FCN würde für neuen Sportvorstand tief in die Tasche greifen

28.3.2019, 06:00 Uhr
Aufsichtsratschef Thomas Grethlein sucht weiterhin nach einem neuen Sportvorstand.

© Sportfoto Zink / DaMa Aufsichtsratschef Thomas Grethlein sucht weiterhin nach einem neuen Sportvorstand.

"Der Vorstand besteht aus mindestens zwei und höchstens drei Personen", heißt es auf Seite 19, bestellt werden die Vorstände vom Aufsichtsrat.

Weil der Club und Martin Bader bereits Ende Juli 2015 entschieden hatten, sich zu trennen, der ehemalige Sportvorstand aber noch bis 30. September offiziell die Geschäfte führen durfte, blieb damals genug Zeit, um sich nach einem geeigneten Nachfolger umzuschauen. Etwa sieben Wochen später stellten sie Andreas Bornemann vor, der personelle Übergang verlief einigermaßen geräuschlos. Die Schlagzeilen gehörten damals vor allem der für ihren Unterhalt erstaunlich erfolglosen Zweitliga-Mannschaft.

Beim zweiten Mal ist vieles anders, obwohl gerade eigentlich wieder eine Zweitliga-Mannschaft versucht, erfolgreich zu sein, allerdings eine Klasse höher. Weil der Abstieg droht, muss natürlich zweigleisig geplant werden, "das Szenario Zweite Liga", bekräftige der Kaufmännische Vorstand Niels Rossow erst in der vergangenen Woche, liege ganz oben auf dem Stapel möglicherweise zeitnah zu erledigender Aufgaben.

Wirtschaftlich, daran bestehen kaum Zweifel, wäre der Tabellenletzte vorbereitet auf die Versetzung nach unten, sportlich hingegen sieht es Ende März doch etwas anders aus. Seit dem 11. Februar ist die Stelle des Sportvorstands nicht besetzt, ausgerechnet in einer der wichtigsten Saisonphasen überhaupt. Schließlich gilt es, in den ersten Monaten eines Jahres die nächste Spielzeit zu planen. Wer bleibt, wer geht, wer kommt? Antworten auf entsprechende Fragen kann bloß der neue Sportvorstand geben. "Das Thema", sagt Rossow, "brennt uns allen unter den Nägeln, wir wissen, dass wir intern gerade ein Vakuum haben." Zumal auch der Vertrag mit Interimstrainer Boris Schommers am 30. Juni endet.

Etwa 50 Namen, verriet der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Grethlein kürzlich, seien auf der Liste mit möglichen Sportvorstands-Kandidaten gestanden, mit jedem galt es, irgendwie in Kontakt zu treten und seine Talente zu recherchieren. Mittlerweile ist höchstens noch eine Handvoll Wunschlösungen übrig, wahrscheinlich sogar weniger. Eine Entscheidung, wer in Bornemanns Büro einziehen wird, scheint aber nach wie vor nicht gefallen.

Auch deswegen wirkte Niels Rossow gestern Mittag nicht mehr ganz so tiefenentspannt wie noch vor ein paar Tagen; der Kaufmännische Vorstand spürt, dass seinem Club gerade ein wenig die Zeit davonzulaufen droht. Seit rund sechs Wochen fehlt die übergeordnete Instanz bereits, was ihnen durchaus zu schaffen macht im Sportpark Valznerweiher.

Die Verhandlungen führt stets Aufsichtsratschef Grethlein, die anderen acht Gremiumsmitglieder und auch Rossow werden laufend über etwaige Fort- oder auch Rückschritte informiert. Dass es sich in die Länge zieht, hat wohl auch damit zu tun, dass der neue Sportvorstand noch anderswo einen Vertrag hat. Wie zum Beispiel Markus Krösche beim SC Paderborn. Einem Bild-Bericht zufolge steht der 38-Jährige ganz oben auf der Nürnberger Liste, nach kicker-Informationen hat Krösche sogar schon vor Ort mit dem Club verhandelt. Wie einige andere freilich auch.

 

Ex-Profi Krösche gilt als wahres Multitalent; Betriebswirtschaft hat er studiert und im vergangenen Jahr seine Fußballlehrerlizenz erworben, bei Bayer Leverkusen war er bereits Co-Trainer, in Paderborn wirkt er seit gut zwei Jahren als Geschäftsführer Sport. Und das so erfolgreich, dass ihn bereits der Hamburger SV haben wollte – aber nicht bekam.

"Hat sich niemand gemeldet"

Die im Frühjahr 2018 aufgerufene Ablöse schreckte den Absteiger ab; Krösches Vertrag gilt noch bis 2022, was für den 1. FC Nürnberg aber offenbar keinen Hinderungsgrund darstellt. "Der Club steht nicht vor dem finanziellen Ruin", sagt Rossow, "für den richtigen Kandidaten könnten wir die geforderte Summe schon bezahlen." Und würden sie wohl auch, zumal der Druck, möglichst zeitnah einen Sportvorstand zu präsentieren, von Tag zu Tag größer wird.

Offen ist nur, wohin sie das viele Geld überweisen werden. "Bislang hat sich noch niemand aus Nürnberg bei uns gemeldet", entgegnet Paderborns Präsident Elmar Volkmann in der Neuen Westfälischen, ein Angebot liege nicht vor, ergänzt Geschäftsführer Martin Hornberger. Was nicht ist, kann selbstverständlich noch werden, immerhin auf einen sehr groben Zeitrahmen hat sich Niels Rossow gestern festgelegt: "Spätestens in den nächsten Wochen sollten wir unsere Lösung präsentieren."

Dann könnten mehr als sieben Wochen rum sein, 2015 hat es in etwa so lange gedauert bis zu Bornemanns Verpflichtung. Nur war da eben noch sein Vorgänger im Amt.

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