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Haaß sieht seinen HCE nah am Optimum

Der Kapitän der Hugenottenstädter sieht sein Team auf einem guten Weg - 12.06.2019 10:33 Uhr

"So haben wir von den großen nur den SC Magdeburg bezwungen": Michael Haaß ist zufrieden mit einer guten Saison des HC Erlangen. © Foto: Oliver Gold/Zink


Der Kapitän ging mit einem kleinen Brummschädel aus der tobenden Stuttgarter Arena. Doch waren es weniger die 2251 Zuschauer, die nach dem Erlanger 28:27 Radau machten, als vielmehr der Hallensprecher, der sich redlich mühte, nach einem verlorenen Schlusspunkt der Saison noch einmal so etwas wie gute Laune unter den Schwaben zu verbreiten. Fünf Spieler gab es beim TVB zu verabschieden, man tat es mit wummernden Bässen und einem plärrend laut gedrehten Mikrofon, so dass bald jeder der Anwesenden einen Brummschädel hatte.

"So macht es natürlich deutlich mehr Spaß" 

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Der von Michael Haaß aber kam von einem Zusammenprall mit Mitspieler Nikolai Link, als sich beide nach einem langen Pass gestreckt hatten. Er hätte aber genauso gut von einem der zahlreichen hart an der Grenze geführten Zweikämpfe stammen können oder auch von den Schubsereien und Wortgefechten, die sich Stuttgarter und Erlanger in einer intensiven, giftigen Schlusspartie lieferten. "Beide Seiten hatten sich entschlossen, das Spiel ernst zu nehmen", sagte Michael Haaß, er fand, das war gut so, "denn so macht es deutlich mehr Spaß." Vor allem natürlich, wenn man wie er mit seinem HCE dann auch noch gewinnt.

Überhaupt das Siegen: 14-mal gelang das in dieser Bundesliga-Saison dem HCE, der nur – und auch das ist eine positive Entwicklung – äußerst selten wirklich chancenlos selbst gegen die ganz großen Klubs der Liga war. Sechsmal verlor der Bundesligist mit nur einem Tor Differenz, zweimal mit zwei Treffern Unterschied. "Wir waren ab November nah am Optimum, was du punktemäßig erreichen kannst", so Haaß, "wenn du die sehr knappen Spiele auch noch gewinnst, reden wir vom Europapokal." Ein "riesiger nächster Schritt" wäre das, so der Kapitän, für den mancher, der bereits davon träumte, vor nicht allzu langer Zeit noch milde belächelt wurde. Das ist nun, nach einer Saison mit wenigen Tiefen und vielen Höhen, für den HCE vor allem aufgrund mancher widriger Umstände, die die erfolgreichste Saison im Handball in dieser Stadt begleiteten, gar nicht mehr als realitätsferner Quatsch abzutun.

Denn wieder musste der HC Erlangen erstaunliches Verletzungspech erdulden. Ein äußerst schwerer Saisonauftakt setzte die Mannschaft früh unter Erfolgsdruck. "Dass wir den Ankündigungen - ab November wird alles besser - Taten folgen ließen, hat viel Selbstbewusstsein freigesetzt", sagt Michael Haaß. Ihm fehlte am Ende nur die eine riesengroße Überraschung, gegen Meister Flensburg nicht mit einem Tor Differenz zu verlieren oder gegen Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen nicht nur unentschieden zu spielen. "So haben wir von den Großen nur den SC Magdeburg bezwungen."

Erfahrung und Siegermentalität

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Doch solche Ziele, findet Haaß, nimmt man nun mit in die kurze Sommerpause und als Motivation für die neue Saison. Die Verstärkungen liefern dann "vor allem Erfahrung und Siegermentalität", wie Kevin Schmidt, der Sportliche Leiter, im Podcast erzählt. Allerdings dürfte es schwer werden, die abgelaufene Saison einfach zu übertreffen. Die Neuzugänge, egal wie viel Qualität sie mitbringen, müssen sich an ein neues Land, eine neue Kultur, eine neue Sprache, eine neue Liga, eine neue Mannschaft gewöhnen.

Trotzdem ist alles geebnet für den nächsten kleinen Schritt, der Erlangen wieder ein wenig weiter in die Höhe führen könnte. Ob es schon fürs internationale Geschäft reicht - da gehört vor allem auch nötiges Glück dazu. Bleibt das aus, wäre es bei all der vor allem wirtschaftlich stärkeren Konkurrenz sicher kein Grund für Brummschädel. 

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