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FCN: Irritationen nach einem misslungenen Auftritt

Josip Drmic dankt Gertjan Verbeek und bekommt dafür Ärger mit dessen Nachfolger - 28.04.2014 05:59 Uhr

Trost für den unglücklichen Torjäger: Antonio Colak kümmert sich nach der Niederlage in Mainz um Josip Drmic, der später noch zu Protokoll gab, wie sehr er Gertjan Verbeek vermisst. © Sportfoto Zink


Raphael Schäfer blickte nach rechts, dorthin, wo er Josip Drmic sehen konnte, vor allem dorthin, wo er Josip Drmic hören konnte. Schäfer und Drmic waren die beiden einzigen Nürnberger, die am Samstag Zeit fanden, um im Bauch des Mainzer Stadions noch ein paar Worte über ein Spiel zu verlieren, das ihnen wieder einmal gründlich misslungen war.

Sie standen nur einen Meter voneinander entfernt, aber wer vorher eine Ahnung davon hatte, dass Schäfer und Drmic zu unterschiedlichen Meinungen darüber tendieren, was den Fußball an sich und den 1. FC Nürnberg im Speziellen betrifft, durfte sich von dieser kurzen Szene nach dem 0:2 beim FSV darin bestätigt sehen.

Deshalb sagte Raphael Schäfer, als er Drmic ein paar Sekunden zugehört und dann mit Mühe die Fassung bewahrt hatte: „Da habt ihr eure Geschichte.“

Auf eine Antwort wartete er nicht mehr, weil er vielleicht wusste, dass das mit der bewahrten Fassung nicht ewig gutgehen würde, schon seine Gesichtsfarbe wusste ja nicht, ob sie sich für den Zustand kreidebleich oder doch für zornesrot entscheiden sollte. Schäfer ging in die Kabine, dorthin, wo die stillen Kollegen warteten. Drmic folgte ihm kurz darauf und auf freundlichen Druck der Pressesprecherin, wenngleich Drmic mit seinen Ausführungen sowieso schon am Ende angelangt war.

Die Geschichte, die die Journalisten nun hatten, war die des Abstiegskampfes. Es ist eine Geschichte, wie sie sich überall dort abspielt, wo der Abstiegskampf in seine entscheidende Phase geht und wo sich der Verdacht erhärtet, dass die Sache nicht gut ausgeht. Schäfer ist der Kapitän des 1. FC Nürnberg, seit 2001 spielt er mit einer kurzen Unterbrechung für den Club. Er hatte gerade einigermaßen ausdauernd versucht zu erklären, warum trotz der allgemeinen Hoffnungslosigkeit der Lage vielleicht doch nicht alles hoffnungslos ist. Im neuen System, das sehr viel defensiver angelegt war als das Verbeeks, hatten sich seine Vorderleute wieder etwas sicherer gefühlt, sagte Schäfer.

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Er sagte auch, dass die Mannschaft, dass jeder Einzelne wieder „mehr gearbeitet“ hatte auf dem Platz. Mehr, als noch in den Wochen zuvor. Dass es einer Mannschaft nicht das beste Zeugnis ausstellt, wenn sie einen Trainerwechsel braucht, um in einer bedrohlichen Situation wieder etwas mehr zu arbeiten, merkte Schäfer dann aber auch. Das neue System, sagte er also, hätte sie erst wieder in die Lage gebracht, einander auf dem Platz etwas besser zu helfen.

Er hatte also Dinge gesagt, die ein Kapitän eben sagt, wenn er Hoffnung machen will, wenn er zeigen will, dass alles noch gut werden kann. Josip Drmic hatte gesagt, was alles schlecht war in der Woche vor dem Spiel. Josip Drmic hatte über die Entlassung von Gertjan Verbeek gesprochen. Ein Trainer, so sagte das Drmic, „dem ich viel zu verdanken habe“. Drmic ist nicht einverstanden mit der Entlassung. Das sagte er allerdings nicht so deutlich, er sagte, dass man darüber geteilter Meinung sein darf, ob so ein Trainerwechsel noch sonderlich viel bringt drei Spieltage vor dem Ende.

Suche nach Geschlossenheit

Geteilter Meinung darf man darüber tatsächlich sein, aber wohl nicht als Angestellter des 1. FC Nürnberg in einer Zeit, in der sich der Verein verzweifelt um Geschlossenheit bemüht. Als kurz darauf ein Radio-Reporter des Bayerischen Rundfunks Drmic’ neuem Trainer Roger Prinzen die Worte des Angreifers zutrug, reagierte der sonst so entspannte Prinzen deshalb einigermaßen ungehalten. Drmic, so sagte das Prinzen, solle seine Worte besser mit Bedacht wählen, aufpassen, sagte Prinzen, solle Drmic, schließlich habe er diesem Verein und dessen Sportvorstand Martin Bader sehr viel zu verdanken.

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Auch im ersten Spiel nach der Demission von Gertjan Verbeek hat der 1. FC Nürnberg nicht in die Erfolgsspur zurückgefunden. Bei der 0:2-Pleite in Mainz strahlte der Club nach vorne kaum Gefahr aus, hinten boten Pinola & Co. ihren Widersachern immer wieder großzügig Räume an.


Das hat er tatsächlich, er hat dem Verein mit seinen 16 Toren allerdings bislang auch sehr viel gegeben. Dass es noch ein wenig mehr wird, diese Hoffnung formulierte ein wieder entspannterer Prinzen am Sonntagvormittag. „Vielleicht können wir Josip ja helfen, am Ende in der Torjägerliste ganz vorne zu stehen“, sagte Prinzen. Den schönen Nebeneffekt weiterer Drmic-Tore hatte er dabei natürlich im Sinn, der FCN könnte sich so doch noch auf den Relegationsplatz retten.

In Mainz hätten sie in dieser Hinsicht einen ersten Schritt machen können, auch wenn es laut Schäfer am Samstag „nicht darum ging, die ganze Saison wieder geradezurücken“. Am nächsten Samstag, wenn Hannover 96 ins Frankenstadion kommt, geht es dann aber genau darum. Darüber gibt es selbst beim 1. FC Nürnberg keine zwei Meinungen.

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Schon während der letzten Spiele des FCN waren die Fans kritisch, ob die Mannschaft den Klassenerhalt schaffen würde. Die 0:2-Niederlage gegen Mainz hat dem Nürnberger Anhang einen erneuten Dämpfer verpasst.


VON FADI KEBLAWI

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