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Klausur statt Training: HCE-Shooter Link hat anderen Fokus

Während Corona konnten Handballer ihre Blessuren auskurieren - 21.05.2020 09:24 Uhr

Nikolai Link, dienstältester Spieler des HC Erlangen, kann es nicht erwarten, wieder trainieren und über Treffer jubeln zu können.

© Sportfoto Zink / Oliver Gold, NZ


"Es ist nicht die spannendste Zeit, aber es ist alles okay, ich kann nicht klagen", beantwortet er am Telefon die einleitende Frage nach seinem Befinden. Die Decke ist ihm noch nicht auf den Kopf gefallen. Er läuft, macht Krafttraining, Intervalleinheiten, absolviert Treppenläufe und wirft gelegentlich einen Ball gegen die Wand, "damit die Schulter nicht komplett einrostet". Auf Eigeninitiative basiert das Training, schließlich hat der HC Erlangen Spieler wie Geschäftsstellenmitarbeiter vor geraumer Zeit in Kurzarbeit geschickt, um die laufenden Kosten angesichts ausbleibender Einnahmen zu senken.

Struktur für den Alltag ist hilfreich

"Es ist nicht so wahnsinnig viel zu tun, ich habe jetzt noch eine Uni-Klausur, da kann ich noch was machen", erzählt der gebürtige Friedberger eher beiläufig. Zwar hätte er die Vorbereitung auf die Arbeit auch neben dem normalen Handballbetrieb geschafft, meint er, doch auch so sei "es ganz angenehm, dass man ein bisschen einen Auftrag hat", der Struktur in den Alltag bringen könne. Nach der letzten Prüfung fehlt Link dann nur noch die entsprechende schriftliche Arbeit, um den Master auf den ebenfalls in Erlangen erworbenen Bachelor der Betriebswirtschaftslehre draufzusatteln. "Es ist alles ziemlich auf der Ziellinie", sagt der dienstälteste HCE-Spieler, hat dabei aber mehr sein Studium im Blick als seine sportliche Laufbahn.


Erlangens Bissel: "Wir könnten am Ende Gewinner sein"


Seit Januar 2012 ist Link Erlanger, hat es in dieser Zeit auch zu drei Länderspielen gebracht. Bei den zwei Lehrgängen davor hat er seinen künftigen Mitspieler Steffen Fäth auch besser kennengelernt. "Bei den Junioren, bei der 'U21', hatte ich davor schon mal einen Lehrgang mit ihm", erinnert er sich. "Ein großer Name, der zig Länderspiele und einige Titel gesammelt hat, er wird auf jeden Fall eine Verstärkung sein – hoffe ich mal", ergänzt er mit der ihm eigenen Zurückhaltung. Die auch sein Statement zur Kündigung des Sportlichen Leiters Kevin Schmidt prägt: Die Mannschaft sei schon überrascht gewesen, sagt er als Co-Kapitän neben Michael Haaß, dem künftigen Cheftrainer. Schmidt habe ihn angerufen und informiert, wie wohl auch alle anderen Spieler.

Link: "Gesunde Mischung aus Konkurrenz und Team"

Fäth, der laut Geschäftsführer René Selke vor allem als Spielmacher verpflichtet wurde, spielt auch wie Niko Link im linken Rückraum. Doch als Konkurrenten sieht der Alteingesessene den Neuzugang nicht. "Ich will ja auch, dass wir erfolgreicher spielen als die letzten Jahre. Von daher ist das gut – man braucht ja eine gesunde Mischung aus Konkurrenz und Team."

Die lange Corona-Pause geht Link allmählich auf den Geist, wie unschwer herauszuhören ist. "Eine oder zwei Wochen wären schön gewesen, so lange hätte ich es jetzt nicht gebraucht." Dennoch zieht der 30-Jährige auch Positives aus der Situation. Wie so viele Handballkollegen konnte er in Ruhe sämtliche Blessuren auskurieren. Aber: "Ich bin heilfroh, wenn es irgendwann weitergehen kann. Alles andere ist mir gerade recht egal."

Seit Freitag wäre die Saison beendet, stünde Urlaub auf dem Plan. Doch die gebuchten Reisen hat Link storniert, will vielleicht noch in die Berge, wenn dies möglich sein sollte. "Vom Fliegen habe ich mich verabschiedet, ist auch okay." Und dann blickt er über den eigenen Tellerrand hinaus: "Wenn ich an die Gastronomie und die ganzen Cafés in Erlangen denke, ist mein Urlaub gerade das geringste Problem."


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Philipp Roser

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