben wäre für eine mehrjährige PR-Kampagne mit einem Traditionsverein. Um, wie es offiziell heißt, die Bekanntheit des Unternehmens in Deutschland und vielleicht auch darüber hinaus deutlich zu steigern.

Bis 2018 an Vermarkter gebunden

Die Bundesliga sieht man schließlich nicht nur zwischen Hamburg und München, sondern in über 200 Ländern. Also fast überall. Auch deshalb lassen sich Weltkonzerne ihr finanzielles Engagement im Profisport einiges kosten. Die Deutsche Telekom überweist dem FC Bayern München pro Spielzeit mindestens 25 Millionen, Volkswagen seiner 100-prozentigen Tochter VfL Wolfsburg rund 20 Millionen pro Spielzeit. Beim Club wäre man schon mit einem Bruchteil dessen hochzufrieden. Mehr ist nicht drin.

Weniger als die erhofften vier Millionen sollten es aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht werden. Nach wie vor gehen etwa 20 Prozent der jeweiligen Vertragssumme an Sportfive, die Agentur kassiert bei jedem Abschluss also kräftig mit. Bis 2018 ist der Verein noch gebunden an seinen Vermarkter und schon seit 1998, die Abmachung wurde damals in höchster Not getroffen. Es drohte mal wieder die Pleite, Sportfive verhinderte mit seinen Millionen Schlimmeres.

Die Marke Club

Dennoch würde man sich die üppigen Provisionen natürlich eines Tages gerne sparen; schon seit ein paar Monaten baut der Club eine eigene Marketing-Abteilung auf. Was nicht heißen soll, dass Bader und seine Präsidiumskollegen grundsätzlich unzufrieden sind mit Sportfive. Gerade jetzt, sagt Bader, „machen die einen Top-Job."

Geld regiert schließlich auch die Fußballwelt, das weiß der diplomierte Sportökonom Bader natürlich, dessen Arbeitsvertrag schon bald um drei Jahre verlängert werden soll. Bader ist schließlich noch lange nicht fertig mit seinem Projekt. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2004 bemüht er sich intensiv darum, den 1. FC Nürnberg zu einer Marke mit hohem Wiedererkennungswert zu formen. Traditionsbewusst, aber modern soll der Club sein, natürlich sympathisch, mit einer spannenden Philosophie. „Wir sind dabei, etwas anzuschieben."

"Blanke" Trikots nicht verkäuflich

Über allem steht jedoch, ganz klar, der sportliche Erfolg. Einnahme- und damit auch Gewinnmaximierung ist nur im Premiumsegment namens Bundesliga möglich, wo Hemden als Werbeflächen äußerst begehrt sind. In Bremen genießen viele Fans die Zeit oben ohne; einfach grün, das Werder-Trikot verkauft sich ohne Schriftzug ausgezeichnet, wie der Sportinformationsdienst berichtet.

In Nürnberg verzichtet man darauf, die Übergangsleibchen mit „Der Club“ vorn drauf anzubieten, Kult hin oder her. Es gibt davon bloß eine limitierter Auflage für den Lizenzspielerkader, wie die Pressestelle mitteilt, man könne sie nicht kaufen. So mancher Fan wird es möglicherweise bedauern.

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