Standard-EM

Rot-Gold tanzt ins Silberglück

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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25.9.2022, 15:19 Uhr
Alle im Flow: Der TSC Rot-Gold Casino auf dem Weg zu Silber.

© Franken Life, NN Alle im Flow: Der TSC Rot-Gold Casino auf dem Weg zu Silber.

Am Ende ihrer Reise ins Ungewisse steht eine Silbermedaille und sehr viel ungläubige Freude. Mitten in die beginnende Pandemie hinein haben sie sich beim TSC Rot-Gold Casino auf den Weg gemacht, um wieder ein bisschen besser zu werden.

Gut waren sie ja immer schon mit ihrer Standard-Formation. In der Bundesliga und bei den Meisterschaften reichte das meist für einen vierten Platz, weil die Rangliste im Tanzsport oft seltsam zementiert wirkt. In Deutschland die viertbeste Formation zu sein, ist einiges wert, weil hier die Weltspitze tanzt. Aber bei Casino waren sie nicht zufrieden.

Also hat sich Trainerin Andrea Grabner nach den Meisterschaften 2019 an eine neue Choreographie gemacht. Die beginnt mit der Zusammenstellung der Musik. In München haben sie die im Tonstudio gerade noch einspielen können, dann kam Corona. „Ich habe mir gedacht, ich fange mal an“, sagt Grabner jetzt über die Entstehung der Choreographie zur Musik. Bis dahin hatte sie dabei immer die Unterstützung von Rüdiger Knaack aus Braunschweig, einer Legende dieses Sports.

In der Zeit der Kontaktbeschränkungen aber war diese Zusammenarbeit nicht mehr unproblematisch möglich - und so ist die vielleicht beste Choreographie in der Geschichte des TSC Rot-Gold also in Grabners Alleingang entstanden. Plötzlich schafften sie es bei der Deutschen Meisterschaft auf Platz drei, erstmals vor dem 1. TC Ludwigsburg. Im November 2021 war das. In der Bundesliga ließen sie eine Saison folgen, an deren Ende sie auf Platz zwei landeten hinter dem ASC Göttingen. Eine Sensation?

Freude am Ersatzstandort

Nicht ganz, Braunschweig und Ludwigsburg konnten coronabedingt nicht die komplette Saison durchtanzen. Die Wachablösung, sagt Grabner „ist noch keine endgültige“. Gefreut haben sie sich natürlich trotzdem, unter anderem deshalb, weil sie sich so für die Formations-Europameisterschaften qualifiziert haben. Die fanden dann am Samstagabend in Nürnberg statt. Die Halle am Berliner Platz war eigentlich nicht als Austragungsort vorgesehen, aber als die eigentlichen Veranstalter in Österreich nicht mehr wollten, haben sich die Nürnberger als Ersatzstandort beworben.

Und so durften sie ihre Choreographie unter dem Motto „Power - Emotion - Energy - Passion“ beim größten Turnier der Vereinsgeschichte jetzt tatsächlich dem eigenen Publikum präsentieren. Mehr als 500 Menschen wollten diese Gelegenheit wahrnehmen - und wurden nicht ein bisschen enttäuscht.

Pizza zur Belohnung

Am Ende der drei Wertungsdurchgänge ist nur die nationale Konkurrenz aus Göttingen noch ein wenig besser als die Nürnbergerinnen, die schon nach dem ersten Durchgang ahnen, was da möglich ist an diesem Tag. „Sehr gut“, sagte Teamkapitän Rene Morczinek auf die Frage, wie sich der Start in dieses Turnier angefühlt hat.

Es wurde dann noch besser, auch wenn sie die nächsten zwei Durchgänge im Ungewissen getanzt haben. Die Wertungen erfahren alle tatsächlich erst nach dem Finale. Dass da dann bei Nürnberg die Zwei stand, hatten sie alle nicht erwartet.
Vom „größten Erfolg einer bayerischen Formation“ spricht Grabner am Tag danach. Einen, den sie eher zurückhaltend gefeiert haben. Am Samstagabend haben sie noch das Parkett abgebaut in der Halle am Berliner Platz, dann haben sie sich Pizza ins Vereinsheim liefern lassen. Am Sonntag stand Grabner schon wieder in der Halle und kümmerte sich um den tanzenden Nachwuchs - es soll die Reise ja noch nicht zu Ende sein.

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