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Fränkische Hantel-Hoffnung trotzt Zwangspause

Moritz Taschner avancierte ohne Kader-Status zum deutschen Rekordhalter - 06.01.2021 06:43 Uhr

Der 18-Jährige Moritz Taschner will noch eine Schippe draufpacken, das nächste Ziel lautet 800 Kilogramm. Dazu marschiert er derzeit (zwangsweise) immer wieder in den Keller des Reihenhauses im Rother Ortsteil Pruppach.

05.01.2021 © Foto: Cornelia von Hardenberg


Was bringt einen 18-Jährigen dazu, sich jede Woche drei bis vier Mal für drei bis fünf Stunden allein in den Reihenhaus-Keller zu begeben und völlig allein Krafttraining auf höchstem Niveau zu betreiben? Und das, obwohl der letzte Wettkampf schon über ein Jahr her ist. Moritz Taschner aus Pruppach tut sich genau das an – und er wirkt dabei alles andere als unglücklich.

Wie groß sein Talent ist und wie viel ihm dieser Sport gibt, hat er als Vierzehnjähriger für einen Leistungssportler unter Beihilfe seiner in Forchheim ansässigen Großmutter erst relativ spät entdeckt, dafür waren die Fortschritte exponentiell. Die Bilanz seit dem Debüt 2017 ist beeindruckend: Drei deutsche Meistertitel im Kraftdreikampf, etliche deutsche Einzeltitel und Titel auf bayerischer Ebene stehen inzwischen bei ihm auf der Habenseite. Doch mehr noch als die Titel zählen für ihn die Rekorde: Aktuell hält er den deutschen Rekord seiner Alters- und Gewichtsklasse im Kniebeugen (245 kg) und im Kreuzheben (280 kg) sowie im Dreikampf (685 kg).

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Kräftemessen in Forchheim: Die Bayerische Meisterschaft im Bankdrücken

Schöne Zeiten vor Corona: Beim AC Bavaria in Forchheim fand im Herbst 2019 die Bayerische Meisterschaft im Bankdrücken statt. Etliche Asse stemmten die Langhantel samt der Gewichte ohne Zusatz-Ausrüstung in die Höhe und bekamen dafür ordentlich Respekt.


Die nicht auf bundesweiter Bühne erzielten Bestleistungen sind sogar noch imposanter, zählen aber "nur" als bayerische Rekorde. Hier stehen für ihn aktuell 265 kg im Kniebeugen, 180 kg im Bankdrücken und 300 kg beim Kreuzheben zu Buche, in Summe 745 Kilogramm. Trotz dieser Erfolge muss der junge Kraftsportler ohne jegliche Kaderförderungen zurechtkommen. Dabei war er im März 2020 ganz nah dran: "Bei den deutschen Meisterschaften hätte ich die Kadernorm schaffen müssen. Diese Leistung hätte ich locker geschafft – und die Meisterschaften wären sogar bei meinem Heimverein in Forchheim gewesen. Doch dann kam der Lockdown", schildert Taschner. "Wenigstens konnte ich Ende Oktober einmal bei einem Kaderlehrgang teilnehmen." Inzwischen ist er wieder auf sich allein gestellt.

Moritz Taschner.

05.01.2021 © Foto: Cornelia von Hardenberg


Seine Trainingspläne bekommt er von Matthias Scholz aus Erfurt, der ihn aus der Ferne berät. Jede Einheit wird mit dem Handy aufgezeichnet. Für Halt und den richtigen Blickwinkel der Kamera sorgt die orangefarbene Trinkflasche. Und dann kommen Korrekturen und neue Anweisungen übers Mobiltelefon. So sind Trainer und Schützling nicht auf gemeinsame Zeiten angewiesen.

Ziel sind 800 kg

Wie es 2021 weitergehen wird, ob es deutsche Meisterschaften gibt, er es in den Kader schafft und vielleicht sogar seine ersten internationalen Wettkämpfe bestreiten kann, steht zurzeit in den Sternen. Es gibt keine offiziellen Pläne, keine Termine, auf die er hintrainiert. Und dies, wie gesagt, nun schon seit mehr als einem Jahr. Doch das ficht den ruhigen und bescheidenen jungen Mann nicht an. Er hat im Herbst seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann beim E-Center in Büchenbach begonnen und arbeitet zu Hause gewissenhaft seine Trainingspläne ab. Viel Freizeit bleibt da nicht, "aber ich bin eh nicht so der Party-Typ. Der Sport steht für mich ganz klar an erster Stelle. Mein persönliches Ziel ist es, die 800 Kilogramm im Dreikampf zu stemmen".

Mit seinen 1,93 Metern und einem antrainierten Körpergewicht von inzwischen 145 Kilogramm bringt er für seinen Sport Gardemaße mit. Allein im vergangenen Jahr hat er nochmal 25 kg draufgepackt. Doch dabei soll es nun bleiben: "Wenn ich noch mehr an Gewicht zulege, dann würde das auf Kosten der Beweglichkeit gehen." 

CORNELIA VON HARDENBERG

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