15°

Dienstag, 11.05.2021

|

zum Thema

Kommentar: Der Super League-Flop war nur der Anfang

Warum der Rückzug der zwölf Abtrünnigen kein Grund zur Freude ist - 21.04.2021 13:53 Uhr

Cancel Culture: Auch die Fans, die an der Stamford Bridge gegen die Super League protestiert haben, dürfen sich freuen. Fragt sich nur, wie lange.

21.04.2021 © ADRIAN DENNIS, AFP


Plötzlich war wieder Ruhe im großen europäischen Fanblock. In der Nacht zum Montag war dort die Super League aufgetaucht – protzig, selbstverliebt, abgehoben –, wurde beschimpft und hat sich zwei Tage später wieder verzogen. Alles gut also im Fußball, wie wir ihn kennen und lieben? Natürlich nicht.

Bilderstrecke zum Thema

Mehr Spiele, mehr Geld - mehr Solidarität? Das steckt hinter der Super League

Die Ankündigung allein führte im internationalen Fußball zu einem Erdbeben: Zwölf Klubs wollten sich von der Uefa loslösen und ihren eigenen internationalen Wettbewerb auf die Beine stellen, die Super League. Wir erklären, was es mit dem Projekt auf sich hat.


Es ist unwahrscheinlich, dass die Männer hinter zwölf der größten Klubs der Welt tatsächlich von den wütenden Reaktionen von Fans, Politik und aus dem Sport selbst überrascht wurden. Genauso unwahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet Bayern München und Borussia Dortmund an diesen Plänen nicht beteiligt waren; dass es der letzte Versuch war, den europäischen Spitzenfußball den Kurven zu entreißen; oder dass das Theater nicht allein dazu veranstaltet wurde, um in der Champions League zu verhindern, dass die lumpigen Meister aus der Slowakei oder aus der Schweiz die Party crashen.

Für die Young Boys Bern, für jedes Kinderlachen

Die zwölf Verschworenen, die Bayern, Dortmund und mindestens Paris St. Germain sind ihren Vierteln, ihren Städten und Ländern, selbst ihrem Kontinent längst entwachsen. Sie gehören schon lange nicht ihren Fans und schon gar nicht den Fans ihrer Gegner. Es ist Glück, mit diesen Vereinen aufwachsen zu dürfen. Fans finden ihre Vereine heute auf Instagram, Youtube oder per Livestream, nachts um drei auf der anderen Seite des Erdballs. Diese Fans und die Produkte, die sie kaufen, sind für die Männer hinter den Großklubs interessanter als die Fans in der Kurve. Und sie wissen, dass das Hochglanzprodukt nicht leiden wird, wenn sich die selbsternannten wahren Fußballfans angewidert abwenden.

Trotzdem lohnt es sich zu kämpfen, um jede Meisterschaft von Leicester City, um jede Champions League-Teilnahme der Young Boys aus Bern, um jedes Dienstagsspiel zwischen Bielefeld und den Bayern. Es lohnt sich für jedes Mädchen, jeden Jungen zu kämpfen, dass sich über ein 0:4 des kleinen Herzensklubs in den großen FC Barcelona verliebt, der immer noch mehr als ein Klub sein will, der aber spätestens in der Super League nur noch wie ein Marketinginstrument wirken wird.

Den ersten verdächtig kurzen Kampf um den Verbleib des dreckigen Dutzends mag eine seltsame Allianz aus Fußballromantikern und -zynikern gewonnen haben. Vielleicht auch will sie ihn hatte gewinnen sollen. Die große Schlacht aber hat gerade erst begonnen.

Bilderstrecke zum Thema

"Krieg im Sport": Internationale Pressestimmen zur Super League

Zwölf europäische Topklubs haben sich zusammengeschlossen mit dem Plan, eine Super League zu gründen. Bei dem umstrittenen Projekt geht es um viel Geld - und angeblich auch um die Fans. Die internationale Presse schreibt von "Erdbeben", "Krieg im Sport" und jemandem, "der den Fußball so sehr hasst, dass er ihn beschneiden (...) will".


1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport