Morddrohungen gegen Spieler: Wir sind der Club. Du nicht.

8.3.2020, 20:00 Uhr
Führte die Mannschaft trotz der Morddrohungen an: Club-Kapitän Hanno Behrens.

Führte die Mannschaft trotz der Morddrohungen an: Club-Kapitän Hanno Behrens. © Sportfoto Zink

Auf die Frage, welcher Mensch wohl hinter den indirekten Morddrohungen gegen Spieler des 1. FC Nürnberg stecken könnte, hatte Sportvorstand Robert Palikuca eine gewohnt pointierte - und wohl ziemlich passende - Antwort parat: "Ein verwirrter Vollidiot." Mehr müsste man zu den verachtenswerten Pamphleten, die am Freitagmorgen vor dem Heimspiel des Zweitligisten gegen Hannover 96 im Umfeld des Max-Morlock-Stadions sowie des Vereinsgeländes am Valznerweiher entdeckt worden waren, vermutlich auch gar nicht mehr sagen.


FCN: Palikuca nennt Plakat-Täter "verwirrten Vollidioten"


Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass hinter der perfiden Nacht- und Nebelaktion ein Täter steckt, der lediglich Angst schüren will. Auch inhaltlich lassen die ebenso kruden wie kryptischen Unterstellungen, Hanno Behrens, der Kapitän des 1. FC Nürnberg, habe die Partie gegen seinen Ex-Verein Darmstadt (1:2) manipuliert, erahnen, dass hier ein fußballerischer Verschwörungstheoretiker mit sehr verzerrter Wahrnehmung am Werk ist. Ein Novum sind derlei Drohgebärden übrigens nicht. 2008 etwa schaufelten Anhänger von Dynamo Dresden auf dem Trainingsplatz elf grabähnliche Löcher und versahen sie mit Holzkreuzen. Eine Aktion, die damals als makaber und extrem geschmacklos, aber kaum als echte Bedrohung empfunden wurde.

Kranke Geister leben wirre Weltsicht irgendwann aus

Leider aber haben erst kürzlich die rassistisch motivierten Morde von Hanau brutal vor Augen geführt, dass es eben auch kranke Geister gibt, die ihre wirre Weltsicht irgendwann ausleben und vermeintlich leeren Drohungen blutige Taten folgen lassen.


Solidarität mit Club-Spielern nach Morddrohung: "Nürnberg steht an eurer Seite"


Der Vorfall scheint auch ins gegenwärtige Klima zu passen, das Deutschlands Fußballstadien zu einem Hort von Hass und Diskriminierung stilisiert. Heute Hopp im Fadenkreuz, morgen dann reale Attentate auf unliebsame Spieler - eine logische Spirale der Gewalt, ein weiteres Beispiel für die Verrohung der Sitten in einer Gesellschaft, deren Hemmschwelle immer mehr zu sinken droht? Wer die aktuellen Fanproteste, und seien sie auch noch so primitiv und verurteilenswert, aber mit der kriminellen Grenzüberschreitung von Nürnberg verquirlt, schießt über das Ziel hinaus.

Nicht bagatellisieren, wachsam sein

Nach Vereinsauskunft halfen Mitglieder der Ultras tatkräftig beim Entfernen der Aufkleber, durch die sozialen Netzwerke schwappte sofort eine Welle der Solidarität mit den betroffenen Profis, viele empörte Fans formulierten ihre Abscheu gegenüber jenem Menschen, der sich wohl als einer der ihren zu fühlen glaubt. Die Botschaft ist eindeutig: Wir sind der Club. Du nicht.

Letztlich sollte man mit dem schlagzeilenträchtigen Vorfall am besten so umgehen, wie es sich auch für die Coronavirus-Krise empfiehlt: Nicht bagatellisieren, wachsam sein und nötige Schutzmaßnahmen treffen, aber eben auch nicht in irrationale Panik verfallen und dem Täter so mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, als er verdient. Denn vermutlich ist es, um Palikuca zu zitieren, ja wirklich nur ein "verwirrter Vollidiot".

 

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