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Müller und Wesley vom NHTC kennen sich schon ewig

Zwei Sportler, zwei Wege: Von der Windel bis zum Gold - 14.08.2012 19:10 Uhr

Großes Publikum bei der Heimkehr der Olympia-Helden Max Müller und Christopher Wesley (rechts). © Sportfoto Zink


Wenn Christopher Wesley „Mama“ und „Papa“ sagt, schwingt immer ein warmer, liebevoller Unterton in seiner Stimme mit. So viel Nähe traut man dem Schlaks mit dem spitzbübischen Grinsen erstmal gar nicht zu. Der 25-Jährige, den nicht wenige Experten als eines der größten Balltalente im deutschen Hockey sehen, hat lange nur von seiner Begabung gelebt

Darauf konnte er sich immer verlassen, und auf „Mama“ und „Papa“. Sie sind so etwas wie die Konstanten in einem bislang recht unsteten Leben. Wesley hat sich immer irgendwie durchgemogelt. So einer lernt für Klassenarbeiten schnell noch auf dem Weg in die Schule, das Medizintechnikstudium läuft inzwischen auch irgendwie, und wer so gut mit dem Ball umgehen kann, erlaubt es sich auch mal, in der Vorbereitung auf ein Spiel ein Bierchen zu viel zu trinken. Böse sein kann man ihm deshalb nicht.

„Chrissie ist eben eine echte Type“, findet Martin Müller, der die Familie Wesley schon seit zweieinhalb Jahrzehnten kennt und als langjähriger Spitzensportler ganz gut einschätzen kann, wie der Freund des eigenen Sohnes tickt. Als sich Wesley Junior vor ein paar Monaten entschied, doch ein wenig mehr als bislang in seinen Sport und das große Ziel Olympia zu investieren, fand das auch Papa Müller bemerkenswert. „,Du wirst sehen, diese Entscheidung freut dich dein ganzes Leben‘, habe ich ihm damals gesagt“, erzählte Martin Müller am Rande der Feierlichkeiten.

Wesley hatte da gerade laut lachend eine Flasche Sekt über seine Freunde ausgekippt. Der alte Wesley, ein Rückfall? Mitnichten. Wesley wird immer so bleiben, das macht ihn aus, das macht ihn auch liebenswert. Nur hat er inzwischen gelernt, dass man dem Erfolg und der Vorbereitung darauf zuweilen auch seine Zeit gönnen muss. „Ich bin ein Stück weit Max Müller geworden. Aber das ist ja richtig anstrengend, ich fühle mich gerade wie 50“, befand der Ball- und Lebenskünstler, der auch sich selbst nicht immer ernst nehmen muss.

Die Kindheit Müllers hatte das Sportlerleben des Vaters geprägt, die Reisen zu den Spielen, die täglichen harten Trainingseinheiten. Und die Erlebnisse im alten Lindestadion beim EHC 80, später in Schweinfurt, wo der kleine Max schon mal auf dem Arm des Papas Ehrenrunden auf dem Eis drehen durfte.

Jetzt hat Olympiasieger Max Müller endlich wieder Zeit für Freundin Annalena. © Sportfoto Zink


„Das war ein wunderschönes Erlebnis“, sinnierte der Doppel-Olympiasieger am Montagabend zu später Stunde. Diese Momente haben ihm früh dieses Gefühl vermittelt, mit dem Sport etwas erreichen zu können.

Dafür hat er hart gearbeitet, hart arbeiten müssen, weil er längst nicht das Talent seines Freundes „Chrissie“ hatte. Umso mehr aber Willen und Ausdauer, die bisweilen schon an die Grenze zur Sturheit stoßen. „Er wollte immer beweisen, dass er auch etwas kann. Vielleicht habe ich ihn da angestachelt. Er hat seinen Weg und seinen Platz aber längst gefunden“, findet Martin Müller, der den Filius immer eigene Wege gehen ließ.

Anfangs spielte Max natürlich Eishockey, kickte bei Tuspo Nürnberg, ehe er sich doch entschied, Hockey zu spielen. „Ich habe ihm nie hineingeredet, das war mir wichtig“, sagt Martin Müller, der seine eigene sportliche Vita relativiert. „Im Vergleich zu dem, was Max erreicht hat, sind meine Erfolge im Eishockey doch keinen Pfifferling wert.“

Gemeinsam sehr stolz auf die Söhne

„Verantwortung übernehmen, ein wenig erwachsener werden“, soll Christopher Wesley gelernt haben, hofft seine Mutter Susa, die beim NHTC so etwas wie die Mutter der Kompanie ist. Sie kümmert sich um nahezu alle Belange der Hockey-Abteilung, da kann man schon mal den Überblick verlieren.

Womöglich hat das auch abgefärbt. Egal. Auch ihr Sohn sieht jetzt einen Weg vor und für sich. „Unheimlich stolz“ sind sie beide, die Wesleys und Martin Müller. Auf etwas, was die Söhne erreicht haben, woran aber auch sie einen großen Anteil haben.

Als Max und Chrissie immer wieder um Autogramme und Erinnerungsfotos gebeten werden, gehen den Eltern vielleicht die ersten Schritte auf dem Hockeyplatz durch den Kopf. Damals, als sie beide fast noch Windeln trugen und den Schläger kaum halten konnten – ihre großen Jungs, die nun etwas für die Ewigkeit geschafft haben.

Florian Pöhlmann

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