2:7 in Ingolstadt

Viele Ausreden, viele Gegentore: Ice Tigers erleben ein Déjà-vu

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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21.11.2021, 10:18 Uhr
Ingolstadt zum Vierten: Fredrik Storm überwindet Niklas Treutle.

Ingolstadt zum Vierten: Fredrik Storm überwindet Niklas Treutle. © Johannes Traub/Imago Images

Fabio Wagner hätte wahrscheinlich nicht einmal das Tor getroffen. Der Schuss des Nationalverteidiger aber traf einen Schlittschuh von Nick Welsh. Von dort rutschte die Scheibe über die Linie. Und als sich die Kamera danach auf die Augen von Niklas Treutle fokussierte, meinte man durch die Gitterstäbe der Maske zu erkennen, dass sich der Torhüter erinnerte: An zwei der schlimmsten Arbeitstage seiner Karriere.

Treutle hatte das schon einmal erlebt. Beim 0:7 und beim 0:8 innerhalb von nur einer Woche hatten sich die Ice Tigers im vergangenen Winter blamiert. Die Panther traten damals in neongrünen Trikots an. Am Sonntagnachmittag trugen sie erstmals Neunpink. Und auch sonst konnte man das unangenehm eindeutige 2:7 (0:3, 1:4, 1:0) noch nicht mit dem Tiefpunkt der Saison 2020/2021 vergleichen.

Auch Sheehy verletzt?

Diesmal hatten die Ice Tigers Ausreden: Aufgrund von zwei Corona-Testtagen fehlten Cheftrainer Tom Rowe zwei Trainingstage nach der Deutschland-Cup-Pause und nach den Ergebnissen drei weitere Spieler. Andrew Bodnarchuk, Marco Friedrich und Jonas Vogt sind seitdem in Quarantäne. Oliver Mebus, Blake Parlett, Julius Karrer und Ilya Sharipov fehlten weiterhin verletzt. Und in Ingolstadt verabschiedete sich Tyler Sheehy schon nach seinem ersten Wechsel in die Kabine. Nach einem Check gegen die Bande wurde der bislang herausragende Torjäger mit Verdacht auf Gehirnerschütterung aus dem Spiel genommen.

Das erklärt die erste vollkommen misslungene Leistung unter der Anleitung von Rowe. Es entschuldigt aber nicht zwei Gegentreffer bei eigener Überzahl in lediglich 31 Sekunden (Storm und Aubry) zwischen der 26. und der 27 Minute. Es entschuldigt kaum den Wechselfehler vor dem 0:3 durch Justin Feser (16.). Es entschuldigt nicht Fehlpässe und schlechtes Stellungspiel. Aber vielleicht macht es die komplizierte Gesamtsituation für Rowe und das Team leichter, auch die Tore von Storm (2.), David Warsofsky (15.), Wayne Simpson (33.) und dem sehr unglücklichen Gegentreffer durch Wagner (38.) möglichst schnell zu vergessen. Schon am Mittwoch (19.30 Uhr) müssen die Ice Tigers in Krefeld antreten, am Freitag kommt Schwenningen. Und die Personalsituation wird sich kaum verbessern.

Immerhin: 1:0 im Schlussdrittel

Noch etwas war anders als vor einem dreiviertel Jahr: Die Ice Tigers meldeten sich nach dem 0:7 noch einmal. Ryan Stoa traf noch zweimal (38. und 56. Minute). Am Freitag noch hatte sich die Mannschaft dem starken EHC München beim 2:4 zwei Drittel lang auf Augenhöhe erwehrt. Seitdem hat sie neun Tore kassiert, obwohl Niklas Treutle mit einigen spektakulären Paraden weitere Gegentreffer verhindert. Sein Déjà-vu sollte sich nach den bitteren 60 Minuten von Ingolstadt nicht noch verlängern.

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