Freitag, 16.04.2021

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Sasa Ciric: Sein Herz hängt immer noch am Club

Mazedonier über verschmähte Talente und seinen Schwiegersohn - 30.03.2021 05:56 Uhr

Liebling der Massen: In vier Jahren Nürnberg musste Sasa Ciric viele Hände schütteln.

28.03.2021 © FOTOGRAF: Günter Distler


Hallo Herr Ciric, wo erwischen wir Sie denn gerade?
Ciric: Bei uns zuhause in Skopje. Wir haben da eine schöne Wohnung in der Innenstadt. Nicht weit entfernt von unserem Cafe. Meine Frau und mein Sohn arbeiten auch ganz in der Nähe.

Sind Sie dem Fußball noch verbunden?
Ciric: Ich arbeite eng mit Richard Saller vom Sportartikelhersteller Saller zusammen und bin da für Südosteuropa zuständig. Wegen Corona kann ich zurzeit leider nicht viel unternehmen, Geschäftsreisen nach Griechenland, Bulgarien, Bosnien oder Albanien sind praktisch unmöglich. Es ist schwierig.

Arbeiten Sie auch noch für den Fußball-Verband?
Ciric: Nein, nicht mehr, es gab ein paar Probleme. Große Hoffnungen setzte ich kürzlich in die Neuwahlen, der alte Präsident ist aber auch der neue. Danach hat sich aber gleich der Vizepräsident bei mir gemeldet und gesagt, dass er mit mir reden möchte. Wie es ausschaut, wollen sie mich wieder. Nach dem Deutschland-Spiel werden wir erneut sprechen. Man muss wissen, dass die Verträge des Nationaltrainers und des Sportdirektors nach der EM auslaufen. Es kann sein, dass der Trainer der U21 übernimmt, mit dem ich seit Jahren eng zusammenarbeite, wir sind befreundet. Ich kann mir gut vorstellen, bald wieder bei der Nationalmannschaft einzusteigen. Lassen wir uns überraschen.


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Ciric: "Ich verfolge den Club natürlich"

Kann sie der 1. FC Nürnberg noch überraschen?
Ciric: Ich verfolge den Club natürlich. Für mich hat sich seit der vergangenen Saison nicht viel geändert. Das Problem ist die Mannschaft, ihr fehlt einfach die Qualität für weiter oben in der Tabelle, vom Aufstieg ganz zu schweigen. Jetzt müssen sie sogar wieder aufpassen, nicht abzurutschen. Es tut mir leid, aber da muss schon einiges passieren. Nicht nur das Scouting muss besser werden. Ich habe angeboten zu helfen, aber es hat sich damals niemand bei mir gemeldet. Wenn vom Club etwas Interessantes käme, würde ich bestimmt darüber nachdenken. Warum nicht? Man weiß nie, was passiert. Jetzt konzentriere ich mich aber erst mal auf das nächste Gespräch mit dem mazedonischen Verband.

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Was reizt Sie besonders an der Fortbildung von Talenten?
Ciric: Ich habe ja schon vier Jahre für den Verband gearbeitet und wage zu behaupten, dass ich für den Aufschwung in den letzten Jahren mit verantwortlich bin. In meiner Zeit haben wir uns mit der U21 erstmals für eine EM qualifiziert. Einige meiner Jungs fahren jetzt im Sommer auch mit der A-Nationalmannschaft zur EM. Unter anderem habe ich um Spieler gekämpft, dass sie bei uns bleiben. Nicht nur unser Jungstar Eljif Elmas hätte für eine andere Nation auflaufen können, auch noch drei, vier andere.

Ciric: Ich habe wohl eine gute Nase für Talente

Stimmt es, dass Sie Elmas vor ein paar Jahren mal dem Club empfohlen haben?
Ciric: Ich habe Nürnberg damals drei Spieler genannt, es ist aber nichts passiert. Eljif Elmas, Enis Bardhi und meinen Schwiegersohn. Elmas ist später für 16 Millionen nach Neapel, Bardhi für vier Millionen nach Levante. Ich habe wohl eine gute Nase für Talente. Zwei Vereine aus Deutschland hätten mich deshalb gerne für ihr Scouting in Südosteuropa.

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Der Club auch?
Ciric: Nein, der Club nicht. Ich würde es aber gerne machen. Ich bin normalerweise beruflich viel unterwegs, in Serbien, in Kroatien, in Bosnien, ich kenne viele Leute und schaue mir selbst auch das eine oder andere Spiel an. In sechs Stunden bin ich mit dem Auto in Zagreb, in drei Stunden in Belgrad. Das ist nicht weit weg. Ich stehe zur Verfügung. Ich bin immer bereit, dem Club zu helfen.


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Kire Markoski, einer aus unserer "Goldenen Generation"

Ihr Schwiegersohn ist Nationalspieler?
Ciric: Ja, Kire Markoski, einer aus unserer "Goldenen Generation". Kire war jetzt aber neun Monate verletzt und hat am Wochenende zum ersten Mal wieder gespielt. Ein Muskelriss im Oberschenkel, der wegen Corona aber nicht richtig behandelt werden konnte. Ich bin gespannt. Wenn alles gut läuft, hat er immer noch Chancen, im Sommer mit zur EM zu fahren.

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Was können wir am Mittwoch von der nordmazedonischen Nationalmannschaft erwarten?
Ciric: Es wird bestimmt interessant gegen uns. Beim 2:3 in Rumänien haben wir am Donnerstag überragend gespielt, wir waren eigentlich die bessere Mannschaft, beim 5:0 gegen Liechtenstein am Sonntag lief es ebenfalls ausgezeichnet. Gegen große Fußballnationen sehen wir oft besser aus als gegen kleine. Die Spanier hatten schon Probleme mit uns, die Italiener, die Engländer, teilweise richtig enge Spiele. Mannschaften, die sich nur hinten reinstellen, liegen uns dagegen nicht so. Angst haben wir keine, auch nicht vor Deutschland. Wenn wir eine Klatsche kriegen, kriegen wir eine Klatsche, aber wir wollen wenigstens versuchen zu gewinnen.


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Und ganz vorn der unverwüstliche Goran Pandev.
Ciric: Der mit Abstand größte Name im mazedonischen Fußball. Rekord-Nationalspieler, Rekord-Torschütze. Kürzlich ist er wieder zu unserem Sportler des Jahres gewählt worden, mit 37, das muss man sich mal vorstellen. In seiner Heimatstadt Strumica hat er sogar einen eigenen Verein, mit Sportzentrum und kleinem Stadion, sein jüngerer Bruder Sashko spielt da und auch mein Schwiegersohn. Die sind von der vierten bis in die erste Liga aufgestiegen. Goran ist einfach unsere Ikone.


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